Ärger und Frust über Teil-Lockdown ist bei den Betroffenen in Meinerzhagen groß

Nicht nur sportlich ist jetzt Ausdauer gefragt

Fitnessstudios wie der Sportpalast in Meinerzhagen müssen im November schließen.
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Fitnessstudios wie der Sportpalast in Meinerzhagen müssen im November schließen.

Neben der Gastronomie sind sie die zweite große Branche, die unter dem Herbst-Lockdown zu leiden hat: Auch Fitnessstudios mussten bereits im Frühjahr schließen, um die Zahl der Corona-Neuinfektionen zu reduzieren. Dass sie ab Montag erneut keine Kunden in ihren Räumen begrüßen dürfen, ärgert viele Betreiber. So auch in Meinerzhagen.

Meinerzhagen – Thorben Radtke, Inhaber des Studios „Lions Next Level Fitness“, ist frustriert: „Das war alles andere als eine schöne Nachricht, nachdem man die erste Phase ja halbwegs überstanden hat. Dass nun ausgerechnet jene Branchen, die auf extrem hohe Hygienestandards setzen und bislang nicht als Corona-Hotspots in Erscheinung getreten sind, wieder schließen müssen, ist ein Schlag ins Gesicht.“

Positives Feedback der Kunden

Doch Radtke weiß auch um den Vorteil, den seine Branche im Vergleich zur Gastronomie hat: „Durch die langfristigen Verträge geraten wir nicht so schnell in finanzielle Not. Natürlich bieten wir auch unseren Kunden an, den Zeitraum, in dem sie nicht trainieren konnten, gutgeschrieben zu bekommen. Aber das entzerrt natürlich die Ausfälle“, erklärt der Fitnessstudio-Betreiber, der sich über das immer noch vermehrt positive Feedback seiner Kunden freut. „Es gibt tatsächlich auch sehr viele, die ganz auf ihre Gutschrift verzichten, weil sie den Bestand ,ihres’ Studios sicherstellen wollen. Die sagen dann: ,Warum sollte ich dazu beitragen, dass es euch nicht mehr gibt? Dann müsste ich mir ja ein anderes Studio suchen.’“

Um die Fitnesskunden bei der Stange zu halten, wollen Radtke und sein Team nun – wie schon beim ersten Lockdown – Videos drehen, um die Mitglieder in deren vier Wänden zum Mitmachen zu animieren. Dazu sollen auch ganze Kursangebote gefilmt werden. „Wenn es dann hoffentlich im Dezember wieder losgeht, hoffe ich, dass wir unter denselben Voraussetzungen wieder starten können, wie wir sie zuletzt hatten – und nicht alles noch strenger wird.“

Auch für die Geschäftsführung des Meinerzhagener Sportpalastes ist die erneute Schließung ein Schlag ins Gesicht: „Wir sind einfach mega enttäuscht“, so Norbert Hagen.

Zweiter Lockdown geht an die Substanz

Nach dem ersten Lockdown habe man alles möglich gemacht, um wieder öffnen zu können. „Wir haben ein Hygienekonzept entwickelt, Duschen und einzelne Geräte abgesperrt, Laufwege eingerichtet, gelüftet, auch wenn die Heizkosten in die Höhe getrieben wurden. Wir haben in die Sicherheit investiert, alles eingehalten und müssen jetzt wieder schließen“, schildert er. „Wir verstehen, dass es Einschränkungen geben muss. Unverständlich ist aber, dass alles auf dem Rücken derer ausgetragen wird, die schon einen Lockdown hinter sich haben. Das geht an die Substanz.“

Hauptstandort neben dem Sportpalast in Meinerzhagen sei das Fitnessstudio in Lindlar. In beiden Städten gebe es Nachfragen der Kunden. „Auch die sind mittlerweile genervt“, weiß Norbert Hagen im Gespräch zu berichten. Im Frühjahr habe man als Ausgleich für die Schließung Freimonate angeboten, das Defizit habe dadurch zwar „über das Jahr verteilt“ werden können, „aber die Einbußen gibt es natürlich.“ Wichtig sei es aber, die Kunden, unter ihnen auch viele Ältere, nicht zu verlieren. Möglichst in den nächsten Tagen sollen alle Sportpalast-Besucher nähere Informationen erhalten. Ob die Betreiber staatliche Hilfen in Anspruch nehmen können, sei noch nicht klar. Beim ersten Mal sei dies nicht der Fall gewesen.

