Stolpern mit Kopf und Herz

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Die Mitglieder der Initiative Stolpersteine trafen sich in der Galerie Langenohl. ▪

MEINERZHAGEN ▪ In den vergangenen Monaten haben die Mitglieder der Initiative Stolpersteine noch einmal kräftig die Werbetrommel gerührt, viele persönliche Gespräche geführt, Pressearbeit geleistet und ihr Anliegen in jeder Ratsfraktion vorgestellt...

„Wir sind dabei weitgehend auf Zustimmung gestoßen, Skeptiker gibt es aber natürlich auch,” zog Rolf Janßen von der Initiative Stolpersteine am Donnerstagabend bei einem Treffen in der Galerie Langenohl ein überwiegend positives Fazit. Daher sei nun der richtige Moment gekommen, einen Antrag zur Realisierung des Kunst-Denkmals an den Rat der Stadt Meinerzhagen zu stellen.

Zwölf Mitglieder waren der Einladung der Initiatoren in die Galerie gefolgt, um über einen Entwurf zu beraten und abzustimmen. In dem Dokument wird die Verlegung von 46 “Stolpersteinen” vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer beantragt. Es handelt sich hierbei um zehn verschiedene Verlegestellen, fünf befinden sich im Eigentum der Stadt. Die Mitglieder bitten die Stadt auch um Genehmigung für die Verlegung der Steine an diesen fünf Stellen. In ihrem Antrag machen sie deutlich, dass sie etwaige Einwände von Hauseigentümern respektieren werden, die keine Steine vor ihrem Haus haben möchten. In dem Dokument heißt es hierzu: „Die Initiative Stolpersteine akzeptiert die Bedenken und bittet den Rat der Stadt Meinerzhagen um einen positiven Beschluss zur Verlegung der Stolpersteine mit der Einschränkung, dass die Verlegung nicht gegen den ausdrücklichen schriftlichen Widerspruch der heutigen Hauseigentümer geschehen soll.”

Die Initiative hofft jedoch, durch die bislang geführten persönlichen Gespräche auch den letzten Zweifler beruhigt und alle Bedenken ausgeräumt zu haben. „Die Erfahrungen in vielen anderen Städten mit dem Projekt ,Stolpersteine’ des Künstlers Gunter Demnig zeigen, dass die Befürchtungen zum überwiegenden Teil unbegründet sind,” so Herbert Langenohl.

Um auch den Ratsmitgliedern noch einmal Einblick in die Argumente pro und kontra „Stolpersteine” zu geben, wird der Antrag durch eine Darstellung der Einwände und eine Stellungnahme der Initiative zu den einzelnen Kritikpunkten ergänzt. Er trägt als Überschrift die Worte eines Attendorner Schülers, der über die „Stolpersteine” sagte: „Nein, nein man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.” Treffender kann man das Anliegen der Projekt-Befürworter kaum auf den Punkt bringen.

Die rund 40 Mitglieder zählende Initiative, die sich im März 2011 gründete, hat sich seither nicht nur engagiert für eine breite Zustimmung zu den „Stolpersteinen” eingesetzt, vielmehr entstand im Laufe der Monate vor allem durch den Einsatz von Rolf Janßen eine umfassende Dokumentation der Lebensläufe und Schicksale der jüdischen Mitbürger. „Die Geschichte der Menschen soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden”, hebt Langenohl hervor. Ein eindrückliches und bewegendes Zeugnis der Vergangenheit, das allen Interessierten, vor allem aber Meinerzhagener Schülern, Einblick in die NS-Zeit geben könne.

Freitagvormittag trafen sich Herbert Langenohl, Rolf Janßen und Jochen Trambacz am Rathaus, um das leicht geänderte und einstimmig beschlossene Schreiben stellvertretend für alle Mitglieder zu unterzeichnen und einzureichen. So konnte die zehntägige Antragsfrist vor der nächsten Ratssitzung am 10. September eingehalten werden. Voraussichtlich wird sich dann am 25. Oktober der Kulturausschuss mit dem Anliegen befassen. ▪ ps

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