Perspektiven für Ärzteversorgung in Valbert

Auf dem Foto von links: Dr. Martin Junker, Angela Freimuth und Dr. Hans-Jürgen Bickmann, saßen im Podium und „versorgten“ die Zuhörer mit Fakten und Ansichten zum Problem der Arztversorgung.

Valbert - Es ist ein wichtiges Zukunftsthema, dass gerade in Zeiten des demografischen Wandels die immer älter werdende Gesellschaft berührt: Die ärztliche Versorgung ausserhalb der Ballungszentren. Um hierüber aktuelle Fakten aufzuzeigen, hatte der Hartmannbund seine Mitglieder und die Öffentlichkeit für Montagabend in die Hültekanne eingeladen.

Von Jochen Helmecke

In der Reihe „Hartmannbund vor Ort“, standen den Besuchern der Vorsitzende des Bezirks Arnsberg Dr. Hans-Jürgen Bickmann und von der kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe Dr. Martin Junker Rede und Antwort. Mit auf dem Podium die FDP-Landtagsabgeordnete Angela Freimuth.

In seiner kurzen Einführung ging Dr. Bickmann am Rande auf die Geschichte der Ärztevereinigung ein, um danach direkt auf das aktuelle Thema überzuleiten.

„Wir haben heute mehr Ärzte, als je zuvor. Durch die veränderten Arbeitszeitregelungen, von neuen Schichtdienststrukturen, über Teilzeitarbeit bis hin zur Elternteilzeit, ist dabei alles vorhanden“, so Dr. Bickmann. Diese Veränderungen führten im Laufe der vergangenen zehn Jahre dazu, dass mittlerweile von 1000 ausgebildeten Ärzten nicht mehr rund 800 Arztstellen besetzt werden könnten, sondern lediglich noch etwa 600.

„Dieser Konflikt des Ärztemangels wäre vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen“, so Bickmann. Und noch eine Entwicklung wirke sich entsprechend „negativ“ aus: „Der Arztberuf wird heute in einer großen Mehrheit von Frauen ergriffen. Daraus ergeben sich im Zusasmmenhang mit der Familienplanung auch besondere Herausforderungen an die Dienstpläne“. Dr. Martin Junker machte in seinen Ausführungen deutlich, dass nach der „Statistik“, sie basiere auf Berechnungen des zuständigen Bundesausschusses, auch im Bereich Meinerzhagen/Valbert eine Überversorgung bestehe. Ein Fakt, der von den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern mit Verwunderung, ja sogar mit gewissem Zorn registriert wurde. Grund hierfür ist nicht zuletzt die Tatsache, dass sich diese „Versorgungssicherheit“ auch auf zumutbare Entfernungen von 30 Kilometern Luftlinie bis zur nächsten Arztprtaxis stütze. „Die 30 Kilometer können im Sauerland auch mal schnell eine Strecke von 60 Kilometern bedeuten und im Winter unbefahrbar sein“, so Martin Junker.

Durch den ausreichenden Versorgungsgrad ergebe sich für die Ansiedlung von Kassenärzten eine klare Konsequenz: Neue Praxen können nicht eröffnet werden, nur die Übernahme bestehender Arztstellen sei möglich. Mögliche Varianten, die auch beim Hartmannbund und beim der KV für praktikabel angesehen werden, sind eine „Mitarbeit“ als angestellter Arzt, mit anschließender Übernahme der Praxis oder auch medizinische Versorgungszentren. Auch im Einklang sind beide Organisationnen über die notwendigen Randbedingungen für die Ansiedlung junger Ärzte und Ärtinnen. In Befragungen von Medizinstudenten wurden als Kriterium für eine Ansiedlung immer wieder die Wohnsituation, das Bildungs- und Kulturangebot, die Einkaufssituation, aber ebenso das Angebot von Arbeitsstellen für den, nicht in einem medizinischen Beruf tätigen Lebenspartner, genannt. Hier sehe man beim Hartmannbund auch entsprechende Stellschrauben für die Kommunalpolitik, um die Situation zu verbessern. Im Hinblick auf die Erreichbarkeit der Praxen, gerade in ländlichen Regionen, können auch intellegente Lösungen im Zusammenhang mit bestehenden Angeboten des ÖPNV oder der Taxiunternehmen eine Verbesserung bringen.

„Wir haben in der Region, in der ich lebe, den Bürgerbus neben den anderen Fahrten auch für Transporte zum Arzt im Einsatz“, erklärt die Geschäftsführerin der Landesverbände Nordrhein und Westfalen-Lippe des Hartmannbundes Larissa Gebser.

Bedenkt man, dass es für Valbert auch von der MVG eine Anruf-Linien-Fahrten-Regelung (ALF) gibt, könnte zumindest das „Mobilitätsproblem der Ebbedörfler“ vielleicht auf diese Weise verringert werden.

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