Der Wolf und die 36 Alpakas

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„Vater“ der Alpakas in Blomberg: Lutz Aufenacker züchtet die Tiere seit acht Jahren – und will sie vor dem Wolf schützen.

Meinerzhagen - Der Wolf ist wieder da. Offiziell wurde er seit Mai gleich zweimal in der Volme-Region gesichtet: zuletzt in Kierspe, bereits im Mai jedoch im Ebbe. In Wolfs-Dimensionen nicht weit entfernt von der Alpakazucht Lutz Aufenackers.

Doch allzu große Aufregung oder gar Hysterie herrscht auf dem Hof in Blomberg nicht. Aber durchaus Achtsamkeit. Als von den Sichtungen berichtet wurde, war Lutz Aufenacker alles andere als überrascht. Der 70-Jährige ist überzeugt davon, dass der Wolf „nicht einfach von alleine hier auftaucht“, sieht ihn auch nicht als natürlichen Jäger in der kultivierten Landschaft – Panikmache ist sein Ding aber auch nicht. 

Der Besitzer von 36 Alpakas in Blomberg geht pragmatisch damit um. „Natürlich will ich meine Tiere schützen – aber nicht auf Kosten ihrer Freiheit oder des Tierwohls“, sagt Aufenacker. Dass seine Tiere die Nächte in einem der beiden Ställe verbringen, ist indes nichts Ungewöhnliches. „Das handhaben wir schon so, seit wir hier sind“, betont der Züchter. „Beim Lauf der Tiere in den Stall kann man gut sehen, ob eines lahmt oder hinkt, wie es sich in der Herde verhält und so weiter. Das kann man auf der Weide nur mit großem Zeitaufwand sehen“, weiß Aufenacker um den positiven Nebeneffekt der nächtlichen Stallhaltung. 

Daneben ist ihm aber auch die Sicherheit seiner Alpakas eine Herzensangelegenheit – und die ist des Nachts nur im Stall gewährleistet. Den Auslauf aus diesem Stall in das umzäunte Gatter, dem sogenannten Paddock, will er seinen Tieren aber trotz der Wolfsgefahr nicht nehmen. „Ich sehe nicht ein, dass ich das Wohl meiner Tiere wegen eines anderen Tieres einschränke“, sagt der ausgebildete Jäger, der versucht, sich das Verhalten des Wolfs zu erschließen – um den Paddock entsprechend abzusichern. Ein normaler Elektrozaun, da ist Lutz Aufenacker überzeugt, bringe da nichts. „Sobald der Wolf springt und in der Luft ist, also keinen Bodenkontakt mehr hat, bekommt er auch keinen Stromschlag“, weiß der Züchter um die physikalischen Voraussetzungen. Also zieht er bereits einen niedrigeren Elektrozaun. 

„Tiere wie der Wolf erkunden erst mal die Lage, schauen durch die Zäune hindurch, um herauszufinden, ob sich der Sprung lohnt.“ Bei dieser Erkundung, so Aufenackers Hoffnung, müsse er einen solchen Schreck bekommen, dass er gar nicht erst in die Versuchung kommt, sich den Alpakas zu nähern. Denn sollte der Wolf tatsächlich in der Herde zuschlagen, könnte das die jahrelange Zucht nicht nur erschüttern, sondern zerstören. 

Während Besitzer von Pferden oder Schafen bei einem nachgewiesenen Wolfsriss eine Entschädigung des Landes erhalten, gehen Alpakazüchter leer aus. „Alpakas gelten hier nicht als Nutztiere, können aber auch einen Wert von mehr als 10 000 Euro pro Tier haben. Da handelt es sich dann um Tiere, auf denen ich meine Zucht aufbaue“, erklärt Lutz Aufenacker. Diese Werte will er schützen – dass er dabei nicht auf Hunde wie den berüchtigten Kangal zurückgreifen will, hat seinen Grund. „Diese Tiere sind nicht nur auf Wölfe abgerichtet, sondern gehen auch auf Mountainbiker oder kleinere Hunde los, die mit ihrem Besitzer spazieren gehen“, weiß der Züchter. „Dann wäre der Ärger natürlich groß – und auf den will ich gerne verzichten.“

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