Erste Hilfe gegen Straßenlärm

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Das Wohnhaus von Joachim Schmidt wurde 1906 erbaut. Damals und lange Zeit danach, war der Verkehr im Vergleich zu heute erträglich. Doch mittlerweile sieht auch der Landesbetrieb Straßen.NRW, dass Nachbesserungen nötig sind.

Meinerzhagen - Vor zwei Jahren dürfte der Lärm-Aktionsplan manch lärmgeplagtem Meinerzhagener Hoffnung gemacht haben – schließlich ging es um Möglichkeiten, das eigene Haus besser vor Krach zu schützen. Jetzt werden erste Maßnahmen umgesetzt.

Joachim Schmidt wohnt seit seiner Geburt an der Grenze zur Stadt Kierspe. Genauer gesagt in Meinerzhagen am Weißenpferd. Wenn der 75-Jährige oder seine Angehörigen aus ihrem über 100 Jahre alten Haus kommen, können sie die Fahrzeuge auf der Bundesstraße 54 unmittelbar an sich vorbeifahren sehen.

Gehört haben sie diese im Haus ohnehin fast ununterbrochen. Und genau dieser Verkehrslärm führte dazu, dass das Gebäude vor gut zwei Jahren Bestandteil des Lärmaktionsplans der Stadt Meinerzhagen wurde. 

Grundlage aus dem Jahr 2002

Seit Juni 2002 regelt die „EU-Richtlinie über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm” das Verfahren, durch das schädliche Auswirkungen und Belästigungen durch Umgebungslärm verhindert und gemindert werden können – oder gezeigt werden soll wie gegen diese vorbeugend etwas getan werden kann. In deren Umsetzung in deutsches Recht musste auch Meinerzhagen anhand der vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW erstellten Lärmkarten (siehe Grafik) einen Lärm-Aktionsplan aufstellen. 

Für Meinerzhagen geschah das in der ersten Stufe im Jahr 2009. Stufe zwei folgte 2016. In dieser wurde das zugrunde liegende Verkehrsaufkommen auf über drei Millionen Fahrzeuge – zuvor sechs Millionen – reduziert. 

Durch diesen Maßstab schafften es letztendlich 124 Gebäude auf die Liste des Plans. Aus auch für Laien nachvollziehbaren Gründen: Denn dass an der B 54 häufig sowie an der L 528 an einigen Stellen die Grenzwerte von 70 Dezibel (tagsüber) oder 60 Dezibel (nachts) überschritten werden, überrascht kaum. „Ich habe gut 25 Objekte bereits berechnet. Voraussetzung war und ist, dass sich die Eigentümer bei uns melden, damit ich in die Bearbeitung einsteigen kann“, erklärt Kai Materne vom Landesbetrieb Straßen.NRW auf Anfrage der MZ. 

Erst Kontaktaufnahme, dann Ortstermin

Über ihren Anspruch auf eine Überprüfung wurden die Betroffenen bereits vor einiger Zeit vom Landesbetrieb schriftlich informiert. Grundlage waren von der Stadt hierfür Ende 2017 zusammengestellte Listen Die entsprechenden Gebäude werden von Kai Materne nach einer Kontaktaufnahme der Eigentümer vor Ort besichtigt. 

Danach erfolgt die Berechnung. Ergibt diese, wie bei Joachim Schmidt, eine negative Beeinträchtigung durch Lärm, werden Schutzmaßnahmen vom Land bezuschusst. Für das Gebäude am Weißenpferd bedeutet das: Für die Straßenfront gibt es nun neun neue Schallschutzfenster. Und da demnächst die Handwerker ohnehin vor Ort sind, hat sich Joachim Schmidt entschieden, auch die restlichen der rund 40 Jahre alten Fenster gleich mit auszutauschen.

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