"O du fröhliche" berührt die Menschen in Meinerzhagener Kirchen immer wieder

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Beate Hoppe ist an Heiligabend als ehrenamtliche Küsterin im Dienst.

Wenn alle Jahre wieder die Kerzen in der Kirche leuchten, die Glocken läuten und der Weihnachtsbaum im Lichterglanz strahlt dann sind sie schon in der Kirche – lange, bevor die ersten Gottesdienstbesucher kommen: die ehrenamtlichen Küster der evangelischen Kirchengemeinde.

Meinerzhagen - Insgesamt acht Gottesdienste werden an Weihnachten in der Jesus-Christus-Kirche und der Johanneskirche gefeiert. Ohne ehrenamtliche Helfer würde es nicht gehen. Insgesamt gibt es 14 ehrenamtliche Küster in der Kirchengemeinde. Sechs von ihnen haben während der Weihnachtstage „Dienst“ und unterstützen Arne Schumacher, der als hauptamtlicher Küster für beide Gotteshäuser verantwortlich ist.

Beate Hoppe ist eine von ihnen. „Als wir vor 40 Jahren in die Kirchstraße gezogen sind, war unser Nachbar Gerhard Wernscheid Küster der Gemeinde. Wir haben ihm geholfen Stühle zu stellen oder auf dem Kirchplatz Schnee zu schieben – das war damals noch Handarbeit“, erinnert sie sich. Hatte der Küster Urlaub, übernahm Familie Hoppe und ihr Mann die Vertretung. Einmal habe sie vergessen, dass 18 Uhr-Geläut anzustellen. „Zum Glück ist der Nachbar schnell in die Kirche gelaufen, weil er nichts hörte. Er hat dafür gesorgt, dass die Glocken läuteten, wenn auch mit kleiner Verspätung. Wir haben uns zu Hause erschrocken, als wir sie plötzlich hörten“, schmunzelt sie.

Jedes Gotteshaus hat seine Eigenheiten Dass es für beide Meinerzhagener Kirchen eigene Küster gab, ist Vergangenheit. Die Gemeinde ist daher auf die ehrenamtlichen Helfer angewiesen. Das ist auch für Roland Pudor der Grund, warum er sich seit gut zehn Jahren als Küster engagiert: „Die Kirche ist ein altes ehrwürdiges Gebäude, die Gemeinde besteht auch schon lange. Wenn nicht genügend Küster da sind, gibt es einfach ein Problem“, meint er. 

Ob in der Johanneskirche an der Birkeshöh oder in der Jesus-Christus-Kirche in der Stadt – die Aufgaben sind überall gleich, der Ablauf des Gottesdienstes ist durch die Liturgie geprägt. Und doch hat jedes Gotteshaus seine Eigenheiten. Das Glockengeläut gehört beispielsweise dazu. Während in der einen Kirche beim Vater unser ein Knopfdruck reicht, wird der Schalter für die Gebetsglocke in der anderen Kirche bei jedem Vers neu betätigt – insgesamt neun Mal. 

Zu den besonderen Gottesdiensten gehören neben Abendmahlsgottesdiensten auch die Tauffeiern. Für Beate Hoppe gibt es bei der Temperatur des Taufwassers ein besonderes Prozedere. 60 bis 70 Grad heiß müsse das Wasser in der Glaskaraffe sein. Wenn es ins Taufbecken geschüttet werde, habe es dann bei der Taufe genau die richtige Temperatur für den Täufling. 

Viele Trauungen begleiten die ehrenamtlichen Küster ebenfalls. Vor dem Schritt vor den Traualtar gab es dabei natürlich auch die ein oder andere Aufregung. Zum Beispiel war es der vergessene Brautstrauß, der dazu führte, dass die Glocken 20 Minuten länger läuteten, während der Bräutigam nervös vor dem Altar auf seine Braut wartete. „Es soll für alle Besucher festlich sein.

“ Kleinere „Pannen“ gab es auch Heiligabend. „Im Gottesdienst wurde so viel Kleingeld in den Klingelbeutel geworfen, dass er riss und alles zwischen den Bänken auf dem Fußboden landete“, erinnert sich Roland Pudor, dessen Dienst Heiligabend gut eine Stunde vor der nächtlichen Christmette um 23 Uhr in der Johanneskirche beginnt. Viel eher sind in der Jesus-Christus-Kirche Beate Hoppe, Friedrich-Wilhelm Schnöring und Andreas Schmutzler an der Reihe, die sich die drei Gottesdienste in der Stadtkirche teilen. Ihr Wunsch: Für alle Besucher soll es festlich sein. Und das trotz der Enge, die morgen in der Kirche herrschen wird. 

360 Besucher können unten im Kirchraum und oben auf der Empore Platz nehmen. „Alle Gottesdienste sind voll“, weiß Friedrich-Wilhelm Schnöring. Ein geordneter Ablauf sei daher nur möglich, wenn die Gläubigen die Kirche durch die Seitenausgänge verlassen. Der Eintritt ist nur durch den Haupteingang möglich. „Sonst gibt es Chaos.“ Vor jedem neuen Gottesdienst werden die Türen kurz verschlossen. Die Zeit nutzen die Küster, um Liedblätter zu sortieren und die Kirche für die neue Christvesper herzurichten. „Es soll ja für alle Besucher schön sein“, erklärt Wilhelm Schnöring, der mit seiner Ehefrau Ingrid auf das Kaffeetrinken und Innehalten vor dem Heiligen Abend verzichten wird. Die Bescherung muss warten, wenn die Küster zunächst im Dienst sind. Für Friedrich-Wilhelm Schnöring wird es aber auch bewegende Momente geben: „Es ist schön, zu sehen, wenn die Kirche voll ist. Wenn das ‘O du fröhliche’ angestimmt wird und man durch die Reihen schaut, sieht man immer Augen, die feucht werden. Das berührt die Menschen jedes Jahr aufs Neue.“

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