Altenpflege ist anspruchsvoll – in allen Bereichen

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Britta Holthaus und Sandra Pawlas von der Arbeitsagentur unterhielten sich mit der Bundestagsabgeordneten Petra Crone und Einrichtungsleiterin Monika Besner (von links) über Pflegeberufe im Allgemeinen und im Langemann-Haus im Besonderen.

Meinerzhagen - Altenpflege ist ein Balanceakt. Auf der einen Seite hohe Anforderungen an das Personal, auf der anderen Seite ein enger finanzieller Spielraum und viel zu wenige Fachkräfte. Wie es dem Wilhelm-Langemann-Haus an der Mühlenbergstraße gelingt, dieses Gleichgewicht zu halten, erklärte Einrichtungsleiterin Monika Besner jetzt gegenüber der SPD-Bundestagsabgeordneten Petra Crone und Vertreterinnen der Agentur für Arbeit.

Sandra Pawlas, neue Chefin der Iserlohner Arbeitsagentur, und Britta Holthaus vom gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit im Jobcenter MK wussten bei aller Not im personellen Bereich von dicken Brettern zu berichten, die zur Motivation potenzieller Pflegekräfte zu bohren sind. Große Hoffnung setzen sie aber auch in solche Frauen, die nach längerer Erziehungszeit in einen Beruf zurückkehren wollen. „Diese Frauen sind erfahren, stehen mitten im Leben und haben in der Familie bewiesen, dass sie Abläufe organisieren können“, weiß Monika Besner um die Vorzüge dieser Angestellten. Natürlich seien auch Männer herzlich willkommen – die allerdings haben bekanntlich nur selten eine längere Erziehungszeit hinter sich.

Ansprechbar sei die Agentur für Arbeit eben ausdrücklich auch für solche Personengruppen, die kein Arbeitslosengeld beziehen, aber in die Berufstätigkeit zurückkehren wollen, betonte Pawlas beim Gespräch im Wilhelm-Langemann-Haus. Und so nutzte die Agentur-Chefin den Termin nicht zuletzt dazu, um Werbung in eigener Sache zu machen. „Wir können nicht nur darauf warten, dass die Menschen zu uns kommen, sondern müssen dorthin, wo sie sich treffen“, sagte Sandra Pawlas.

Doch Arbeitssuchende von einem Job in der Altenpflege zu überzeugen, ist alles andere als leicht. Das weiß auch Petra Crone, die daher froh ist über ein neues Ausbildungsmodell, das der Bundestag in der kommenden Woche verabschieden will. Künftig soll es eine generalistische Ausbildung geben, die sowohl die Kinder- als auch die Altenpflege zugleich berücksichtigt. Damit, so die Hoffnung, sollen ausgelernte Fachkräfte auch besser bezahlt werden – denn bislang konzentrieren sich viele lieber auf die (besser bezahlte) Pflege von Kindern. Und das, obwohl der Bedarf an Mitarbeitern in der Altenpflege weitaus höher ist.

„Künftig soll der Ausbildungsweg erst nach dem zweiten Jahr separiert werden“, erläuterte Crone, die in Berlin dem Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend angehört und sich seit Jahren auch stark macht für eine bessere Vereinbarkeit von Altenpflege, Familie und Beruf.

Genau diese Vereinbarkeit werde im Langemann-Haus den Arbeitnehmern ermöglicht, betonte Monika Besner, die auch auf ein entsprechendes Zertifikat für das Perthes-Werk als „familienfreundliches Unternehmen“ hinwies. „Wir möchten unseren Mitarbeiterinnen möglichst flexible Dienstzeiten ermöglichen und treffen auch gerne frühzeitig Absprachen für die Rückkehr nach der Erziehungszeit.“ Auch das seien Faktoren, die auch Umsteigerinnen einen Wechsel in die Pflege attraktiv machen könnten, wie die Vertreterinnen der Arbeitsagentur wissen.

Wenngleich natürlich auch der Nachwuchs möglichst früh begeistert werden soll: etwa durch Ausbildungsbörsen oder Praktika. „Wichtig ist, dass die Häuser sich öffnen“, sagt Britta Holthaus als Bindeglied zwischen Arbeitgebern und Agentur. Diese Voraussetzung erfülle das Langemann-Haus vorbildlich. Was fehlt, sei allerdings die Akzeptanz für Pflegekräfte und auch für Angehörige in der Gesellschaft. „Es muss klar werden, dass es nichts Verwerfliches ist, seinen Angehörigen in professionelle Hände zu geben“, fordert Petra Crone.

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