Auch alte Traktoren müssen regelmäßig geprüft werden

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Diplom-Ingenieur Martin Possoch war mit Tüv-Plaketten angereist, um die gut gepflegten alten Schlepper von der Bremse bis zur Hupe in Augenschein zu nehmen und mit dem begehrten grünen Kreis zu versehen. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Nicht nur Autos müssen regelmäßig einer technischen Prüfung unterzogen werden. Auch auf Traktoren trifft das zu. Alle zwei Jahre ist es soweit, dann müssen auch die ältesten Maschinen beweisen, dass sie noch was „taugen“. Jetzt war ein Sachverständiger in Nordhellen und prüfte die Schlepper auf Herz und Nieren.

Nicht blitzender Chrom und schnittige Formen, sondern eine robuste Bauweise und unverwüstliche Zuverlässigkeit sind es, die die Fans alter Treckermodelle begeistern, die sich mit ihren „alten Schätzchen“ wieder einmal auf den Hof von Klaus Funke in Nordhellen eingefunden hatten. Der freiberufliche Kraftfahrzeugsachverständige, Diplom-Ingenieur Martin Possoch aus Lindlar, war mit Tüv-Plaketten im Gepäck angereist, um die gut gepflegten alten Schlepper von der Bremse bis zur Hupe in Augenschein zu nehmen und mit dem begehrten grünen Kreis zu versehen.

„Viel gibt es in der Regel nicht zu beanstanden,“ sagt der Sachverständige, „denn die Fahrzeuge sind dank der guten Pflege meistens in hervorragendem Zustand.“ So ist auch das älteste Modell, ein 11 PS starker Deutz mit dem Baujahr 1950 mit glänzend grüner Lackierung, immer noch gut im „Rennen“.

Die Stunden, Tage und Monate, die ein passionierter Oldie-Fan in die Instandsetzung und Restaurierung der alten Schlepper investiert, lassen sich kaum nachhalten. Belohnt wird die Mühe aber ganz sicher, wenn die „Treckerfreude Sinderhauf“ gemeinsam zu einer Ausfahrt starten, und ihre „Schmuckstücke“ dabei der Öffentlichkeit präsentieren können. Der nächste Termin ist der 1. Mai, wenn es zur Jause nach Echternhagen geht. Für den 17. beziehungsweise 18. Juli, ist eine Fahrt nach Lindlar zum Freilichtmuseum geplant.

Wer erst einmal vom „Oldie-Bazillus“ befallen ist, belässt es häufig nicht bei einem Fahrzeug. Von echter Leidenschaft gepackt, machen sich viele gleich an die Instandsetzung eines zweiten, dritten oder sogar vierten Schleppers. „Infiziert“ wird dabei auch der Nachwuchs, der bei der jüngsten Prüfung ebenfalls zahlreich erschienen war, die Trecker beim Probesitzen fachmännisch inspizierte oder beim Fachsimpeln aufmerksam zuhörte.

Aber Martin Possoch erkennt auch die Qualitäten „naturbelassener“ Fahrzeuge, wie er bei der Prüfung einer Rarität, einem 1957er Fahr 130 AH, dem die langen Jahre an der stumpfen Originallackierung deutlich anzusehen sind, erläutert: „Hier ist nichts geschönt. Die solide Bauweise und Funktionstüchtigkeit sind offensichtlich.“ Und die Restaurierung der alten Trecker hat auch ihren Preis. Der „Ferrari“ unter den 25 Schleppern war am Samstag ein Eicher aus dem Jahre 1958, der heute zwischen 7000 und 8000 Euro gehandelt wird.

Besonders kreativ war Dieter Bender aus Nordhellen bei der Instandsetzung seines Schleppers. Weil er bei Regen nicht im Nassen sitzen wollte, baute sich der ehemalige Restaurator eine Holzkabine. „Echt Bergischer Barock“, erläutert er schmunzelnd das an einen Beichtstuhl mit Scheibenwischer erinnernde Bauwerk. Es ist mit Schnitzereien geschmückt ist, die er auf einem Schrank aus dem Jahre 1750 entdeckt hatte. Oldtimer-Schlepper-Fans sind halt Individualisten. ▪ luka

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