Abwasser in beiden Volmestädten sehr teuer

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Was hier hinausläuft kostet in den beiden Volmestädten besonders viel. Bei den Abwassergebühren liegen Meinerzhagen und Kierspe im vorderen Feld. ▪

MEINERZHAGEN ▪ 937 Euro zahlt ein durchschnittlicher Vier-Personenhaushalt in Meinerzhagen an Jahresgebühr für das Abwasser. In der Nachbarstadt Kierspe sind es 885 Euro. Das errechnete der Bund der Steuerzahler NRW auf Grund der aktuellen Gebührensätze für 2011. Die beiden Volmestädte gehören im Vergleich landesweit zu den besonders „teuren“ Kommunen.

Meinerzhagen rangiert auf Platz 35, Kierspe auf Platz 46 von insgesamt 396 Städten und Gemeinden. Kreisweit werden nur die Bürger von Halver mit aktuell 1000,20 Euro (Platz 18) und von Nachrodt-Wiblingwerde mit 982,20 Euro (Platz 22) noch stärker zur Kasse gebeten. In Gummersbach werden zum Beispiel 873 Euro, in Lüdenscheid 712 Euro fällig- Die durchschnittliche Belastung landesweit wurde für 2011 mit 683,27 Euro errechnet.

1992 hat der Bund der Steuerzahler NRW (BdSt NRW) zum ersten Mal alle Kommunen in Nordrhein-Westfalen zu ihren Abwassergebühren befragt. Die erste Erkenntnis: Es gibt enorme Unterschiede zwischen den Kommunen. Daran hat sich auch beim 20. Gebührenvergleich nichts geändert. Aber: Es gibt wieder neue Spitzenreiter, was die Gebührenhöhe sowie die Gebührenerhöhung anbelangt. Und: Der BdSt NRW hat neue Ursachen für hohe Gebührenbelastungen sowie neue Weg zur Gebührenentlastung gefunden.

So zeige sich bei den Abwassergebühren, dass der demographische Wandel ungeahnte finanzielle Auswirkungen habe: In Bad Berleburg, Kalletal und Herne sind seit 1996 die Einwohnerzahlen um mehr als fünf Prozent gesunken. Die Kosten für das Kanalnetz und die Abwasserbeseitigung blieben jedoch konstant und müssen nun auf immer weniger Bürger verteilt werden. Sprich: Die verbleibenden Bürger müssen immer mehr zahlen, und dementsprechend lässt sich in den genannten Kommunen auch ein Gebührenanstieg beobachten.

Eine Kommune, in der die Abwassergebühr drastisch gestiegen ist, ist Titz. Im Vergleich zum Vorjahr müssen die Bürger 34,3 Prozent mehr zahlen. Ein Musterhaushalt mit einem Frischwasserverbrauch von 200 Kubikmetern und einem Grundstück mit 130 Quadratmetern versiegelter Fläche muss nun 1 238,50 Euro zahlen. Zum Vergleich: In Reken, der Gemeinde mit der niedrigsten Gebühr, zahlt der gleiche Musterhaushalt nur 246,50 Euro – fast 1000 Euro weniger.

Der Grund, warum Titz in diesem Jahr bei der höchsten Abwassergebühr Platz 1 unter allen Kommunen des Landes einnimmt, ist jedoch nicht der demographische Wandel, sondern die Veränderung der Kalkulationsgrundlage – was wie auch in den vergangenen Jahren die Hauptursache für steigende Abwassergebühren ist. In diesem Fall hat der Stadtrat beschlossen, die kalkulatorische Abschreibung umzustellen. Zum Nachteil der Bürger. Dem Stadtrat müsse man allerdings zu Gute halten, dass eine solche Veränderung bei der Kalkulationsgrundlage ausdrücklich von der Gemeindeprüfungsanstalt Herne empfohlen werde, um Einnahmepotentiale zu erschließen. Mit anderen Worten: Die Städte und Gemeinden sollen die Kalkulationsgrundlagen dahingehen ändern, dass die Bürger mehr zahlen müssen, um dadurch einen Überschuss zu erzielen, mit dem die Finanzlage der Stadt verbessert wird, kritisiert der Steuerzahlerbund. Für die Abwasserentsorgung wären aus seiner Sicht diese hohen Gebühren dabei nicht erforderlich. ▪ -fe

Der vollständige Bericht mit einer Übersicht für alle NRW-Kommunen ist im Internet abrufbar unter http://www.steuerzahler-nrw.de

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