Landarztquote: „Anreiz für Studium allein genügt nicht“

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Allgemeinmedizinische Untersuchung in einer Hausarztpraxis. Es gibt zu wenige dieser Mediziner, die Ideen aus Düsseldorf hält Ärztesprecher Dr. Holger Reimann aber für nicht ausreichend.

Meinerzhagen - Sie hat für viele Schlagzeilen gesorgt und sicher auch bei dem einen oder anderen Bewohner Meinerzhagens Hoffnung geschürt: Mit der sogenannten Landarztquote will die Landesregierung dem Ärztemangel auch in Regionen wie dem Volmetal begegnen.

Doch nicht alle sind so euphorisch wie Vertreter von CDU und FDP. Dr. Holger Reimann, Allgemeinmediziner und Sprecher der Ärzte in Meinerzhagen, ist skeptisch.

„Natürlich kann man Stipendien vergeben und dann hoffen, dass diese Studenten dann nach elf oder zwölf Jahren der Ausbildung tatsächlich in die Allgemeinmedizin gehen“, sagt Reimann, der aber genau darin eine Gefahr sieht.

Auch die angedrohten Vertragsstrafen seien keine Garantie, dass junge Menschen ihr gelerntes Wissen in dem eigentlich angedachten Fach nutzen. „Weder weiß man genau, wie diese Strafen aussehen, noch, welche Regularien es in zwölf Jahren überhaupt gibt. Die ändern sich ja alle vier Jahre – je nachdem, wer in der Regierung ist.“ Für einen großen Wurf hält Reimann die neue Regelung ohnehin nicht.

„Wir haben sieben Universitäten in Nordrhein-Westfalen. Da sind die 168 Studienplätze, die es jetzt pro Jahr geben soll, wirklich nicht viel.“ Als Arzt mit Weiterbildungsbefähigung in der Allgemeinmedizin weiß Holger Reimann um die eigentlichen Hürden, die den Nachwuchs von der Ansiedlung in ländlichen Regionen abhalten. „Das liegt nicht zuletzt an der Bürokratie, die damit verbunden ist. Und an der Meinung, dass man hier nicht die Lebensqualität findet, die man in einer Großstadt hat. Wenngleich ich da natürlich anderer Meinung bin.“

Nicht zu unterschätzen sei außerdem der Honorarsatz, der keinen echten Anreiz schaffe. Reimann: „Wenn man den mit den Tarifen etwa in Hessen vergleicht, so liegen wir im Bereich Westfalen-Lippe um 10 Euro pro Patient und Quartal darunter.“ Und in Bayern oder Sachsen würden Allgemeinmediziner für ihre Leistung sogar noch besser bezahlt.

„Wir brauchen also höhere Honorarsätze, wissen zugleich aber nicht, wo das Geld herkommen soll“, weiß der Meinerzhagener Arzt um die Krux, die sich nicht auf die Allgemeinmedizin beschränkt, sondern auch Fachärzte vor Probleme stelle. Auch beim Blick auf die statistischen Vergleiche, die die Krankenkassen bei ihrer Meinung nach „überflüssigen“ Leistungen hinzuziehe. „Da kommt es vor, dass Kollegen Hausbesuche nicht bezahlt bekommen, wenn diese Besuche über dem statistisch zumutbaren Wert liegen“, schildert Holger Reimann einen Konflikt mit den Kassen. „Da spielt es dann auch keine Rolle, ob die Besuche notwendig waren oder nicht.“

Kurios: Zur Berechnung des statistischen Mittelwertes würden in diesem Fall sogar die Zahlen solcher Ärzte hinzugezogen, die grundsätzlich keine Hausbesuche anbieten. Dadurch sinkt die durchschnittliche Zahl solcher Besuche natürlich. Ein Punkt von vielen, den der Meinerzhagener als Hemmnis sieht, junge Kollegen für eine Ansiedlung in ländlicheren Regionen zu motivieren. Für ihn steht daher fest: Der Anreiz für ein Studium allein genügt bei Weitem nicht.

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