Ein 70 Jahre altes Motor-Fahrrad

Fred Oehm ist stolzer Besitzer des einzigartigen Fahrrades. Obwohl das Gefährt etwa 70 Jahre alt ist, kann der Valberter es noch für Ausfahrten nutzen. - Fotos: Meyer

Valbert -  Historische Dinge liegen dem ehemaligen Ortsvorsteher Valberts Fred Oehm bekanntlich am Herzen. Doch nicht nur in seinen Büchern findet man allerlei geschichtlich bedeutsame Dinge.

Von Martin Meyer

Auch in seiner Garage verbergen sich alte Schätze der Vergangenheit. So etwa auch ein 70 Jahre altes motorisiertes Fahrrad. Auf das Zweirad ist der 78-jähriger Valberter besonders stolz: „Das ist schon ein einmaliges Fortbewegungsmittel. Wenn ein Sammler so etwas hat, dann ist er zufrieden.“ Ende der 1970er Jahre entdeckte Fred Oehm das Gefährt auf einer Militärausstellung von Friedhelm Abel – schnell wechselte es als Freundschaftsgeschenk den Besitzer. Laut dem Heimatkundler transportierte die Wehrmacht mit solchen Fahrrädern die Feldpost. In den letzten beiden Kriegsjahren haben man versucht, die Touren für die Fahrer zur Front und zurück zu vereinfachen sowie sicherer zu machen. Nachträglich wurde deshalb ein Motor der Marke „Ilo“ ohne Getriebe, der 0,5 PS leistet und mit dem man sechs Stundenkilometer schnell fahren kann, angebracht. Mittels einer sogenannten Reibrolle wird damit das Hinterrad angetrieben und unterstützt damit, ähnlich wie bei modernen E-Bikes, den Fahrer beim Vorwärtskommen.

Bis heute läuft der Ein-Zylinder-Zweitakt-Motor. „Er ist unverwüstlich, die Konstruktion ist so simpel. Ich fahre gerne damit. Es knattert und qualmt wegen des Fettgemisches etwas. Doch das gehört dazu“, meint Oehm. Über eine bewegliche Schiene lässt sich der Motor nach Belieben am Hinterrad in Position bringen. Das erleichtere das Radfahren ungemein, so der stolze Besitzer. „Durch den 48-Zoll-Rahmen sitzt man sehr hoch. Und der alte Ledersattel ist bequemer als die modernen aus Kunststoff.“

Alles, was erhalten werden konnte, hat Fred Oehm im Originalzustand belassen. Nur den maroden Lenker und die porösen Reifen hat der Sammler ausgetauscht. „Zudem habe ich das alte Grau-Grün der Wehrmacht übermalt.“ Auch der markante Gepäckträger, auf dem die Posttaschen befestigt wurden, befindet sich noch am Fahrrad. „Dieses Gefährt hat sich nicht durchgesetzt, da der Verschleiß der Reibrollen so hoch war. Ich habe auf Oldtimermärkten so ein Fahrrad noch nicht wieder entdeckt.“ Abgeben werde er es deshalb nicht. Schließlich möchte er es so erhalten, wie es ist. Oehm: „Es ist ein schönes Spielzeug. Meine Frau sagt immer, wer mit 78 Jahren noch spielen kann, der sei gesund.“

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