Meinerzhagener (53) küsste Elfjährige: Bewährungsstrafe

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Das Lüdenscheider Amtsgericht hat entschieden: Ein 53-jähriger Meinerzhagener erhält eine Bewährungsstrafe, nachdem er ein junges Mädchen auf den Mund geküsst hatte.

Meinerzhagen - Wo endet der freundschaftliche Umgang von Erwachsenen mit Kindern, und wo beginnt der sexuell eingefärbte Übergriff? Weil er diese Grenze gegenüber einem elfjährigen Mädchen aus der Nachbarschaft knapp, aber eindeutig überschritten hatte, kassierte ein 53-jähriger Meinerzhagener im Amtsgericht Lüdenscheid eine Haftstrafe von sechs Monaten, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Mann hatte sich ansonsten noch nie etwas zuschulden kommen lassen.

Eigentlich begann die Geschichte als ein Beispiel funktionierender Nachbarschaftshilfe: „Wenn wir Hilfe gebraucht haben, war er immer für uns da“, erinnerte sich die Mutter des Mädchens an die Hilfsbereitschaft des 53-Jährigen. „Wir haben sein Brot gegessen, und er hat unser Brot gegessen. Wie kann er so etwas machen?“ Als sie gehört habe, was passiert sei, habe sie ihn „kaputtmachen“ wollen. Das mittlerweile zwölfjährige Mädchen bestätigte, dass der Nachbar eigentlich „ganz nett“ war und ihrer Familie viel geholfen habe: „Wir haben ihn immer ‚Opa’ genannt.“

Doch nach dieser Einleitung musste sie berichten, was an jenem 16. März geschehen war: Sie war allein in der Wohnung und der Angeklagte klingelte, weil er eine Bohrmaschine abholen wollte. Zum Abschied küsste er sie mehrere Male auf beide Wangen, was sich wohl im Rahmen dessen bewegte, was auch zuvor üblich gewesen war. Doch an diesem Tag ging der Angeklagte noch einen Schritt weiter: „Er wollte mich auf den Mund küssen“, erinnerte sich das Mädchen. Und dass er sie aufgefordert habe, ihren Mund zu öffnen. „Er hat mich ganz leicht mit den Lippen berührt.“

Die Zwölfjährige war danach selbstbewusst genug gewesen, den Angeklagten aus der Wohnungstür zu drängen und diese hinter ihm zuzuschlagen. „Richtige Wut“ habe sie in diesem Moment empfunden. Zu den Folgen befragt, berichtete die Zwölfjährige, dass sie immer noch Angst und schlechte Träume habe.

Die Wangenküsse bestätigte der Angeklagte, er bestritt aber zunächst unangemessene Annäherungsversuche: „Ich hatte überhaupt keine weitergehenden Absichten.“ Nach der Zeugenaussage des Mädchens änderte er jedoch sein Aussageverhalten und gab zu, dass es sich genau so zugetragen hatte.

Letztlich war es Staatsanwältin Ina Pavel, die einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen nicht zustimmte. Auch das Schöffengericht stellte nach kurzer Prüfung der Rechtsgeschichte des zuständigen Paragrafen 177 fest, dass eine solche Einstellung nach den zum Zeitpunkt der Tat geltenden Rechtsvorschriften gar nicht rechtens gewesen wäre.

Die Staatsanwältin räumte in ihrem Plädoyer ein, dass der Grad der Gewaltanwendung im Rahmen der versuchten Nötigung und des versuchten sexuellen Missbrauchs „am untersten Rand“ lag. Was für Erwachsene eine Bagatelle zu sein scheine, stelle jedoch einen erheblichen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Kindes dar. Strafschärfend falle ins Gewicht, dass der Angeklagte ein bestehendes Vertrauensverhältnis missbraucht habe. Die Vertreterin der Anklage beantragte deshalb eine Haftstrafe von zehn Monaten auf Bewährung.

Das Schöffengericht blieb mit den verhängten sechs Monaten deutlich unter diesem Antrag: Das Kind sei noch sehr jung gewesen und seine ungestörte Entwicklung sei ein hohes Gut, das es zu schützen gelte, sagte Richter Thomas Kabus. Neben einem Schmerzensgeld von 300 Euro, das an das Mädchen geht, muss der Angeklagte als weitere Bewährungsauflage 700 Euro an den Kinderschutzbund zahlen.

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