Lieferengpässe bei Medikamenten

+
Albert Rasche weiß, dass besonders ältere Menschen Probleme mit Ausweichmedikamenten haben, die anders aussehen als die gewohnten Tabletten. Für sie birgt ein Anbieter-Wechsel Gefahren.

Meinerzhagen - Deutschland ist ein fortschrittliches Land mit einem guten Gesundheits- und Sozialsystem. Und spezielle Medikamente, egal gegen welche Leiden, sind ständig und in ausreichender Anzahl vorhanden. Falsch.

Lieferengpässe bei Pillen und Co. nehmen ständig zu. Diese These kann der Meinerzhagener Apotheker Albert Rasche bestätigen. 

Um es vorwegzunehmen: Rasche ist zwar beunruhigt über die Entwicklung, dass Schwierigkeiten bei der Beschaffung von bestimmten Präparaten allerdings zu ernsten gesundheitlichen Problemen oder gar Todesfällen in der Bevölkerung führen, hält er aber für unwahrscheinlich. Dennoch kann er von „schweren Lieferengpässen“ berichten, die sich nicht auf einen bestimmten Wirkstoff beziehen, sondern breit gestreut seien. „Und das sogar bei so profanen Mitteln wie Ibuprofen. Da haben wir uns gefreut, wenn wir noch ein paar Packungen bekommen haben“, hat er vor etwa drei Wochen festgestellt. 

An einen besonders krassen Fall aus dem vergangenen Jahr kann sich Rasche noch sehr gut erinnern, er betraf den Blutdrucksenker Valsartan. „Der Wirkstoff wurde von einem chinesischen Händler bezogen – und er war verunreinigt.“ Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte teilte dazu mit: „Am 4. Juli 2018 erfolgte der chargenbezogene Rückruf valsartanhaltiger Arzneimittel, deren Wirkstoff von dem chinesischen Hersteller Zhejiang Huahai Pharmaceutical produziert wurde.“ 

Der Fehler liegt für Albert Rasche im System. Der heimische Apotheker geht insbesondere mit den Krankenkassen und deren Rabattsystemen „ins Gericht“: „Da werden Aufträge an den günstigsten Anbieter vergeben, oft ins Ausland und an Unternehmen, die gar nicht die Kapazitäten haben, den deutschen Markt ausreichend zu versorgen. Überhaupt werden viele Medikamente aus dem Ausland geliefert.“ 

Albert Rasche fordert in dieser Beziehung ein Umdenken, auch um künftig Engpässe zu vermeiden. Vorschläge, um die missliche Lage zu entschärfen, gibt es bereits: Der Hersteller soll sich einen Mindestvorrat anlegen, die Rabattverträge sollen abgeschafft werden und auch eine nationale Bevorratung wird von zahlreichen Experten schon seit längerer Zeit gefordert. 

Albert Rasche sieht – neben den Lieferengpässen – noch ein anderes Problem, mit dem vor allem ältere Menschen nach seinen Erfahrungen häufig zu kämpfen haben: „Natürlich gibt es Ausweichpräparate, wenn ein bestimmtes Medikament nicht lieferbar ist. Das hat allerdings einen Haken: Die Menschen haben sich an ein Mittel gewöhnt, das ihnen bis dahin stets verordnet wurde. Das betrifft zum Beispiel auch die altbekannte Packung oder die Farbe der Tablette – und wenn sich das alles ändert, kann es zu gefährlichen Verwechslungen kommen.“

Auch in seiner Kundschaft habe er darüber hinaus festgestellt, dass ein Ausweichmedikament abgelehnt werde, weil die Optik ungewohnt sei. „Da haben wir häufig Überzeugungsarbeit zu leisten“, sagt Albert Rasche. Auch für diese Probleme macht der Apotheker aus Meinerzhagen das Rabattsystem mitverantwortlich. Wenn die Krankenkassen neue Verträge mit den Herstellern abschließen würden, sei der Wirkstoff zwar derselbe wie bei dem alten Produzenten, die Optik aber eine andere. „Diese Umstellung sorgt für Verunsicherung und das ist nicht schön für den Patienten“, ist er überzeugt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare