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Rezept per App? Apotheker sind skeptisch

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Von: Sebastian Schulz, Göran Isleib

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Symbolbild E-Rezepte-App
Ab Januar sollen die E-Rezepte ausgestellt werden. Die Apotheken und Ärzte sehen noch Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Die App findet sich in den Stores der verschiedenen Plattformen (App-Store, GooglePlay und Huawei App Gallery). © Göran Isleib

Wenn man den Apotheker Albert Rasche, Inhaber der Apotheke Zum Alten Teich in Meinerzhagen, auf das ab Januar gültige E-Rezept anspricht, macht sich bei ihm große Frustration breit. „Das funktioniert doch alles nicht“, schimpft er. Er kann sich nicht vorstellen, dass ab Januar auf die Elektronischen Rezepte umgestellt werden kann.

Meinerzhagen/Märkischer Kreis - Mit Wehmut denkt Rasche an die Mikrofiche-Geräte und an Telefone mit nur einer Leitung und Wählscheibe zurück – damals war für die Apotheker vieles einfacher. Die Zeit zurückdrehen will er natürlich nicht, aber für ihn wirkt das ganze Thema eilig herbeigerufen und aus dem Boden gestampft. Die Vorgaben: Mehr Personal einstellen, das Qualitätsmanagement im Blick haben, drinnen und draußen die Mitarbeiter schulen, damit es mit den E-Rezepten klappt. „Wann sollen wir das bewerkstelligen“, fragt Rasche. Die EDV werfe doch jetzt schon das eine oder andere Problem auf, bei der Kommunikation hake es und die eingesetzte Software mache auch des Öfteren Schwierigkeiten.

Das steckt dahinter

Wer in Zukunft vom Hausarzt ein Rezept bekommt, muss in der Apotheke nicht mehr das rosafarbene Papierstück vorzeigen. Denn hier soll alles digital werden. Das Stichwort dazu lautet „E-Rezept“, also ein elektronisches Rezept. Wenn alles so klappt wie geplant, kann das E-Rezept eine gute Lösung für die Zukunft sein – darin sind sich fast alle Betroffenen einig. Die Umsetzung scheint allerdings ein gewaltiges Problem zu sein. Stimmen aus dem benachbarten Kreis Olpe beziehungsweise des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe zeigen das.

„Handling ist stümper- und fehlerhaft ausgearbeitet“

„Insgesamt ist das Ganze unüberlegt, übers Knie gebrochen, politischer Aktionismus ohne sach- und fachgerechten Hintergrund und Ausarbeitung“, meint der Allgemeinmediziner Dr. Martin Junker aus Olpe auf Anfrage des Sauerland-Kuriers und kritisiert weiter: „Das Handling ist stümper- und fehlerhaft ausgearbeitet. Bedenken und reichliche Hinweise aus der gesamten Ärzteschaft, inklusive des Bundesdatenschutz-Beauftragten und IT-Experten, sind einfach ignoriert worden, nur um politischen Aktionismus zu beweisen.“

Der Patient übermittelt die Daten per NFC

Eigentlich soll das E-Rezept ja so funktionieren: Der Arzt stellt ein digitales Rezept aus und speichert dieses sicher in einer Art digitalem Safe ab. Um darauf zugreifen zu können, also den digitalen Tresor aufzuschließen, bekommt der Patient vom Arzt den E-Rezept-Token, also den Schlüssel zu diesem Rezept. Diesen Schlüssel gibt es entweder ausgedruckt oder in einer App fürs Handy. Der Patient übermittelt die Daten per NFC (NFC steht für Nahfeldkommunikation, bekannt vom kontaktlosen Zahlen mit der Girokarte) oder per Handy an die Apotheke und diese stellt – wenn das Rezept vorab übermittelt wurde – die Arzneimittel bereit und hat gegebenenfalls schon Rückfragen mit dem Arzt geklärt.

