Angeklagter ermittelte eigenständig

Meinerzhagen - Mit einem Angeklagten, der eigenständig Ermittlungen in seinem Fall vorgenommen hatte und dabei „über das Ziel hinausgeschossen“ war, wie es der Verteidiger des Mannes ausdrückte, hatte es am Dienstag der Strafrichter im Amtsgericht Meinerzhagen zu tun. Zum Prozess war es gekommen, weil der Angeklagte Anzeige gegen eine Frau erstattet hatte, mit der er am 18. Juli vergangenen Jahres in einen Unfall verwickelt war.

Der 55-Jährige beschuldigte die Herscheiderin, ihn auf der L 709 an der Einmündung Auf der Ahr mit dem Pkw umgefahren zu haben. Er selbst war mit einem Motorrad unterwegs. Der Unfall ereignete sich um 7.45 Uhr. 

Der von links aus der Seitenstraße kommende Angeklagte hätte der Frau die Vorfahrt gewähren müssen. Im Gericht erschien der Mann im Anzug und mit allerhand Papieren, die er ständig auf dem Tisch ordnete. Er gab an, noch hinter der Haltelinie gestanden zu haben, als die Fahrerin ihn erwischte. Die 41-Jährige erklärte hingegen, der Motorradfahrer sei ohne zu gucken auf die L 709 abgebogen: „Ich hatte keine Chance mehr, auszuweichen.“ 

Mitbekommen hatte der Angeklagte den Unfall nicht bewusst. Hinterher reimte er sich den Hergang allerdings aufgrund von Spuren auf der Straße und der Beschädigung seines Krads zusammen. Zudem befragte er Zeugen, ließ sie sogar deren Aussagen unterschreiben.

Eindeutig zu viel, wie ein Polizist im Zeugenstand bemerkte: „Er hat eigene Theorien entwickelt, wie der Unfall passiert ist.“ Aus den Akten ergab sich, dass der Fall auch die Zivilkammer beschäftigt. Dort soll der Hergang – mittels Gutachter rekonstruiert – aufgeklärt werden. Zum strafrechtlichen Prozess war es nur durch die Anzeige des Angeklagten gegen die Unfallbeteiligte gekommen. Am Ende stellte der Richter das Verfahren ein. Um den Rest müsse sich die Zivilkammer kümmern.

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