Antiquitätengeschäft Wolf besitzt interessante Fundstücke

+
Der alte Stahlhelm wurde lange auf einem Hof an der Listertalsperre als „Arbeitsgerät“ genutzt, durch Zufall landete er jetzt im Geschäft von Michael Wolf.

Meinerzhagen - Die Vergangenheit ist ihr Metier, die Zeit zwischen Biedermeier und Jugendstil, als in den Wohnzimmern Kronleuchter an der Decke hingen, barock gerahmte Bilder über dem Blümchensofa und das Geschirr mit Goldrand nur sonntags auf den Tisch kam. Seit über 20 Jahren betreiben Silvia und Michael Wolf ihr Antiquitätengeschäft, und zwischen Möbeln und Porzellan finden sich auch einige besondere Stücke.

Eine Kuriosität aus der Sicht von Heimatkundlern lag lange im Pappkarton verstaut unterm Bett eines Lüdenscheiders. Nach dem Tod ihres Mannes bot seine Ehefrau die Kiste Michael Wolf zum Verkauf, und der Meinerzhagener Händler, der Porzellan und andere Antiquitäten vor allem über das Internet bis nach Russland und China verkauft, staunte nicht schlecht ob des Inhalts. „In der Kiste lagen verrostete Teile, die wohl früher zu den Bordinstrumenten eines Flugzeugs gehörten, außerdem Hülsen der Bordmunition“, erzählt Michael Wolf. Waffen kaufe er grundsätzlich nicht, betont er, angeboten würden sie ihm zwar dann und wann, „aber da möchte ich nichts von wissen.“ Die Kiste nahm er aber mit.

„Die Teile stammen wohl von einem Flugzeug, das am Ende des Krieges abgeschossen wurde und über Othlinghausen abgestürzt ist. Der Mann kannte die Absturzstelle und hat gezielt nach Überresten gesucht. Tagelang war er wohl mit Schaufel und Hacke unterwegs.“

Eine alte Ausgabe des Reidemeisters, herausgegeben vom Lüdenscheider Geschichts- und Heimatverein, gab zudem Auskunft über den Absturz von Flugzeugen zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Erst zu Hause entdeckte Wolf die phosphorgefüllten Rohre, die sich ebenfalls in der Kiste befanden. „Das waren alte Stabbrandbomben, das habe ich zunächst total verkannt“, so Wolf. Er informierte die Polizei, und nach ihr rückte schließlich der Kampfmittelräumdienst an. Noch befinden sich die übrig gebliebenen Fundstücke im Geschäft an der Mühlenbergstraße, verkauft hat Michael Wolf sie bisher noch nicht. „Aber es gibt bestimmt Leute, die so etwas sammeln“, ist er überzeugt.

Ein weiteres Fundstück erhielt Michael Wolf dann vergangene Woche – stark verrostet zwar, aber aufgrund der Form als Wehrmachtshelm eindeutig zu erkennen. „Der Helm stammt von einem Bauernhof an der Listertalsperre“, so Wolf. In der Nähe der Lister war er wohl nach dem Krieg gefunden worden. „Der Bauer hatte wohl auch gleich Verwendung für den Helm: Jahrelang wurde mit ihm die Güllegrube ausgehoben“, weiß Wolf. Für diesen Zweck wurde mit Nieten ein Eisenstiel als Verlängerung befestigt, dessen Überrest noch zu sehen ist.

Für Michael Wolf sind diese Stücke „einfach kurios“ und darüber hinaus auch ein Stück Geschichte. Gefunden würden solche Relikte nur selten, weiß der Meinerzhagener Antiquitätenhändler aus der Erfahrung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare