Ehrenamtliche im Einsatz

Ohne (Flüchtlings-) Hilfe geht es nicht 

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Susanne Berndt hat inzwischen auch das Lager mit Haushaltswaren geschlossen.

Meinerzhagen - Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle in den Jahren 2015 und 2016 wurde auch in Meinerzhagen der Platz knapp. Bis zu 400 Menschen, die Leistungen von der Stadt bezogen, mussten gleichzeitig untergebracht und versorgt werden.   

Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre das unmöglich gewesen. Susanne Berndt, einst Sprecherin des Ende 2018 aufgelösten Arbeitskreises (AK) Flüchtlinge, denkt oft zurück an diese Zeit. „Unser Organisationsteam hatte damals zwischen zehn und zwölf ehrenamtliche Mitglieder. Hinzu kamen die sogenannten ,Lehrer’. Die erteilten Sprachunterricht.“ 

Bereits im Dezember 2014 wurde in Meinerzhagen ein „runder Tisch“ ins Leben gerufen, bei dem die Weichen für die Arbeit der Ehrenamtlichen gestellt wurden. 

In der Folge organisierten die Mitglieder Unterstützung verschiedenster Art. Möbellager, Kleiderkammer im Sozialen Bürgerzentrum „Mittendrin“, Begleitung bei Behördengängen und Famlienzusammenführung, erste Orientierungshilfen in der fremden Kultur. „Unsere Kommune wurde in der ersten Phase regelrecht überrannt. Und wir hatten kaum Schränke und Betten, die wir zur Verfügung stellen konnten“, beschreibt Susanne Berndt die damalige Situation. 

Dank vieler Spenden war Hilfe möglich

In der zweiten Phase im Jahr 2016 änderte sich der Aufgabenbereich für den AK. „Kamen zunächst fast ausschließlich junge Männer, stießen später Familien dazu“, blickt Susanne Berndt zurück. Die zogen nach ihrer Anerkennung in eigene Wohnungen, oft bei der Baugesellschaft. Was nun fehlte, war die Ausstattung. „Waschmaschinen, Hausrat – einfach alles“, sah Susanne Berndt den Arbeitskreis vor schier unüberwindliche Hürden gestellt. Dank vieler Spenden aus der Bevölkerung konnte aber trotzdem fast immer geholfen werden.

Inzwischen gibt es keinen Arbeitskreis mehr, das Möbellager in einer Halle der Firma Busch und Müller am Bamberg ist ebenfalls Geschichte. Kleidung ist allerdings weiterhin im „Mittendrin“ am Prumbomweg zu haben. Das Hausrat-Lager in einem Raum der Gemeinde St. Martin ist ebenfalls geschlossen, wenn auch noch nicht komplett leer geräumt.

Kein AK, keine Probleme mehr bei den Flüchtlingen? „Doch. Es sind nur andere als in der heißen Phase“, erläutert Susanne Berndt. Und wer hilft heute? „Ich bin für viele Flüchtlinge immer noch Ansprechpartner. Einige kennen mich, andere haben über Mund-zu-Mund-Propaganda erfahren, dass ich mich weiter kümmere“, sagt Susanne Berndt. 

Ihr ist es allerdings sehr wichtig, darauf hinzuweisen, dass nicht nur Flüchtlinge Hilfe im täglichen Leben benötigen. „In Meinerzhagen fehlt einfach eine Art Lotse, der bei Problemen angesprochen werden kann. Ich bemühe mich nach Kräften, bin allerdings kein offizieller Ansprechpartner mehr. 

Unterstützung auch beim Kontakt mit den Behörden

Hilfe gibt es auch im ,Mittendrin’ am Prumbomweg. Dort erfolgt die Unterstützung entweder vor Ort oder man verweist an jemanden, der sich auskennt“, schildert Susanne Berndt die augenblickliche Praxis in Sachen Flüchtlingshilfe. 

Und es sind die kleinen alltäglichen Dinge, mit denen sie sich inzwischen beschäftigt. „Es geht oft um Unterstützung beim Kontakt mit der Familienkasse, dem Jobcenter und allgemein mit Behörden. Noch einmal: Das möchte ich nicht nur auf Flüchtlinge beziehen, auch andere Menschen sind hier manchmal überfordert und benötigen jemanden, der sich kümmert, der ihnen hilft“, sagt Susanne Berndt. 

„In diesem Zusammenhang heißt das Zauberwort ,Netzwerk’. Verfügt man über ein solches, kann man effektiv helfen“, fügt die nach wie vor ehrenamtlich engagierte Volmestädterin hinzu. 

Da kommt es ihr zugute, dass sie „Hinz und Kunz“ kennt. Beispielsweise in diesem Fall: „Eine Syrerin hat sich von ihrem Mann getrennt. Jetzt muss sie in eine kleinere Wohnung umziehen. Sorgen wie diese habe ich zwei oder drei Mal pro Woche auf dem Tisch“, erläutert Susanne Berndt. 

Für die Flüchtlinge spiele es kaum eine Rolle, dass es den Arbeitskreis in Meinerzhagen nicht mehr gebe. „Die klingeln weiterhin im Awo-Treff an der Stadthalle“, hat Susanne Berndt festgestellt. Und warum das? Weil sie hier oft anzutreffen ist. Schließlich ist Susanne Berndt auch Vorstandsmitglied der heimischen Arbeiterwohlfahrt – und sie ist auch hauptamtlich für die Awo tätig. Als Koordinatorin für die Schulbetreuung im Awo-Unterbezirk Hagen/Märkischer Kreis.

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