„Da müssen wir jetzt durch“

Doch nicht nur Gastronomie und Fitnessbranche sind von der Schließung betroffen: Auch Massagestudios dürfen – aufgrund der besonderen Nähe der Masseure zu den Kunden – ab Montag für einen Monat nicht mehr öffnen. Für Betriebe, die gerade erst geöffnet hatten, ein besonders dramatisches Szenario. So wie an der Derschlager Straße: Hier freuten sich Rattanaporn und Klaus-Gerhard Ballschuhweit, am 1. Juni endlich ihr Thai-Massagestudio eröffnen zu können, nachdem der ursprüngliche Termin am 1. April Corona-bedingt verschoben werden musste. „Und jetzt lief es gerade gut an – und schon müssen wir wieder schließen“, ärgert sich Klaus-Gerhard Ballschuhweit. Allein für die kommende Woche habe man ein gutes Dutzend Termine im Buch stehen. „Die versuche ich jetzt möglichst nach vorne zu schieben, damit die Massagen also bis Sonntag erfolgen können“, hofft Ballschuhweit auf mögliche Zeitfenster der Kunden. Inwieweit er und seine Frau den neuen Lockdown überhaupt wirtschaftlich überleben können, sei offen. „Es wird schwer. Aber: Da müssen wir jetzt durch.“

„Katastrophe“

Marion Selberg beschreibt den Teil-Lockdown mit einem Wort: „Katastrophe“. Auch die Kosmetikerin muss ihren Schönheitssalon I.L.U Cosmetic an der Kirchstraße im November schließen. „Und das, obwohl wir alles dafür tun, um Sicherheit zu gewährleisten.“ FFP2-Masken seien beispielsweise für sie Standard, sagt die Meinerzhagenerin. „Alle Kunden kommen einzeln, hier begegnet sich niemand und wenn es während der Behandlung möglich ist, tragen die Kunden Masken. Hygiene ist für uns ohnehin ein großes Thema. Wir räumen nach jeder Behandlung ja nicht nur auf, wir desinfizieren auch alles bis hin zu den Türklinken“, zählt sie weiter auf. Das ausgerechnet die Branche, für die Hygiene das A und O sei, wieder von der Schließung betroffen sei, „das ist einfach unverschämt“, macht Marion Selberg ihrem Unverständnis Luft.

Auch für die Kosmetikerin spielt die Gesundheit eine Rolle – „dazu zählt aber beispielsweise auch die Behandlung von Akne.“ In Kosmetikinstituten gehe es nicht nur um die Schönheit. Auch Lymphdrainagen würden in ihrem Kosmetikinstitut angeboten, berichtet die Meinerzhagenerin. „Nicht jeder bekommt dafür ein Rezept.“ Trotzdem sei es wichtig, dass die Lymphgefäße stimuliert würden und Flüssigkeit abtransportiert werde.

Bis Samstag werde sie nun versuchen, so viele Termine wie möglich abzuarbeiten, sagt die Solo-Selbstständige, die danach mindestens einen Monat lang auf ihren Verdienst verzichten müssen wird. Eine gewisse Zeit könne man diesen Ausfall überbrücken, Unterstützung wolle sie nicht in Anspruch nehmen, sagt Marion Selberg. „Die versprochenen finanziellen Hilfen hören sich vielleicht gut an, aber die müssen schließlich auch zurückgezahlt werden. Wie lange soll das alles gehen?“

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