Abgestürzte Eulen-Küken

Eine echte Gratwanderung im heimischen Forst

Birgit Struth mit ihrem Wüstenbussard. Die Falknerin aus Valbert ist eine Expertin auf dem Gebiet „Greifvögel“.
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Birgit Struth mit ihrem Wüstenbussard. Die Falknerin aus Valbert ist eine Expertin auf dem Gebiet „Greifvögel“.

Birgit Struth ist Falknerin. Die Valberterin besitzt einen Wüstenbussard und einen Rotmilan. Klar, dass ihr Herz besonders für Vögel schlägt.

Meinerzhagen – Umso trauriger war sie, als sie von einer Bekannten erfuhr, dass die an einem Tag acht Waldohreulen-Küken auf dem Waldboden entdeckt hatte. Die Tiere, so Struth, seien wohl mit ihrem Horst abgestürzt, als ein vom Borkenkäfer befallener Baum gefällt worden sei. Die gute Nachricht: Birgit Struth berichtet, dass es allen Tieren gut geht und sie sich jetzt in der Obhut eines Kollegen befinden würden.

Verständnis für Fällungen

Die Greifvogel-Expertin aus dem Ebbedorf hat allerdings Verständnis dafür, dass die „Käferbäume“ gefällt werden müssen. „Das ist eine echte Gratwanderung für die Förster. Der Borkenkäfer droht sich auszubreiten, wenn man die Bäume nicht aus dem Wald entfernt. Aber andererseits tut es mir auch leid, wenn ich solche Geschichten höre. Eine echte Zwickmühle“, sagt Birgit Struth und fügt hinzu: „Eine blöde Situation. Aber Waldarbeiter haben die Jungvögel entdeckt und sie haben sich dann vorbildlich verhalten. Sie waren selbst traurig und sie haben sich sofort um Hilfe bemüht. Denen war das wirklich nicht egal, was mit den Vögeln passiert.“

Vorherige Artenschutzprüfung

Das Problem mit dem Käferholz beschäftigt auch Matthias Borgmann. Der Förster des Landesbetriebes Wald und Holz.NRW im Revier Beckerhof erläutert, dass vor den Fällungen stets eine Artenschutzprüfung in dem betreffenden Gebiet durchgeführt werde. „Aber so etwas kann passieren, so traurig das auch ist. Das Problem sind die riesigen Käferholz-Flächen. Wir haben auch schon rechtzeitig einen Habichtshorst entdecke und dann natürlich dort unsere Arbeiten eingestellt. Dasselbe war der Fall bei einem Schwarzstorchhorst. Aber wir können nicht jeden Baum kontrollieren“, sagt er.

Borgmann verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass durch den starken Borkenkäfer-Befall der Fichten eine Ausnahmesituation herrsche, die es so in der Bundesrepublik noch nicht gegeben habe. „Das Käferholz muss nach dem Fällen schnell verkauft werden. Denn verwertbar ist es nur frisch“, erläutert er.

Unruhe im Wald

Nicht nur durch die Baumfällungen, auch durch den Abtransport entsteht natürlich Unruhe im Wald. Das bezeichnet Matthias Borgmann allerdings nicht als großes Problem für das Wild. „Ein Harvesterfahrer hat beobachtet, dass sich bei der Arbeit selbst scheue Rothirsche nähern und zusehen. Auch Holzrücker haben erzählt, dass ihnen das Wild bei der Arbeit regelrecht zuschaue. Die Unruhe beim Wild entsteht nicht dadurch, sondern eher, weil sich durch die großflächigen Fällungen der Lebensraum ändert“, beschreibt Borgmann. Ein wesentlich größeres Problem im Wald würden da eher frei laufende Hunde darstellen, fügt er hinzu.

In diesem Zusammenhang weist der heimische Förster auch darauf hin, dass der Nachwuchs der Wildtiere auf keinen Fall angefasst werden darf: „Wenn das geschieht, werden die Muttertiere ihre Jungen nicht mehr annehmen, weil sie den Kontakt mit Menschen riechen und damit Gefahr verbinden. Das gilt übrigens nicht nur für Rehkitze.“

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