Austauschschüler halten Vortrag beim Rotary-Club in Meinerzhagen

Zu Gast bei den heimischen Rotariern waren kürzlich in der Stadthalle drei junge Austauschschüler. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Sie sind alle 18 Jahre alt und dank des alljährlich vom Rotary-Club initiierten Schülertaustauschs zurzeit zu Gast im Sauerland. Doch wie gefallen den Brasilianern Land und Leute?

Viktor Caixeta und Carlos Eduardo Torrezan, für seine Freunde kurz Cadu, finden das hiesige Wetter schrecklich, ihre erste Erfahrung mit Schnee beeindruckend. In der Fülle und Länge wie er von diesem Winter beschert wurde, allerdings kaum zum Aushalten. Dagegen ist die Australierin Jordan Debono, die augenblicklich bei der Familie Hartmut und Anja Herder in Kierspe wohnt, eine begeisterte Skifahrerin. Sehr befremdlich findet sie: Blutwurst. Die Herzlichkeit der „Nordmenschen“ hier hatten alle nicht erwartet, und besonders die ortsübliche Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit haben sie mittlerweile schätzen gelernt. Viktor bringt es so auf den Punkt: „Man kann den Menschen vertrauten. Wenn sie etwas sagen, dann tun sie es auch.“

Während Jordan erst im Januar nach Deutschland kam, geht der Aufenthalt für Viktor Anfang Mai bereits zu Ende. Cadu kam im August. Er wohnt mit Viktor gemeinsam bei der Familie Stefan und Regina Büchmann in Halver. Ein Vierteljahr bleiben die Schüler jeweils bei ihren Gasteltern, dann haben sie die Gelegenheit weitere Familien kennenzulernen. Neben dem regelmäßigen Schulbesuch stehen eine Tour durch Deutschland und Europa sowie eine Fahrt ins Zillertal zum Skifahren auf dem vom Rotary-Club organisierten Programm.

Kein Interesse

in Lüdenscheid

Der District 1900, zu dem auch der Rotary-Club Meinerzhagen gehört, gab in diesem Jahr mit 115 Bewerbern deutschlandweit den meisten Schülern die Gelegenheit zu einem Auslandsaufenthalt. In Meinerzhagen haben sich bereits für das nächste Jahr sieben Schüler angemeldet. Eine ungewöhnlich hohe Zahl. Da in Lüdenscheid offensichtlich nicht so viel Interesse besteht, wird der hiesige Club deshalb im kommenden Jahr von den Lüdenscheider Rotariern unterstützt. „Es ist immer wieder erstaunlich und erfreulich zu sehen, wie sich dieser Schüleraustausch auf die Teilnehmer auswirkt“, sagt Rotary-Präsident Christoph Gebauer. „Sie kehren sichtlich gereift als gestärkte Persönlichkeiten in ihre Heimatländer zurück.“

Am Donnerstag waren die Gäste vom heimischen Club zu einem Essen ins Restaurant Marò eingeladen. Anschließend gehörte die Aufmerksamkeit der Rotarier Viktor Caixeta, der mittels einer Powerpoint-Präsentation seine Heimat vorstellte. Viktor kommt aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais, der im Südosten des Landes liegt und etwa so groß ist wie Frankreich. Er hat rund 20 Millionen Einwohner, ist damit nach Sáo Paulo der bevölkerungsreichste. Er verfügt über eine bergige Landschaft mit reichen Bodenschätzen, die in zahlreichen Minen abgebaut werden. Daher auch der Name Minas Gerais, den man mit „allgemeine Minen“ übersetzen könnte. Erhebliche Goldreserven begründeten den Reichtum und die Macht des Bundesstaates. Sie sind heute weitgehend ausgeschöpft, dafür werden in den ehemaligen Minen heute Diamantvorkommen ausgebeutet.

Der Goldrausch, der im 17. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte, brachte Menschen aus allen Teilen der Welt nach Minas Gerais, so dass die traditionsbewusste, überwiegend katholische Bevölkerung, ihre Wurzeln in verschiedenen Rassen und Völkern hat. Viktors Lieblingsstadt ist Ouro Preto, die ehemalige im Barock erbaute Hauptstadt, die diese Funktion Ende des 19. Jahrhunderts an das auf dem Reißbrett entworfene Belo Horizonte abgab, in dem heute 3,1 Millionen Menschen leben. Dennoch ist Ouro Preto für viele immer noch das Herz des Staates.

Enten geben der Stadt

ihren Namen

Die Heimatstadt des brasilianischen Gastes ist Patos de Minas im Westen des Staates. Zahlreiche auf den vielen Seen lebende Enten gaben der Stadt ihren Namen, den Rotary-Präsident Gebauer deshalb scherzhaft mit „Entenhausen“ übersetzt. Dort lebt Viktor mit seinem Vater, einem Bankangestellten, seiner Mutter, einer Lehrerin, sowie einem Bruder und einer Schwester. Die Stadt liegt etwa 800 Meter hoch auf einem Plateau und ist besonders für ihre Mais-Produktion bekannt. Aber auch Bohnen, Soja und Kaffee werden hier angebaut. Weiterhin bestimmen Milchkühe und Schweine die landwirtschaftlichen Betriebe. Ein dänisches Unternehmen züchtet dort auch genveränderte Schweine.

Viktor Caixeta beschloss seinen Vortrag mit einem herzlichen Dankeschön an den Rotary-Club, der ihm diesen Auslandsaufenthalt ermöglichte, der ihm nicht nur viele denkwürdige Erfahrungen, sondern auch zahlreiche neue Freundschaften bescherte. ▪ luka

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