Dieseldiebstahl: Junges Trio vor Gericht

Meinerzhagen - „Sie sind ja nicht die letzten Chaoten. Haben ein gutes Freizeitverhalten und keine Vorstrafen. Warum machen sie so etwas?“, fragt Richter Varney die drei jungen Männer, die vor ihm auf den Stühlen Platz genommen haben.

Von Johannes Becker

Die Antwort überrascht und straft die erste Annahme des Richters Lügen. „Am Monatsende wird immer das Geld knapp. Dann kann man am Wochenende nichts mehr unternehmen. In der Zeitung haben wir dann immer mal wieder vom Dieselklau gelesen, das schien uns lukrativ und einfach“, erklärt der mit 21 Jahren jüngste Angeklagte.

Mit einem Kanister, Schläuchen und einer elektrisch betriebenen Pumpe fuhren die drei am 17. August 2014 nach Olpe, wo sie auf einem Firmengelände den Tankdeckel eines Lkw aufbrachen und 20 Liter Diesel absaugten. Danach wurden sie von dem Eigentümer des Geländes überrascht. Der Versuch, sich auf dem weiträumigen Gelände zu verstecken, misslang.

Vor Gericht sitzen aber keine Schwerstkriminellen. Alle drei haben ihre Schullaufbahn mit Anstand hinter sich gebracht und Ausbildungsstellen in Meinerzhagen, ihrer Heimatstadt, angetreten.

Einer hat bereits eine Ausbildung abgeschlossen und verdient im Monat mehr als 1800 Euro brutto, ein anderer hat bereits die Zusage seines Arbeitgebers, nach der Lehre übernommen zu werden. Der Dritte hat noch zwei Jahre bis zum Abschluss.

Zu Hause beteiligen sie sich am Familienunterhalt, nachmittags geht es regelmäßig ins Fitness-Studio – und am Wochenende auch mal in die Disco einer Großstadt. Dann auch gerne im 5er BMW eines der Angeklagten. „Ist eine Drei-Liter-Maschine, aber auf Gas umgerüstet.“

Die Staatsanwältin stört sich daran, dass die Jungs zu ihrer ersten Tat gleich mit Profiwerkzeug losgezogen sind, vermutet daher, dass bereits andere Taten stattfanden oder geplant waren.

Doch auch sie hat nicht die Absicht, den Tätern ihre berufliche Zukunft zu verbauen, verlangt deshalb keine Sozialstunden. Letztlich müssen die drei – je nach Einkommen - zwischen 250 und 600 Euro bezahlen. Tun sie das, wird das Verfahren eingestellt.

„Ja, manchmal ist am Ende des Geldes noch viel Monat übrig. Doch das kann kein Grund für solch eine Tat sein. Das war haarscharf. Ein paar Liter mehr, dann wäre es aufgrund des Wertes schwerer Diebstahl gewesen und mit mindestens drei Monaten auf Bewährung zu bestrafen. So teuer kann der Sprit gar nicht werden, dass sich so etwas lohnt“, gab ihnen der Meinerzhagener Richter mit auf den Weg.

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