Container an Immecker Straße sorgt für Ärger

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Ein Blick in den Container an der Immecker Straße: Helma kritisiert „unzumutbare Zustände“. Mirza

Meinerzhagen - Anderthalb Jahre musste er auf seine Anerkennung als Asylberechtigter warten. Als Omid J., 26-jähriger Flüchtling aus dem Iran, die begehrte Bescheinigung endlich in Händen hielt, ging es für ihn aber zunächst einmal bergab. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn nachdem er zunächst mit einem weiteren Flüchtling auf immerhin etwa neun Quadratmetern in einem Zimmer an der Butmicke gelebt hatte, sollte Omid diese Unterkunft verlassen. „Das ist ihm nach seiner Anerkennung im März aber nie gesagt worden“, betont Flüchtlingshelferin Helma Mirza. Ende April sei dann aber alles ganz schnell gegangen: Ihr Schützling habe die Unterkunft umgehend verlassen müssen – und lebt nun in einem Container an der Immecker Straße. Laut Mietbescheinigung muss er dabei für eine Gesamtwohnfläche von acht Quadratmetern 119,14 Euro „Warmmiete“ zahlen.

„Warum bestraft man Leute dafür, dass sie anerkannt werden?“, fragt nun Helma Mirza, die sich seit Februar um den Flüchtling kümmert. Mirza kritisiert „unzumutbare Zustände“, in denen ihr Schützling nun leben muss. „Das ist menschenunwürdig!“ Zumal jene acht Quadratmeter, von denen in der Mietvereinbarung die Rede ist, lediglich durch eine Addition sogenannter allgemeiner Flächen zustande kommen. Inkludiert sind auch die Gemeinschaftsküche sowie die sanitären Anlagen. Und beim Blick auf die Nebenkosten in Höhe von 83,98 hat Mirza sogar „das Gefühl, dass die Stadt mit der Unterbringung Geld machen will“.

Vorwürfe, die Fachbereichsleiter Heinz-Gerd Maikranz so nicht stehen lassen will. „Wir agieren hier keinesfalls aus Böswilligkeit“, betont er auf Anfrage der MZ. Bei der Miethöhe handele es sich um die „übliche Pauschale“, die an der Immecker Straße von jedem Bewohner verlangt wird. Auch ein Minimum pro Person „von 7 bis 7,5 Quadratmetern“ habe man stets im Blick.

Dass Omid J. kurz nach seiner Anerkennung die Butmicke verlassen musste, habe zweierlei Gründe, erklärte Maikranz weiter. Zum einen sei es zu Konflikten mit anderen Bewohnern gekommen. Helma Mirza bestätigt das, sieht J. aber als Opfer, dem sogar das Nasenbein gebrochen worden sei. Zum anderen will die Stadt offenbar mit „sanftem Druck“ die Flüchtlinge zu mehr Eigeninitiative bei der Wohnungssuche motivieren. Denn: „Für anerkannte Flüchtlinge haben wir als Stadt keine Verantwortlichkeit mehr hinsichtlich von Wohnunterkünften“, sagt Heinz-Gerd Maikranz. Zugleich benötige die Stadt aber den Raum für andere Personen. Anerkannte Flüchtlinge seien also gehalten, sich selbst um neuen Wohnraum zu kümmern, da die Kosten dafür in der Regel vom Jobcenter übernommen werden. „Unsere Wohnungsfürsorge entfällt damit“, sagt Maikranz.

Verständnis für die „Umsiedlung“ innerhalb Meinerzhagens und die Kosten für die Container-Behausung haben J. und seine Betreuerin dennoch nicht. Zumal der Iraner psychisch labil ist. Die psychiatrische Abteilung der Märkischen Kliniken riet im Februar dringend zu einem Wechsel „in eine geschützte Wohnform“, nachdem er ausgegrenzt und beleidigt worden sei. Zwei Wochen lang war der 26-Jährige aufgrund einer Depression in stationärer Behandlung.

„So kann er keinesfalls leben“, sagt Helma Mirza und hofft auf eine schnelle Lösung für J.. Allerdings gestaltet sich die Wohnungssuche insbesondere für alleinstehende Flüchtlinge schwierig. Das weiß auch Heinz-Gerd Maikranz, der aus diesem Anlass noch einmal alle Eigentümer leer stehender Wohnungen aufruft, sich bei der Stadt zu melden.

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