Neue Flüchtlingswelle rollt aus Syrien an

Die städtische Asylbewerber-Unterkunft an der Immecke Straße ist derzeit voll belegt. Familien werden von der Stadt hier allerdings nicht untergebracht. Dafür gibt es aktuell noch einige Kapazität im Übergangswohnheim an der Schlenker Straße. ▪ Archivfoto: Beil

MEINERZHAGEN ▪ „Es könnte in den nächsten Wochen auch bei uns eng werden mit der Unterbringung von Flüchtlingen“, befürchtet Hans-Erich Schmidt, Fachbereichsleiter für Ordnung und Soziales bei der Stadt Meinerzhagen. In den letzten Tagen sind in der Volmestadt zwei Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien eingetroffen – und zumindest von einer der beiden Personen wird wohl auch noch die übrige Familie nachkommen. Zurzeit ist die Stadt Meinerzhagen damit für insgesamt 75 Asylbewerber aus insgesamt 22 Ländern zuständig, informiert Schmidt.

„Noch verfügen wir im Bereich unseres Übergangsheims an der Schlenker Straße über einige Kapazitäten“, schildert der Fachbereichsleiter. Voll belegt dagegen ist die Unterkunft an der Immecker Straße. Weil absehbar ist, dass über das Land NRW demnächst wohl noch weitere Personen nach Meinerzhagen zugewiesen werden, ist die Stadt auch an der Bereitstellung von privatem Wohnraum interessiert. „Wer über Wohnraum verfügt, der dafür genutzt werden könnte, sollte sich mit uns in Verbindung setzen“, hofft Schmidt auch auf privates Engagement. Die Kosten der Unterbringung und damit auch die Miete werden aus öffentlichen Mitteln getragen.

Wie auch Freitag auf der Titelseite unserer Printausgabe und unter „Land und Leute“ berichtet, gibt es momentan einen geradezu dramatischen Anstieg der Menschen, die nach Deutschland flüchten.

Wegen der vielen Flüchtlinge aus Syrien und Südosteuropa schafft das Land NRW jetzt zügig eine dritte zentrale Unterkunft für die Erstaufnahme von Asylbewerbern neben Dortmund und Bielefeld. Diese soll in einem früheren Krankenhaus in Neuss untergebracht werden. Auch die Landesstelle für Flüchtlinge in Unna-Massen, erst im Sommer 2009 mangels Bedarf geschlossen, soll zumindest zeitweise reaktiviert werden. Weitere 138 Flüchtlinge konnten gerade auch in Hemer untergebracht werden, wo es eine größere Unterkunft gibt, nachdem dortige Bewohner zuvor auf andere Kommunen verteilt worden waren. In Hemer will das Land die Aufnahmekapazität zudem um weitere 100 Plätze erhöhen.

Der Valberter Ortsvorsteher Fred Oehm hat, wie berichtet, auch die durch Schließung der Einrichtung freigewordenen Räume des ehemaligen Landschulheims des Kirchenkreises Bochum als möglicherweise größere Unterkunft für Flüchtlinge ins Gespräch gebracht. Diesen Vorschlag hat er mittlerweile auch schriftlich gegenüber der zuständigen Arnsberger Bezirksregierung formuliert. Allerdings gibt es wegen der wenig verkehrsgünstigen Lage und auch hinsichtlich einiger anderer Aspekte erhebliche Zweifel, ob es hier zu einer derartigen Nutzung kommen wird.

Die Verantwortlichen in Land und Kommunen werden aktuell regelrecht überrollt von einer so nicht erwarteten Flüchtlingswelle. Von Januar bis August wurden bundesweit 40 294 Asylanträge gestellt – 25,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Seit Mai gab es sprunghafte Steigerungen. In Nordrhein-Westfalen wurden im August 1349 Erstanträge gestellt, knapp ein Drittel mehr als im August 2011. Stark zugenommen hat insbesondere der Zustrom von Flüchtlingen aus Syrien, Serbien und Mazedonien. Das hat unter anderem zu einer dramatischen Überbelegung der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Dortmund geführt. Neuankömmlinge wurden hier zuletzt auch in einer zum Notquartier umfunktionierten Turnhalle untergebracht.

NRW hat nach geltendem Verteilungsschlüssel 21 Prozent der in Deutschland eintreffenden Asylbewerber aufzunehmen und verteilt diese nach der Erstaufnahme anschließend auf die Städte und Gemeinden. ▪ -fe

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