Arzt schlägt Alarm

Engpass beim Grippe-Impfstoff

Impfung gegen Grippe (Symbolbild)
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Impfung gegen Grippe (Symbolbild)

Die Corona-Fallzahlen steigen, die Sorge der Politiker wächst – und all das wirkt sich auch auf den Alltag der Ärzte in Meinerzhagen aus.

Dr. Holger Reimann, Sprecher der heimischen Allgemeinmediziner, zeichnet ein düsteres Bild, wenn er an die bevorstehenden „dunklen Monate“ und die Sorglosigkeit einiger Mitbürger denkt. Und: Er hat bereits ein Mahnschreiben in die Landeshauptstadt geschickt.

Grippeimpfungen werden insbesondere Angehörigen der Risikogruppen schon lange empfohlen. In diesem Jahr scheint die Resonanz aber besonders groß zu sein. „Die Leute wurden durch Corona sensibilisiert“, hält Reimann einen direkten Zusammenhang mit der Pandemie für wahrscheinlich. In der Folge haben die Patienten seine Praxis an der Straße Zum Alten Teich förmlich gestürmt. Mit Folgen für alle jene, die sich erst jetzt für eine Impfung entscheiden.

500 Impfdosen aufgebraucht

„Ich habe auf Grundlage der Impfungen im vergangenen Jahr 500 Impfdosen für diesen Herbst bestellt. Und schon jetzt habe ich keine mehr“, sagt der Allgemeinmediziner. Dabei habe er nicht knapp kalkuliert. „Ich habe sogar 200 Dosen mehr bestellt, als ich 2019 brauchte – allerdings zu einer Zeit, in der Corona noch keine Rolle spielte oder einigen nur als Biermarke bekannt war.“

Auch die heimischen Apotheken könnten derzeit nicht liefern. In einzelnen Praxen Meinerzhagens sei zwar noch Impfstoff vorhanden, allerdings sei dieser bereits reserviert oder noch nicht eingesetzt worden, weil einige Ärzte erst Ende Oktober mit der Impfung beginnen.

Mahnschreiben an den Gesundheitsminister

An NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann habe er daher bereits eindringlich appelliert, für Nachschub zu sorgen. „Wenn die Politik in der Bevölkerung dafür wirbt, sich gerade jetzt gegen die Grippe impfen zu lassen, sollte sie auch berücksichtigen, welche Folgen das haben könnte“, hält Holger Reimann die Werbekampagne für die Grippeimpfung für nicht ausreichend durchdacht. Nachlieferungen seien zwar angekündigt worden, aber nicht vor Mitte November verfügbar.

Ich befürchte eher, dass die Sorglosigkeit zunimmt.

Dr. Holger Reimann, Allgemeinmediziner

Aber für wie besorgniserregend hält der Ärztesprecher die Situation in Meinerzhagen derzeit? Eine größere Unsicherheit in der Bevölkerung nehme er zwar nicht wahr, sagt Reimann. „Ich befürchte eher, dass die Sorglosigkeit zunimmt.“ Der bundesweit erkennbare Altersdurchschnitt einer Infektion vor allem jüngerer Menschen im Alter von 15 bis 39 Jahren seien auch in seiner Praxis erkennbar gewesen, sagt Holger Reimann. Die Symptome auch hier: Husten, Fieber, allgemeine Schwäche – vor allem aber der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Dass die Länder nun vermehrt über Möglichkeiten der Corona-Eindämmung beraten, hält der Mediziner für richtig. Für falsch hält er jedoch das Festhalten am föderalen System der Bundesrepublik in dieser Frage. „Wenn einige Länder in Sachen Reiseverbot ausscheren, kann ich das nicht nachvollziehen. Das Virus kümmert´s doch nicht, ob es gerade eine Landesgrenze überschritten hat!“ In seinem Appell an die Politik für die kommenden Wochen zitiert er: „Erst denken, dann handeln!“

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