Symptome wie bei einer Erkältung

Arzt aus dem MK warnt eindringlich vor Delta-Variante

Dr. Holger Reimann warnt vor der Delta-Variante.
+
Dr. Holger Reimann warnt vor der Delta-Variante.

Dr. Holger Reimann ist beunruhigt. Der Arzt aus Meinerzhagen beobachtet die Ausbreitung der Delta-Variante mit großer Sorge. Denn Delta ist tückisch.

Meinerzhagen – Die Coronavirus-Mutation, die zuerst in Indien entdeckt wurde, verursache andere Symptome, als bisher bekannt, stellt der heimische Mediziner fest.

Symptome wie bei einer Erkältung

„Kopfschmerzen, Halsschmerzen, eine raue Kehle, Husten und eine tropfende Nase. Und so fast exakt die Symptome, die auch eine Erkältung hervorruft. Damit ist Delta von einem klassischen Schnupfen kaum zu unterscheiden. Und das könnte Probleme bereiten. Theoretisch müsste man bei jeder Erkältung einen PCR-Test durchführen, um Klarheit zu gewinnen“, stellt der Arzt fest.

Mit dem Herbst werden sich auch Erkältungskrankheiten ausbreiten – das ist ganz normal. Dass beispielsweise in einer Kindergartengruppe mehrere Nasen gleichzeitig tropfen – keine Seltenheit. Weil auch Dr. Reimann damit rechnet, empfiehlt er Erziehungsberechtigten und Pädagogen: „Lassen Sie bei ihrem Kind einen Schnelltest durchführen und suchen Sie mit ihm – allerdings unbedingt nach vorheriger Anmeldung – einen Arzt auf.“

Mehr Infektionen wahrscheinlich

Ob Kinder- und Jugendliche geimpft werden sollten, dazu hat der Arzt aus Meinerzhagen noch keine abschließende Meinung. „Hier müssen wir die Ergebnisse der laufenden Studien – derzeit mit nur 1000 Teilnehmern – abwarten. Die Datenlage ist noch zu dünn.“

Dass die Infektionszahlen in Deutschland auf einem so niedrigen Niveau bleiben wie augenblicklich, daran mag Dr. Reimann nicht glauben. Wenn er in die Nachbarschaft blickt, sieht er das Unheil aufziehen: „Mehr als 30 000 Infizierte an einem Tag in England und auch in den Niederlanden steigen die Zahlen gewaltig.“ Studien aus Großbritannien mit mehr als 30 000 Infizierten hätten neben der Tatsache, dass die Symptomatik bei Delta eine andere als bei den Vorgänger-Viren sei, allerdings ergeben, dass die Sterblichkeit bei Delta-Infizierten geringer sei. Und auch Krankenhaus-Einweisungen kämen seltener vor. „Aber die Viruslast im Hals-/Nasenraum ist höher. Deshalb ist Delta ansteckender“, erläutert Dr. Reimann. Er selbst und sein Praxisteam können jetzt nur abwarten, wie sich die Situation entwickelt. „Bis dahin gelten bei uns alle bekannten Vorsichtsmaßnahmen. Das bedeutet auch: Maske tragen.“ Dass sich Delta aber aufhalten lassen wird, damit rechnet der Arzt nicht. Obwohl er selbst bisher noch keinen Delta-Patienten behandeln musste, glaubt er, dass mit dieser Mutation Infizierte auch zu ihm kommen werden: „Und die Urlaubsrückkehrer werden die Situation noch verschärfen“, ist Dr. Reimann vorgewarnt.

EM als Infektionsbeschleuniger

Und es gibt noch einen Aspekt, der Dr. Reimann ganz und gar nicht gefällt: Die Fußball-Europameisterschaft und die Zuschauermassen, die in ihrer Euphorie alle Vorsichtsmaßnahmen über Bord geworfen haben. „Diese Bilder im Fernsehen haben mich wütend gemacht – auf die Uefa und die Länder, die so etwas zugelassen haben.“

Immerhin: Impfstoff hat der Mediziner zurzeit genügend. „Am Dienstag hatten wir sogar vier Dosen von Biontech/Pfizer übrig. Wir versuchen dann, Menschen zu erreichen, die wir noch impfen könnten, damit der Impfstoff nicht verfällt“, beschreibt Dr. Reimann die Vorgehensweise in einem solchen, inzwischen gar nicht mehr so seltenen, Fall. Für die ganze Woche hat er diesmal 63 Dosen von Biontech/Pfizer und 50 von Astrazeneca erhalten. Ob die alle an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht werden können, ist aber fraglich, denn Dr. Reimann hat eine Entwicklung beobachtet, die ihm nicht gefällt: „Auch bei uns sagen immer mehr Patienten einen Impftermin ab oder sie kommen einfach gar nicht. Manchmal scheint der Urlaub halt wichtiger zu sein...“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare