Heimische Autobahnbrücken im Fokus

Das Verkehrsaufkommen auf der A 45 hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark erhöht. ▪ Archivfoto: van de Wall

MEINERZHAGEN ▪ Der Landesbetrieb Straßen in Hamm – auch zuständig für die nordrhein-westfälischen Brücken der Sauerlandlinie – nimmt derzeit insgesamt 375 Autobahnbrücken genau unter die Lupe. Darunter allerdings noch nicht die Talbrücken Beustenbach, Immecke und Sichter in und bei Meinerzhagen.

Wie Achim Schickentanz, Projektleiter der Autobahnniederlassung in Hamm auf MZ-Anfrage mitteilte, soll eine exakte Nachrechnung dieser drei Bauwerke erst mittelfristig – sprich bis zum Jahr 2017 – erfolgen. Schickentanz hält diese Brücken nicht für unsicher oder gar einsturzgefährdet. „Alle drei Jahre erfolgt dort eine einfache Prüfung, alle sechs Jahre werden die Brücken einer strengeren Prüfung unterzogen. Die Talbrücke Immecke wurde darüber hinaus bereits in den Jahren 1998 und 1999 verstärkt.“

Der Experte aus Hamm weist außerdem darauf hin, dass die Brückenbauten in Deutschland generell auf einem sehr hohen Niveau gebaut wurden. „Da hat man schon damals, vor Jahrzehnten, große Sicherheiten eingerechnet“, beruhigt Schickentanz.

Dennoch sei man beim Bau der A 45 noch nicht von einer so starken Verkehrsbelastung ausgegangen wie sie heute registriert wird. Schickentanz belegt das mit Zahlen. Laut Statistik der heimischen Autobahnniederlassung befuhren im Jahr 1980 35- bis 40 000 Fahrzeuge täglich die A 45 im Bereich Olpe. Bis 2010 stieg die Verkehrsbelastung bereits auf 50- bis 55 000 Fahrzeuge pro Tag. Erstaunlicherweise habe sich der Anteil der Lastwagen am gesamten Verkehrsaufkommen in dieser Zeitspanne kaum verändert. 1980 lag der tagsüber bei 20 Prozent und nachts bei 45 Prozent. Schickentanz: „Lediglich nachts gibt es da eine kleine Abweichung von 1980 bis 2010 um plus drei Prozent.“

Was jetzt an den Talbrücken Beustenbach (480 Meter lang), Immecke (270 Meter) und Sichter (390 Meter) folgt, ist also eine genaue Berechnung der Statik im Hinblick auf das aktuelle Fahrzeugaufkommen. „Danach gibt es die Möglichkeiten, die Brücken zu verstärken. Einen kompletten Neubau halte ich im Fall dieser drei Bauwerke für relativ unwahrscheinlich“, erläuterte Schickentanz. Auch in der Vergangenheit wurde übrigens an den Brücken im heimischen Raum gearbeitet – oft unbemerkt von der Öffentlichkeit. So wurden zum Beispiel Betonabplatzungen und Risse ausgebessert.

Landes-Verkehrsminister Michael Groschek, am vergangenen Donnerstag in Sachen „Regionale“ noch zu Gast im Meinerzhagener Rathaus, erneuerte in Düsseldorf inzwischen seine Forderung an den Bund, kurzfristig ein Sofortprogramm für die Sanierung der Autobahnbrücken aufzulegen. „Wir brauchen allein für die 375 kritischen Brücken, die wir jetzt im Nachrechenprogramm haben, innerhalb der nächsten zehn Jahre in NRW rund 3,5 Milliarden Euro“, sagte er. „Wir wollen zusammen mit dem Bund nach dem Motto ‚Wir reparieren Deutschland’ unsere Infrastruktur wieder fit machen. Dafür müssen wir die Planung, die Verstärkung, teilweise den Ersatzbau der Autobahnbrücken sofort an vielen Stellen anpacken. Sonst wird die europäischen Verkehrsdrehscheibe bald ausgebremst.“ ▪ beil

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