„Die Industrie ist nicht in der Lage, eine sichere und funktionsfähige Software zu liefern“

Dafür braucht es natürlich Software und geschultes Personal, das sowohl aufseiten der Ärzteschaft als auch aufseiten der Apotheken mit dem E-Rezept umgehen kann. Und hier hapert es. „Die Industrie ist nicht in der Lage, eine sichere und funktionsfähige Software zu liefern, diese mit der Praxis-Software kompatibel zu konstruieren“, erklärt Dr. Junker. Und auch der Apothekerverband Westfalen-Lippe, vertreten durch Dr. Nina Grunsky, meint: „Zu kritisieren ist, dass die Vorbereitungszeit zu kurz ist, da die bundesweite Testphase erst zum 1. Dezember gestartet ist – und daran bislang nur ganz vereinzelt Arztpraxen und Apotheken teilnehmen können.“

Testphasenstart zum 1. Dezember

Testphasen-Start zum 1. Dezember – dazu muss man wissen, dass die bundesweiten Tests ursprünglich im Juli starten sollten, dann auf den 1. Oktober und aufgrund unzureichender technischer Voraussetzungen noch einmal auf den 1. Dezember verschoben worden sind. Und auch jetzt läuft es „eher schleppend an“, wie Apothekerin Dr. Grunsky beschreibt – und das so kurz vor dem verpflichtenden (!) Start zum 1. Januar. Dr. Nina Grunsky: „Es ist davon auszugehen, dass Anfang des kommenden Jahres nur ganz vereinzelt bereits digitale Verschreibungen ausgestellt werden und die meisten Patienten noch das alte rosafarbene Papierrezept erhalten.“ Im Gesetzestext heißt es dazu, dass aus technischen Gründen in Einzelfällen ersatzweise weiterhin Papierrezepte ausgegeben werden können.

Mal ganz abgesehen von den technischen Problemen stellt das E-Rezept auch die Ärzte vor Herausforderungen. Dr. Junker, selbst betroffen, sagt: „Die niedergelassenen Ärzte sind alles andere als Technik-feindlich – das zeigt die fast hundertprozentige Beteiligung an der Video-Sprechstunde.“ Aber der derzeit erkennbare bürokratische Aufwand in den Praxen werde kaum zu bewältigen sein, die Behandlung von Patienten gefährden, unsere Medizinischen Fachangestellten überfordern und den derzeit erkennbaren Nutzen bei Weitem übersteigen. „Schulungen werden notwendig und aufwendig sein – wer zahlt das?“, fragt Dr. Junker, der seine Kritik in Sachen E-Rezepte klar an den verantwortlichen Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn richtet.

Fest steht: Wenn das E-Rezept kommt und die Abläufe stimmen, kann es für Patienten viele Vorteile mit sich bringen. Die benötigten Arzneimittel können so von den Apotheken immer vorgehalten werden oder der Patient kann sie sich alternativ auch von den Apotheken liefern lassen. „Wir gehen davon aus, dass die Patienten verstärkt Botendienste anfragen werden“, berichtet Dr. Nina Grunsky. Für die Apotheken sieht sie die bessere, schnellere und effizientere Organisation aller Abläufe. „Es bleibt mehr Zeit für Beratung der Patienten und Dienstleistungen.“ Und auch Dr. Junker sagt bei aller Kritik: „Wenn es denn mal funktionieren würde, könnte es für manche Beteiligte durchaus Vorteile im Ablauf bieten.“

Ihne-Apotheke „ready to go“

Markus Blumenthal, Inhaber der Ihne-Apotheke in Valbert, sieht grundsätzlich zwar Vorteile durch die Einführung des E-Rezepts, sieht aber auch größere Schwierigkeiten für die planmäßige Einführung im Januar. „Ich rechne nicht damit, dass es ab Januar dann nur noch E-Rezepte geben wird. Da wird noch viel über Papierformen abgewickelt“, ist er sich sicher. Die technischen Voraussetzungen sind allerdings auch bei ihm vorhanden – die Ihne-Apotheke meldet „ready to go“. „Ich kann mir vorstellen, dass die E-Rezepte im Laufe des Jahres eine immer stärkere Rolle spielen, aber sicherlich nicht von Anfang an“, so Blumenthals Einschätzung.

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