Ihn kannte wirklich jeder in der Stadt

Freibad im MK: Kult-Bademeister geht nach 23 Jahren von Bord

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Der Kapitän geht von Bord: Armin Langemann wurde nach 23 Dienstjahren im Freibad an der Oststraße in den Ruhestand verabschiedet.

Meinerzhagen - Für viele Freibadbesucher war er jahrzehntelang "der Kapitän" - jetzt geht er von Bord: Armin Langemann, Meister für Bäderbetriebe, geht in den Ruhestand.

Wenn der Kapitän von Bord geht, ist es für die Passagiere immer gut, wenn er ein funktionstüchtiges Schiff hinterlässt – vor allem, wenn es durch tosende Gewässer treibt. Tosend, ungewöhnlich, herausfordernd: Das sind die Attribute, mit denen auch das Freibad in Meinerzhagen derzeit zu kämpfen hat. 

Doch dessen „Kapitän“ ging jetzt von Bord: Armin Langemann, seit 1997 zunächst Bademeister und heute offiziell Meister für Bäderbetriebe an der Oststraße, verabschiedete sich am Dienstag von seinen „Stammkunden“, den Frühschwimmern und vielen Freunden des Bades. Nach 23 Jahren ist Schluss: Langemann geht in den Ruhestand. 

Ein echter Poahlbürger

Schon in jungen Jahren war der Poahlbürger, wie sich Armin Langemann selbst gerne nennt, begeisterter Wassersportler. Mit elf Jahren machte er den Rettungsschwimmer bei der DLRG. Der Bootsführerschein für den Binnen- und Küstenbereich folgten. „Damals“, erinnert sich Langemann, „war ich im Sommer immer an der Listertalsperre im Einsatz“. 

Doch leben konnte er von diesen Einsätzen nicht. Bis zu seiner Anstellung im Bäderbereich war es ein langer Weg. Da er den gleichen Beruf erlernen wollte wie sein Vater, besuchte Armin Langemann nach der Schullaufbahn zunächst die Berufsfachschule, um Technischer Zeichner zu werden. Parallel dazu abolvierte er eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. 

Langer Weg bis ans Freibad-Becken

„Die Firma machte jedoch dicht, und ich stand da“, erinnerte sich Langemann einst im MZ-Gespräch. „Arbeitslos wollte ich nicht sein, also ging ich als Maschinenarbeiter zu Fuchs.“ Später schulte er zum Verwaltungsfachangestellten um. „Das“, sagt er, „war nicht mein Ding.“ Aber von dieser Ausbildung sollte er später noch profitieren – allerdings nicht unmittelbar.

Zunächst musste sich der Meinerzhagener mit Jobs in der Elektrobranche über Wasser halten. Und das tat er im wahrsten Sinne des Wortes zur gleichen Zeit auch in den Lüdenscheider Bädern, wo er aushalf, wenn Not am Mann war. Immer deutlicher zeichnete sich ab, dass das nasse Element seine Leidenschaft ist.

"Richtig weg war ich nie"

So entschloss sich Armin Langemann, noch einmal die Schulbank zu drücken und an der Bundesschwimmmeisterschule in Duisburg die Ausbildung zum „Fachangestellten für Bäder“ zu absolvieren, später dann zum Schwimmmeister. Seinem Wohnort Meinerzhagen blieb er dabei aber stets treu. „Richtig weg war ich nie“, sagt Langemann. 

Auch die Wassertemperatur musste Langemann stets im Auge behalten.

Zunächst bei den Stadtwerken in Lüdenscheid beschäftigt, stellte ihn 1997 die Stadt Meinerzhagen als Schwimmmeister ein. Der Weg dorthin war kurios. „Heiligabend 1996 habe ich einfach eine Bewerbung geschrieben – eine Woche später schrieb die Stadt die Stelle für eine Saison aus. Das kam für mich in unbefristeter Anstellung nicht infrage. Und Bürgermeister Pierlings war einverstanden: Ich erhielt eine unbefristete Stelle in Meinerzhagen.“ 

Ohne Enthusiasmus geht´s nicht

Und so war Langemann seit dem 1. April 1997 „Kapitän“ des Freibads an der Oststraße, hat viele Entwicklungen und Trends erlebt. „Für den Job braucht man eine gewisse Portion Enthusiasmus, denn man steht ja immer irgendwie mit einem Bein nahe im Gefängnis“, sagte Armin Langemann vor zwölf Jahren im Gespräch mit der MZ. „Ich muss hier für Sicherheit und Ordnung sorgen. Und das wird hin und wieder auch mal richtig laut.“

Das allein genüge jetzt aber nicht mehr, sagt Langemann heute. „Als ich hier anfing, war der Bademeister noch eine Respektsperson. Wenn der was sagte, wusstest du: Jetzt nicht weiter, sonst fliegst du raus. Heute kannst du diskutieren, so lange du willst – am Ende muss dann leider häufiger als damals die Polizei gerufen werden.“ Aber nicht nur die Gäste, sondern auch der Beruf selbst war vielen Entwicklungen ausgesetzt. 

Sanierung war eine Zäsur

Gerne erinnert sich Langemann etwa an die Sanierung des Freibads in den Jahren 2008/2009. „Bis dahin verfügte das Bad über ein Schüttbetonbecken mit nur drei Abläufen. Bei Westwind trieb der ganze Dreck auf der Ostseite des Beckens“, erinnert sich der Meister für Bäderbetriebe. Das neue Edelstahlbecken mit einem Rundum-Ablauf habe diese Situation zweifellos verbessert. 

Ganz zu schweigen vom gestiegenen Komfort, den die Gäste mittlerweile nutzen können. „Die Technik hat den Job aber auch zeitintensiver gemacht“, sagt Langemann, der aber handwerklich geschickt genug ist, um vieles in Eigenregie zu erledigen. 

Jetzt viel Zeit für die Hobbys

Eine Fähigkeit, die er auch jetzt im Ruhestand voll auskosten will. „Ich möchte mir eine kleine Werkstatt bauen. Da habe ich Spaß dran“, sagt Armin Langemann, der außerdem gerne aufs „Moped“ steigt, wie er sagt: eine Yamaha Virago, „mit der ich jetzt gerne mal öfter in Ruhe cruisen würde“. 

Und wenn ihn dann doch die Sehnsucht nach dem Freibad an der Oststraße packt? Dann kann er kurzum seine Frau Sabine nach Neuigkeiten fragen – denn die ist weiterhin im Freibad beschäftigt. Das „Ehepaar Langemann“ als feste Institution an der Oststraße ist nun aber Geschichte. „Das hat aber immer wunderbar funktioniert“, erinnert sich der frisch gebackene Ruheständler an die Arbeit mit seiner Frau zurück. „Wir haben den Job nie mit nach Hause genommen. Feierabend war Feierabend.“ Natürlich habe es mitunter auch mal im Job „gekracht“, am Ende ist Langemann aber überzeugt: „Ich würde jederzeit wieder mit meiner Frau zusammenarbeiten!“

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