Fußball auf der Wiese am Ehrenmal: Torjubel und Trauer - das verträgt sich nicht

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Fußball spielen auf der Wiese vor dem Ehrenmal – ist das tabu? Ein Betretungsverbot gibt es jedenfalls nicht. 

Meinerzhagen - In Meinerzhagen gibt es 32 Spielplätze. Sie verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet – von der Ihnestraße über die Listerstraße in Hunswinkel und Rinkscheid bis zur Butmicke. Zuständig für die Anlagen ist die Stadt.

Doch dürfen auch öffentliche Grünflächen ohne „Ausstattung“ zum Spielen genutzt werden, wenn Schilder das nicht ausdrücklich verbieten? Eine Meinerzhagenerin beobachtete in den vergangenen Wochen nach eigenen Angaben jedenfalls mehrmals eine Gruppe junger Männer, die auf der großen Wiese vor dem Ehrenmal an der Heerstraße Fußball spielte. Sie findet das – vorsichtig ausgedrückt – unangemessen. 

Einerseits ist der Bereich eine Gedenkstelle für alle Menschen, die im Krieg vertrieben oder ermordet wurden, die bei Kriegshandlungen ihr Leben verloren. Die Anlage soll an die Verbrechen erinnern, die im Nazi-Regime begangen wurden. Andererseits lädt der Hang regelrecht zum Spielen ein. „Aber das geht gar nicht“, meint die Volmestädterin, die das „Treiben“ bereits mehrfach beobachtet hat. Sie weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass die Grünfläche von Friedhöfen umgeben ist. Und das seien schließlich auch Orte des stillen Gedenkens.

Torjubel und Trauer so dicht nebeneinander, das vertrage sich nicht. Doch ist das Betreten des Rasens an der Heerstraße hochoffiziell verboten? Nein. Valko Gerber ist bei der Stadt für die Spielplätze zuständig. Und er berichtet, dass man im gesamten Stadtgebiet auf Verbotsschilder verzichtet habe. „Auch Hinweise wie ,Rasen betreten verboten’ finden sich in Meinerzhagen nicht“, erläutert er. Man habe sich bewusst dafür entschieden, auf Hinweisen lieber positiv zu formulieren, als negativ. Gerber: „Das gilt auch für Spielplätze. Hier wurden in der Vergangenheit schon Beschwerden von Anwohnern bekannt, die sich durch nächtlichen Lärm, verursacht von Jugendlichen, gestört fühlten. Wir haben dann Schilder mit einer zeitlichen Begrenzung aufgestellt, die das Betreten der Plätze bis 22 Uhr erlauben. Dadurch hat auch die Polizei eine Handhabe einzuschreiten, wenn hier noch später Aktivitäten festgestellt werden.“

Leiter der städtischen Ordnungsbehörde ist Heinz-Gerd Maikranz. Er kündigte an, dass seine Mitarbeiter auf die Wiese am Ehrenmal in den nächsten Tagen öfter „ein Auge werfen“ werden. „Bisher war uns nicht bekannt, dass dort Fußball gespielt wurde oder wird“, sagte Maikranz. Das Betreten der Wiese komplett untersagen, das will man im Rathaus nicht. „Dafür fehlen auch einfach die Gründe“, erläuterte der Fachbereichsleiter. Er selbst und auch viele seiner Mitarbeiter im Rathaus würden diesen Weg oft selbst abfahren oder abgehen – aufgefallen sei bisher niemandem, dass dort hin und wieder auch Fußball gespielt werde.

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