NRW-Piraten tagen in der „Pampa“

MEINERZHAGEN ▪ 342 Mitglieder der Piratenpartei NRW waren am Samstag nach Meinerzhagen im Sauerland angereist. In der hiesigen Stadthalle ging es beim Landesparteitag um die Aufstellung der Listenkandidaten für die Bundestagswahlen im September.

Das Überwinden der Fünf-Prozent-Hürde würde den NRW-Piraten dann mindestens sieben Plätze im Berliner Parlament einbringen. In basisdemokratischer Prozedur wurde bis in den späten Sonntag Abend in einem wahren Sitzungsmarathon um die vorderen und damit aussichtsreichsten Listenplätze gerungen. In der Finalrunde am Sonntag kamen noch 42 Bewerber auf den sogenannten „Kandidaten-Grill“ und mussten sich in jeweils Sechsergruppen intensiv von der Parteibasis befragen lassen.

Meinerzhagens SPD-Bürgermeister Erhard Pierlings war nach seinem Grußwort zur Eröffnung des Parteitags von der ungewöhnlichen Szenerie in der Stadthalle so beeindruckt, dass er als interessierter Gast noch eine geraume Zeit der Versammlung beiwohnte. Zuvor hatte er für seine ebenso launigen wie informativen Begrüßungsworte viel Beifall erhalten. Anders als seine Bochumer Amtskollegin, die bei der Eröffnung des Bundesparteitags von „Delegierten“ gesprochen hatte – für die Piraten ein Unwort, weil bei ihnen jedes Mitglied stimmberechtigt ist – und die dafür ausgebuht wurde, traf der Meinerzhagener Bürgermeister erkennbar den richtigen Ton. In Anspielung auf die intensiven Diskussionen an der Piraten-Basis nach Bekanntwerden des Austragungsortes Meinerzhagen und dessen Titulierung als „Pampa“, hatte er den aus allen Teilen des Landes angereisten, „der Piraterie zugeneigten Gäste“ eine anschauliche Einordnung der Örtlichkeit gegeben. Pampa lasse sich in Bezug auf Meinerzhagen und das Sauerland allenfalls mit deren touristischen Qualitäten verbinden. Ansonsten aber verstehe sich Meinerzhagen als „Industriestadt im Grünen“. Und selbstbewusst nannte der Bürgermeister der gastgebenden Volmestadt stellvertretend und beispielhaft drei hier ansässige und durch ihre Produkte weithin bekannte Industrieunternehmen: Allen voran Otto Fuchs, auch als Muttergesellschaft von Schüco, den Zweiradzubehörhersteller Busch + Müller und die Firma Burgwächter mit ihren Erzeugnissen rund um das Thema Sicherheit.

Wie und warum es gleichwohl am Ende zur ganz offiziellen Bezeichnung „AV Pampa“ für den Parteitag in Meinerzhagen gekommen war, darüber informierte die von den Piraten an die zahlreich vertretenen Medienvertreter ausgegebene Pressemappe mit diesen Infos: „Die Entscheidung des Landesvorstands, die Aufstellungsversammlung (AV) zur Landesliste für die Bundestagswahl 2013 in Meinerzhagen zu veranstalten, ergab sich aus einer erfolgreichen Bewerbung von Basispiraten aus dem Märkischen Kreis. Zu spontanen Bedenken wegen einer womöglich durch das Winterwetter im Mittelgebirge gefährlichen Anreise gesellten allerdings sich schnell weitere Einwände vieler NRW-Piraten, von der schlechten ÖPNV-Anbindung bis hin zur Sorge um die geregelte Pizza-Versorgung. Letztlich gelang es zwar, die meisten Bedenken auszuräumen. Allerdings bildete das allgemeine Barmen und Nöhlen – der Pirat spricht von „Mimimi“ – auf Twitter den Hintergrund-Chor für die Suche nach dem Hashtag der Veranstaltung. Hashtags sind das Salz in der Twitter-Suppe. Die griffigen Kürzel zu bestimmten Gegenständen werden einfach mit vorgestellter Raute (#) in die betreffenden Tweets eingefügt und bieten anderen Nutzern so die Möglichkeit, ihre Nachrichtenübersicht themenbezogen zu filtern. Zu dem Zeitpunkt, als die NWR-Piraten sich Gedanken über einen passenden Hashtag für die AV machten, hatte die piratige Selbstironie schon wieder die Oberhand gewonnen. Nach kurzem Geplänkel erhielt der Vorschlag „AV Pampa'“ bezogen auf die abgelegene Location den Vorzug vor Alternativen wie „LMVEisblume“ und „AVMimmi“. So die Erklärung der Piraten.

Meinerzhagen und seine Einwohner werden den Begriff Pampa gewiss mittlerweile verschmerzt haben. Immerhin war am Wochenende der Name ihres Städtchens im Zusammenhang mit der Berichterstattung über das Ereignis immer wieder in den Nachrichten von Radio und Fernsehen zu hören. Dass die Stadthalle sich am Ende als von allen Teilnehmern sehr gelobter Austragungsort erwies, kommt als weiterer Pluspunkt noch hinzu.

Horst vom Hofe

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