Moscheeverein: Drohungen werden ernst genommen

+
Mit Polizei-Absperrband wurde der Zugang zur Merkez-Moschee in Duisburg bereits im Juli 2019 nach einer Bombendrohung versperrt. „In NRW gibt es solche Vorfälle fast schon im Wochentakt“, sagte Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland.

Meinerzhagen - In der Nacht zu Donnerstag ist es in Hanau zu Anschlägen auf Shisha-Bars gekommen. In der vergangenen Woche wurden Ditib-Moscheen bedroht. Im nahe gelegenen Hagen wurde ein islamisches Gotteshaus aus Sicherheitsgründen geräumt.

Und in Meinerzhagen? Auch hier fühlen sich Muslime nicht mehr uneingeschränkt sicher.

Osman Batgün ist Vorstandsmitglied beim heimischen Moscheeverein. Er verfolgt die jüngsten Entwicklungen nach den Bombendrohungen mit Sorge. „Vom Landesverband der nordrhein-westfälischen Ditib-Moscheen wurden wir hier in Meinerzhagen bereits benachrichtigt. Wir wurden zu erhöhter Aufmerksamkeit ermahnt. Vorsicht sei geboten, heißt es.“

Meinerzhagen ist nicht Köln oder Berlin. Und dennoch scheint die Bedrohung auch „auf dem Land“ real zu sein. Osman Batgün findet die Situation generell „sehr traurig“. Noch in dieser Woche werde sich der hiesige Vorstand wieder treffen, dann seien auch die Anschlagsdrohungen ein Thema, berichtet er. Vorkehrungen habe man am Siepener Weg bereits getroffen. Welche, das verrät Batgün nicht. Der politisch engagierte Vorstand der Gemeinde ist der Ansicht, dass die Vorgänge im Land lange Zeit wohl nicht so ernst genommen worden seien. „,Das sind nur kleine Gruppen, die so etwas tun’, wurde lange behauptet. Dass das nicht so ist, zeigt sich nicht erst seit den jüngsten Bombendrohungen.“ Die Konsequenz für Batgün: „Wir sollten uns vielleicht enger mit der Polizei abstimmen, was Schutzmaßnahmen angeht. Wünschenswert wäre es, wenn zumindest zu Stoßzeiten regelmäßig erhöhte Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden könnten.“ 

Man habe bereits reagiert, berichtet Pressesprecher Dietmar Boronowski von der Kreispolizeibehörde in Iserlohn: „Wir haben in unserem Bereich die Streifentätigkeit erhöht und wir fahren die Moscheen rund um die Uhr mehrmals zu wechselnden Zeiten an“, erläutert er. Hinweise zu realen terroristischen Bedrohungslagen für Moscheen gebe es zurzeit im Märkischen Kreis nicht. Dennoch seien die Beamten wachsam, sagt Boronowski. 

Zwar haben die jüngsten Entwicklungen die Situation verschärft, gänzlich neu ist die Lage für die Polizei aber nicht. Boronowski: „Es werden Maßnahmen ergriffen, die sich natürlich im Verborgenen abspielen und die nicht an die Öffentlichkeit getragen werden.“ Der Austausch über die aktuelle Sicherheitslage mit übergeordneten Behörden klappe in diesem Zusammenhang gut. „Wir werden von den zuständigen Ministerien stets auf dem Laufenden gehalten und bekommen immer aktuelle Hinweise“, erläutert der Polizei-Pressesprecher. 

Bereits im Juli 2019 hatte Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland, gefordert: „Jetzt ist die Politik gefragt, durch Solidarität den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, welchen die Angreifer mit diesen Drohungen zerstören wollen, entschieden zu stützen. Wiederholt weisen wir darauf hin, dass Moscheen öffentliche Gebäude des Landes sind und als Religionsstätten den besonderen Schutz des Staates genießen müssen.“ Die Sicherheitslage hat sich seitdem aber offenbar weiter verschärft.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare