Blumenverkauf weiter erlaubt

Nach 27 Jahren: Blumengeschäft schließt - auch wegen Corona

Muss ihr Geschäft nach 27 Jahren schließen: Anja Edlich, hier im Frühjahr vor ihrem Geschäft an der Oststraße. Ihre Mutter Ursula hatte den Blumenladen 1993 eröffnet.
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Muss ihr Geschäft nach 27 Jahren schließen: Anja Edlich, hier im Frühjahr vor ihrem Geschäft an der Oststraße. Ihre Mutter Ursula hatte den Blumenladen 1993 eröffnet.

Weihnachten wird anders – auch für Anja Edlich. Am ersten Weihnachtstag wird sie ihr „Blumenparadies“ ein letztes Mal öffnen, danach wird es keine Blumen mehr an der Oststraße geben,

Meinerzhagen – Anja Edlich schließt ihr Geschäft. „Corona hat viel dazu beigetragen“, sagt die Floristin.

Härtetest für den Handel

Corona ist auch für den Handel ein Härtetest. Viele Läden trifft er schwer. Für sie geht es ums wirtschaftliche Überleben. Von dem zweiten Lockdown sind Blumengeschäfte zwar verschont – Floristen dürfen nach wie vor öffnen, gerettet hat es das alteingesessene Geschäft in der Volmestadt jedoch nicht. Schweren Herzens, sagt Anja Edlich, habe sie die Entscheidung gefällt, ihr „Blumenparadies“ zu schließen.

Nach 27 Jahren endet zum Jahresende auch eine Ära. 1993 hatte ihre Mutter Ursula Edlich das Blumengeschäft eröffnet, 2005 übernahm es Tochter Anja.

Vieles ist weggebrochen

Durch die Corona-Pandemie sei vieles weggebrochen, begründet sie ihren Schritt. Feiern wie Hochzeiten und Geburtstage fanden gar nicht oder nur in kleinem Rahmen statt. Letzteres galt auch für Beerdigungen. Zum Tagesgeschäft seien Feiern und besondere Anlässe stets ein nicht zu unterschätzendes Zubrot gewesen.

Im „Blumenparadies“ wurden nicht nur Schnittblumen, Topfblumen und Grünpflanzen in allen Variationen angeboten, Kunden fanden bei Anja Edlich auch Dekorationen aus Keramik. Fast drei Jahrzehnte waren – je nach Saison – Früh- oder Herbstblüher vor dem Geschäft ein gewohntes Bild, fachkundig wurden die Meinerzhagener stets beraten. Am ersten Weihnachtstag wird die Floristin nun ihre letzten Sträuße verkaufen.

Marlies Krause setzt auf Lieferdienst

Mit Blumen sollte an Weihnachten vor allem Freude geschenkt werden. Dieser Meinung ist Marlies Krause, Inhaberin des gleichnamigen Blumengeschäftes an der Hauptstraße. Dass ihr Geschäft weiterhin geöffnet habe, darüber seien auch ihre Kunden froh gewesen, berichtet sie. Alles habe zwei Seiten. „Wir müssen sehen, dass wir Corona in den Griff kriegen, aber natürlich sind wir froh, dass wir arbeiten dürfen.“

Weihnachten sei auch eine Gelegenheit, Danke zu sagen: „Viele Menschen machen das gerne mit Blumen.“ Insbesondere Familien, die sich an den Festtagen nicht sehen können, würden ihren Lieben mit Blumen zeigen, wie sehr sie an sie denken. Ein Dankeschön an die Eltern, die Oma, an die Schwester oder die Nachbarin – dafür werde auch gerne der Lieferservice, den Marlies Krause neben ihrem Fleurop-Angebot anbietet, genutzt. Für Silvester etwa sollte man seinen Kaufwunsch ankündigen und bestellen, denn auch für Glücksbringer wie etwa den typischen Klee gelte am Ende: „Was weg ist, ist weg.“

Amaryllis & Co. als Geschenk

Die Entscheidung, dass der Blumenhandel geöffnet bleiben dürfe, sei zwar spät durchgedrungen, „aber ich bin froh, dass es so ist“, sagt auch Carmen Alte, die in Valbert Unterm Busche ein Floristikgeschäft betreibt. Sie habe sich eigentlich auf ein Herunterfahren eingestellt und dann durch Zeitung und Radio erfahren, dass sie ihr Blumengeschäft doch weiter öffnen dürfe. Im Ebbedorf zählt Carmen Alte vor allem auf ihre Stammkunden: „Da haben wir dann gerödelt, um für sie da sein zu können.“

Zu Weihnachten sind Amaryllis & Co. als Geschenk willkommen, das ist auch Carmen Altes Erfahrung nach fast 25 Jahren, in denen sie als Floristin tätig ist. „Ein Weihnachtsstrauß bringt Freude“ – wichtig gerade in einem so besonderen Jahr wie dem jetzigen. Wer eingeladen sei, bringe gerne ein Sträußchen mit. „Und da das ja in diesem Jahr vielfach ja nicht möglich ist, die ganze Familie zu sehen, wird vielleicht einfach ein Sträußchen vor die Tür gelegt oder auf Abstand überreicht.“ Dass das Bedürfnis, einfach „Danke“ zu sagen, sehr groß zu sein scheint, beweise auch ein Blick in ihr Terminbuch. Das Jahresende eigne sich dazu stets gut, das gelte auch für Silvester.

Spontane Blumenkäufe

Blumen zu verschenken oder sich selbst mit bunten Duftboten aufzumuntern – beide Varianten seien bereits beim ersten Lockdown deutlich zu spüren gewesen. Viele Feiern seien zwar weggefallen, durch diese „Spontan-Blumenkäufe“ habe dies aber ein wenig abgefedert werden können. Für viele Branchen sei die Pandemie leider bitter, sie selbst könne aber noch relativ zufrieden sein, blickt Carmen Alte positiv gestimmt in Richtung Weihnachten.

Nicht zuletzt gebe es noch einen weiteren Grund, warum sie froh sei, dass Floristen weiterhin öffnen dürfen. „Wir können auch bei Trauerfeiern weiter helfen. Wenn eine Familie sich nur im kleinen Kreis und dann auch noch ohne jeglichen Blumenschmuck verabschieden müsste, wäre es doch auch traurig“, so die Valberterin.

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