Der tägliche Kampf auf heimischen Straßen

Die Polizeimaßnahmen – wie hier an der Autobahn in Meinerzhagen – führten dazu, dass „MK“ zu den sichersten Landkreisen gehört.

Meinerzhagen - Valbert am Mittwochnachmittag: Die Polizei baut gegen 13.15 Uhr ihre Radarmessgeräte mitten im Dorf auf und macht sich an die Arbeit. Bis 16.15 Ihr sind die Beamten vor Ort, ihr Ziel: Raser „dingfest“ machen. Am Ende der Aktion sind 237 Fahrzeuge „gemessen“, 35 Autofahrer müssen schließlich ein Verwarngeld bezahlen – sie waren zu schnell unterwegs.

Von Jürgen Beil

Trauriger „Tagessieger“ wird ein Mann, der mit seinem Wagen in der Tempo-30-Zone 32 Stundenkilometer zu schnell unterwegs war. Er muss nun wohl einen Monat Bus fahren und ein Bußgeld bezahlen.

Ist die minimale Zeitersparnis, die eine Geschwindigkeitsübertretung bringt, das wert? Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass unvernünftiges Verhalten Fußgänger nicht unerheblich gefährdet, darunter auch die Schwächsten: Kinder. Natürlich nicht. Das ist auch die Meinung von Michael Stumpe, dem Leiter der Polizeiwache Meinerzhagen.

Aktuelle Radarstellen

Er ist der Ansicht, dass Tempo-Messungen in den vergangenen Jahren gezeigt haben, dass „keine wesentliche Verbesserung“ eingetreten ist, was zu schnelles Fahren angeht. „Das gilt übrigens auch für Trunkenheitsfahrten“, bilanziert Stumpe.

Ein bestimmtes „Klientel“ sei eben kaum dazu zu bewegen, sich an die Regeln zu halten, fügt der Polizeihauptkommissar hinzu. Stumpe: „Wir haben die Überwachungen kontinuierlich verstärkt und verbessert und die Erfahrung gemacht, dass sich ertappte Autofahrer meistens auch einsichtig zeigen bezüglich ihrer Verfehlungen. Das gilt besonders für Messungen im Innenstadtbereich, an Schulen oder Kindergärten.“ Doch nach Ansicht des Wachleiters gibt es vor allen Dingen außerorts Stellen, die schwer in den Griff zu bekommen sind: „Dazu gehört auch die Landstraße 539 zwischen Meinerzhagen und Valbert. Dort haben wir trotz aller Maßnahmen immer noch ein Problem.“

„70 Prozent der Autofahrer sind so unterwegs, wie wir es erwarten. Einige andere sind über Aktionen wie Pressearbeit oder Aufklärungskampagnen der Polizei so weit zu bekommen und fünf bis zehn Prozent sind echte Problemfälle. Sie zu vernünftigem Fahren zu bewegen, ist echt schwierig“, beschreibt der Leiter des Verkehrsdienstes im Märkischen Kreis, Dieter Bruder, seine Erfahrungen.

In der Schweiz muss Inhaber des Kennzeichens zahlen

Ein Grund für die Uneinsichtigkeit ist für ihn auch der „Sanktionsweg“, der in Deutschland üblich sei: „Wenn ein ,Ticket’ nicht bezahlt wird, ist der Weg sehr verwinkelt, der dann beschritten werden muss. In der Schweiz beispielsweise gibt es ganz andere Regeln. Da interessiert es überhaupt nicht, wer am Steuer des Wagens gesessen hat, der zu schnell gefahren ist und geblitzt wurde. Der Inhaber des Kennzeichens muss in jedem Fall bezahlen.“ Und in Finnland seien bei einer Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit um 20 km/h automatisch acht Tagessätze vom Einkommen fällig, weiß Bruder. Ob das nun gut oder schlecht ist – da enthält sich der Beamte. Für ihn ist es wichtig, dass die Autofahrer entspannter unterwegs sind: „Es wäre schön, wenn jeder Rücksicht nehmen würde. Die Aggressivität rausnehmen, das ist ein Ziel.“

Immerhin arbeitet Bruder nach eigener Auskunft in einem der sichersten Landkreise von NRW. „Das liegt auch daran, dass wir hier in enger Abstimmung mit dem Kreis, den Städten und der Unfallkommission eine starke Verkehrssicherheitsarbeit leisten“, ist er grundsätzlich positiv gestimmt – trotz aller Rücksichtslosigkeit, die immer noch – und das täglich – auf den Straßen herrscht.

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