Abschied vom „sauerländischen“ Sommer

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Ein so schönes Abendrot, wie hier vom Philosophenweg aus fotografiert, war selten. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Morgen ist meteorologisch der erste Herbsttag.

„Ein insgesamt warmer, aber nasser und sonnenscheinarmer Sommer 2011“, so die Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD), ist damit zu Ende gegangen. „Typisch sauerländisch“, charakterisiert der Meinerzhagener Wetterbeobachter Reinhard Hinz im Gespräch mit der MZ die drei Sommermonate Juni, Juli und August aus heimischem Blickwinkel.

Der August hat für die von Reinhard Hinz für den DWD an seinem Haus in der Ortslage Redlendorf betriebene Messstelle noch einmal einige Extremwerte gebracht. „Es war sehr nass. Der Boden in meinem Garten wurde nicht an einem Tag wirklich trocken“, beschreibt Hinz die Auswirkungen von insgesamt gemessenen 176 Millimeter oder umgerechnet 176 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter. Das entspricht 150 Prozent einer durchschnittlichen Monatsmenge. Welche Auswirkungen diese anhaltende Nässe auf die Vegetation hat, konnte Hobbygärtner Hinz zum Beispiel an seinen Salatpflanzen beobachten. „Die sind zum Teil verfault.“ Und weil auch der Sonnenschein Mangelware war, kann er erst in diesen Tagen die ersten Tomaten ernten – fast einen Monat später als in einem normalen Jahr.

An 22 von insgesamt 31 Tagen im August hat es geregnet. Im Juni waren es 21, im Juli 20 Tage. Die Niederschlagsmenge im Juni lag bei 128,3 Litern und im Juli bei 147,5 Litern. Aber Reinhard Hinz macht als wettererprobter Sauerländer auch die Gegenrechnung auf. Immerhin ließ sich die Sonne zumindest stundenweise im August an 25 Tagen, im Juli an 20 und im Juni sogar an 28 Tagen blicken. Die höchste Tages-Temperatur (gemessen zwei Meter über dem Boden) in diesem Meinerzhagener Sommer maß Hinz am 28. Juni mit exakt 30 Grad. Der wärmste Juli-Tag war mit 26 Grad der 12. Juli. Am 23. August, also erst vor kurzer Zeit, gab es mit 27,3 Grad den wärmsten August-Tag. Hochsommerlich aber war das ganz gewiss nicht.

Dass der Herbst da ist, das lässt sich aktuell auch an den sinkenden Nachttemperaturen erkennen. Reinhard Hinz registrierte am gestrigen Mittwoch gegen 6 Uhr eine Temperatur von 4,9 Grad, am Boden sogar nur 3,3 Grad. Aber wie viele Volmestädter, die nach einem ungewöhnlich trockenen und warmen Frühjahr und einem dann viel zu nassen und kalten Sommer jetzt noch auf ein paar schöne Herbsttage hoffen, erwartet auch Reinhard Hinz noch einige wirklich schöne spätsommerliche Tage. Dass die Natur allerdings sich schon auf die nahende kalte Zeit einzustellen beginnt, hat der Volmestädter auch daran festgestellt: „Die Schwalben verabschieden sich gerade und machen sich auf den Weg in ihre warmen Winterquartiere.“

Deutschlandweit zieht der DWD die folgende Bilanz: „Der Sommer 2011 zeigte sich mit durchschnittlich 16,8 Grad Celsius (°C) um 0,5 Grad wärmer als im klimatologischen Mittel. Damit ist laut DWD seit 1993 in Deutschland kein zu kühler Sommer mehr aufgetreten. Zuletzt wurde das Soll von 16,3°C im Sommer 1996 genau getroffen. Lediglich im Saarland entstand diesmal eine geringe negative Temperaturabweichung. Die höchsten gemessenen Temperaturwerte des Sommers meldeten Rheinfelden am Hochrhein mit 36,7°C am 22. August, Duisburg-Baerl mit 36,6°C am 28. Juni und Stuttgart-Neckartal mit ebenfalls 36,6°C am 23. August. Die kälteste Nacht registrierten die Meteorologen nördlich und östlich von Bremen am 2. Juni: In Worpswede-Hüttenbusch im Teufelsmoor lag das Minimum bei 1,0°C. Hier und in Rotenburg an der Wümme trat sogar Bodenfrost von jeweils -3°C auf.“

Für NRW verbuchte der DWD eine Regenmenge von 290 l/m² (240 l/m²). Obwohl die Temperatur in Duisburg-Baerl am 28. Juni auf 36,6°C kletterte, war NRW im Sommer 2011 mit 16,4°C (16,3°C) nach Schleswig-Holstein das kühlste Bundesland. Auch beim Sonnenschein belegte es mit 479 Stunden (554 Stunden) den vorletzten Platz. Am wenigsten von allen deutschen Wetterstationen zeigte sich die Sonne auf dem Kahlen Asten im Sauerland mit 414 Stunden. ▪ -fe

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