Tagung im Haus Nordhelle: Älter werden in Arbeitswelt

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Das Interesse an der Zukunft der Arbeitswelt ist groß. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone (Dritte von links) hatte zur Tagung nach Valbert eingeladen. ▪

VALBERT ▪ Dass wir alle immer länger arbeiten müssen, bezweifelt inzwischen niemand mehr. Doch wie können sich Arbeitgeber besser auf die älteren Mitarbeiter einstellen? Wie könnten ihre Arbeitsplätze aussehen? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigte sich am Mittwoch die Tagung „Erfahrung wird Zukunft – Älter werden in der Arbeitswelt“ im Haus Nordhelle.

„Südwestfalen schrumpft“, sagte Petra Crone in ihrer Begrüßungsrede mit Blick auf junge Arbeitnehmer, die die Region verlassen. Trotzdem bleibe Südwestfalen die stärkste Wirtschaftsregion in NRW und die drittstärkste in Deutschland. „Wir müssen für Jung und Alt attraktiver werden“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete und Initiatorin der Tagung. Besonders die Arbeitswelt sei da gefragt.

Gerhard Naegele sieht vor allem die Unternehmer in der Pflicht, sich auf die neue Situation einzustellen. „Wir hatten fast 30 Jahre lang eine Kultur der Frühverrentung“, sagte der Professor und Direktor des Instituts für Gerontologie an der TU Dortmund. Erst seit einigen Jahren gebe es die Kehrtwende hin zur längeren Lebensarbeitszeit.

Ältere Arbeitnehmer

sind oft unzufrieden

Zwar arbeiteten schon jetzt mehr Menschen im Alter zwischen 55 und 64 als noch vor 20 Jahren. Viele von ihnen zeigten sich aber unzufrieden über nicht altersgerechte Arbeitsbedingungen, sagte Naegele. Ältere Mitarbeiter sähen sich zudem oft durch Kollegen diskriminiert. So hätten viele jüngere Arbeitnehmer das Vorurteil, ihre älteren Kollegen seien weniger leistungsfähig.

Um den Job für ältere Mitarbeiter angenehmer zu gestalten, können Arbeitgeber eine Menge tun, glaubt Naegele. Es sei zum Beispiel wichtig, die Teams geschickt zusammenzusetzen und Altersgruppen zu mischen. Auch die Gesundheit sei ein wichtiges Thema. „Da geht es nicht nur um Förderung und Gesundheitsschutz“, sagte der Professor. „Man sollte Menschen nicht lange auf Arbeitsplätzen lassen, die besonders gesundheitsgefährdend sind.“ Es gebe eine große Diskrepanz zwischen dem, was sich Angestellte wünschten, und dem, was Betriebe schon tun.

Frauen in der

„Sandwich-Situation“

Die Frage nach flexiblen Arbeitszeiten stelle sich besonders, da auch Frauen immer länger arbeiteten. „Frauen sind oft in einer Sandwich-Situation“, so Naegele. „Sie pflegen Angehörige und kümmern sich noch um die Kinder.“ Darauf müssten sich Arbeitgeber einstellen, da sie auf die Mitarbeiterinnen angewiesen seien. Am Nachmittag diskutierten die Teilnehmer in vier Workshops intensiv weiter. ▪ cra

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