Pilze: Lecker, nützlich, selten tödlich

Schon seit Jahren sind Pilze bei der Waldjugend ein Thema. „Experten wie der Kiersper Charly Turck referierten dazu“, berichtet Dirk Gerlach. - Archivfoto: Deutsche Waldjugend Meinerzhagen

Meinerzhagen - In diesem Jahr gibt es sehr viele von ihnen. Und das ist gut so. Denn: Sie sind unverzichtbar für das Ökosystem und eine Delikatesse. Doch sie können auch töten.

Pilze sprießen jetzt an vielen Stellen aus dem Waldboden. Dirk Gerlach ist Horstleiter der Waldjugend Meinerzhagen. Und er warnt: „Vorsicht beim Pflücken von Pilzen. Manche Exemplare isst man einmal – und dann nie wieder.“

Die Pilzsaison ist in vollem Gange. „Die feuchtwarme Witterung im Spätsommer hatte auch positive Seiten: Viele Bäume trugen reichlich Früchte und auch Pilze sprießten deutlich früher aus der Erde als sonst“, wissen die Experten beim Landesbetrieb Wald und Holz. „Üblicherweise liegt die Hochsaison der Pilze in September und Oktober“, sagt Jan Preller von Wald und Holz NRW und fügt hinzu: „In diesem Jahr waren einige Pilze jedoch wegen der günstigen Wetterbedingungen rund vier Wochen früher dran.“

Bei Dirk Gerlach und seiner Meinerzhagener Waldjugend sind Pilze bereits seit Jahren ein immer wiederkehrendes Thema – auch, um die Waldjugend für die Gefahren zu sensibilisieren, die durch deren Verzehr entstehen. Gerlach: „Ich habe Hochachtung vor Pilzen und kann nur dazu raten, beim Sammeln sehr vorsichtig zu sein.“

Das bestätigen auch die Fachleute von Wald und Holz NRW: „Wer sich zum Pilzesammeln in den Wald begibt, muss sich gut auskennen.“ In Nordrhein-Westfalen wachsen demnach 3615 sogenannte Großpilzarten, also Pilze, deren Fruchtkörper mit bloßem Auge gut erkennbar ist. „Rund 100 davon sind giftig, wobei einige hochgiftig, andere weniger giftig sind.“ Die meisten seien ungenießbar. Nur ein paar Dutzend eigneten sich für ein schmackhaftes Pilzgericht. Es reiche aber nicht aus, sich auf Abbildungen zu verlassen. Denn viele leckere Speisepilze hätten hochgiftige Doppelgänger, deren Gifte zeitverzögert und im schlimmsten Fall tödlich wirken. „Der Grüne Knollenblätterpilz ist besonders häufig Verursacher schwerster Vergiftungen. Daher sollten nur geschulte Menschen Pilze sammeln. Entsprechende Seminare bieten die Regionalforstämter und Waldinformationszentren von Wald und Holz NRW an. Im Hammerhof bei Warburg finden in den Pilzwochen vom 8. bis 22. Oktober sogar viele verschiedene Veranstaltungen zum Thema statt“, heißt es.

Wer sich jetzt auf die Suche nach der leckeren Beilage für seinen Sonntagsbraten machen möchte, muss allerdings aber auch andere Regeln beachten: „Viele Pilzarten stehen unter Schutz. Grundsätzlich darf nur in geringen Mengen für den Eigenbedarf gesammelt werden – höchstens ein Kilogramm gilt als Richtschnur. In Naturschutzgebieten ist das Pilzesammeln generell verboten. Aber auch dort, wo junge Bäume stehen, ist das Betreten des Waldes grundsätzlich nicht erlaubt. Zudem gilt für einige seltene und geschützte Speisepilzarten ein Sammelverbot; dazu gehören unter anderem Sommer-Röhrling, Kaiserlinge und Trüffel“, präzisiert Wald und Holz NRW.

Jan Preller weiter: „Waldpilze sind das ganze Jahr als unterirdisches Geflecht im Waldboden vorhanden und erfüllen dort wichtige Aufgaben. Der auf dem Waldboden stehende Fruchtkörper ist nur ein paar Wochen im Jahr zu sehen. Einige Pilzarten – wie der Hallimasch – leben als Parasiten an Pflanzen, Tieren oder anderen Pilzen und können zum Absterben dieser Wirte führen. Er kann lebende Bäume befallen und zum Absterben bringen. Pilze fördern aber auch einen funktionierenden Stoffkreislauf und sind beispielsweise dafür verantwortlich, dass altes Holz, Laub und Nadeln zersetzt werden. Sie sorgen dafür, dass organisches Material in den Kreislauf des Lebens zurückgeführt wird. Ohne sie würde die Streuschicht auf dem Boden immer dicker und die Wälder würden in den Unmengen anfallender organsicher Stoffe regelrecht ersticken.“

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