Versteckte Plantage

Mehr als 6,5 Kilogramm Marihuana im Haus - Haftstrafe gegen Meinerzhagener

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Vor dem Amtsgericht Lüdenscheid wurde gegen den Meinerzhagener verhandelt.

Meinerzhagen – Hinweise auf einen auffallend regen Autoverkehr an einem etwas älteren Haus in einer eher ländlichen Wohnlage von Meinerzhagen veranlassten zwei Polizeibeamte zu einer Stippvisite.

Am 6. Juli 2017 trafen sie vor Ort auf eine Person. „Die lief weg und schloss die Tür zu“, erklärte einer der Beamten im Strafverfahren gegen den 61-jährigen Eigentümer des Hauses. 

Nachdem die Ordnungshüter sich Zutritt verschafft hatten, empfing die Polizisten ein starker Duft: „Wenn man reinkam, war man schon high vom Duft“, erinnerte sich einer der Beamten im Amtsgericht Lüdenscheid. Im ganzen Haus verteilt fanden die Ordnungshüter getrocknetes Pflanzenmaterial in Eimern und verschweißten Folien.

Hanfplantage hinter einer Stahltür

Ein rundes Dutzend Teilmengen ergaben eine Gesamtmenge von 6581 Gramm Marihuana. Das war mit einem Wirkstoffgehalt von rund 1080 Gramm des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) das 144-fache der nicht geringfügigen Menge. Doch noch hatten die Beamten nicht die Quelle dieser großen Fülle gefunden. 

Im Keller des Hauses fiel einem von ihnen ein surrendes Geräusch auf. Nachdem sie einen „sehr großen und sehr massiven“ Eichenschrank beiseite geschoben hatten, stießen sie auf eine Stahltür, die sie mithilfe eines Schlüsseldienstes öffnen ließen. Dahinter befand sich eine Hanfplantage, die offenbar schon mehrfach reiche Ernten geliefert hatte. 34 von Hand bewässerte Pflanzen hatten unter professionell angelegter Beleuchtung und Belüftung bereits eine Höhe von rund einem Meter erreicht. Folienmaterial und Feinwaagen lagen für die nächste Ernte bereit. „Das sah sehr stark nach Handel mit Betäubungsmitteln aus“, stellte einer der Beamten im Gerichtssaal lapidar fest. 

Eigentümer setzt sich nach Frankreich ab

Eine Woche später erging ein Haftbefehl gegen den Eigentümer des Hauses, der sich zunächst nach Frankreich absetzte. Knapp ein Jahr später stellte er sich selbst den deutschen Strafverfolgungsbehörden. „Ich habe das da angebaut“, legte er im Amtsgericht ein Teilgeständnis ab. Denn mit einem Zusatz bestritt er, mit der Ware auch Handel getrieben zu haben: „Um das selber zu konsumieren“. Bekannte hätten ihm das Cannabiskraut gegen seine starken Rücken- und Kopfschmerzen empfohlen. Das Attest eines Arztes bestätigte auch, dass der Angeklagte sich bei ihm wegen chronischer Rückenschmerzen um eine Cannabis-Therapie bemüht hatte. Vor etwa zwei Jahren habe er mit dem Anbau begonnen und Lampen sowie Samen im Internet bestellt, erklärte der Angeklagte.

Die aufgefundene Menge überschritt den Bedarf einer Einzelperson allerdings um ein Vielfaches. „Das hätte für den Rest Ihres Lebens gereicht“, wunderte sich Richter Thomas Kabus. Er habe das Marihuana auch an befreundete Schmerzpatienten abgegeben, erklärte der Angeklagte. „Wenn ich was verkauft hätte, wäre es mir besser gegangen.“ 

Nachbarin beobachtet das Treiben

Das Schöffengericht war letztlich nicht geneigt, dem Angeklagten in dieser Frage zu glauben. Es galt zwar eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs, dass man von der Menge aufgefundener Drogen allein nicht auf das Handeltreiben schließen dürfe. Es gab aber auch die Beobachtung einer Nachbarin. Sie bestätigte, dass auffallend viele Autos an dem alten Haus vorgefahren waren. Auch die professionelle Verpackung sprach durchaus für ein Handeltreiben. 

Allzuviel Geld hatten die Beamten tatsächlich nicht in dem Haus gefunden: Sie nahmen 350 Euro mit, die als möglicher Drogenerlös eingezogen wurden. „Wo sind die Einnahmen, wenn er wirklich dick im Geschäft war?“, fragte der Verteidiger in seinem Plädoyer. „Die (große) Menge, die da gefunden wurde, spricht gerade nicht dafür, dass er der große Verkäufer war.“ 

Mehr als zwei Jahre Haft

Das Schöffengericht beließ es schließlich aber nicht bei der vom Verteidiger beantragten Bewährungsstrafe. Die Richter verurteilten den 61-Jährigen stattdessen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Die Einlassung des Angeklagten sei „abenteuerlich, wenn man sich die Menge anschaut“, erklärte Richter Thomas Kabus. „Es gibt eine Vielzahl von Indizien, die uns zu der Überzeugung gebracht haben, dass aus dem Haus gedealt wurde.“ Dem Angeklagten bleibt nun noch der Weg ins Landgericht, um vor einer Berufungskammer die drohende Haftstrafe abzuwenden.

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