Nach 30 Jahren im Kindergarten: Gusti Gräfe geht in den Ruhestand 

Kinderstrahlen ist für Gusti Gräfe eine Bestätigung

+
Abschied in der Corona-Zeit. Das Virus hat bekanntlich auch den Alltag im Kindergarten verändert. Ohne Maske bewegt sich Gusti Gräfe nur draußen und mit Abstand zu ihren Schützlingen. Anfang Juli tritt sie ihren Ruhestand an.

Meinerzhagen – Basteln oder Vorlesen? „Auf jeden Fall Vorlesen. Und Tischspiele“, lacht Gusti Gräfe. Nein, ein Basteltyp sei sie nicht, sagt sie. Und doch: Ungezählt die Stunden, die sie mit Kleben und Ausschneiden zugebracht hat.

In 29 Kindergartenjahren und als dreifache Mutter kommen ganz Stapel an Bastelpapier zusammen. Der eigentliche Sinn aber – Kinder während ihres Aufwachsens eine Zeit lang zu begleiten – war es, der vor drei Jahrzehnten zu der Entscheidung führte: Erzieherin statt Krankenschwester. Der richtige Weg, wie sie heute rückblickend bilanziert: „Es hat Spaß gemacht, ich habe es gern gemacht“, steht für Gusti Gräfe wenige Tage vor ihrem Ruhestand fest. „Wird den Kindern Zuwendung und Liebe gegeben, geben sie das zurück. Ein strahlendes Gesicht ist die schönste Bestätigung“, resümiert sie nach fast 30 Berufsjahren.

14 Jahre arbeitete Gusti Gräfe im evangelischen Kindergarten Willertshagen, als es diesen noch gab, dann wechselte sie an die Hochstraße. Die Örtlichkeit änderte sich, der Inhalt ihrer Arbeit blieb der gleiche. Dabei, erzählt Gusti Gräfe, habe sie neben Spielen und Basteln in all den Berufsjahren stets großen Wert auch auf die Religionspädagogik gelegt. Biblische Geschichten hatten einen festen Platz im Kindergartenalltag. „Ich finde es wichtig, dass die Kinder wissen, woher sie kommen“, hebt sie hervor. 

Entwicklung fördern

Ihren kleinen Schützlingen Input geben, und das auf unterschiedlichste Weise, darauf komme es an. Ihre Entwicklung zu fördern, das sei das Schöne an ihrem Beruf: „Wenn Kinder mit zwei Jahren zu uns kommen und uns dann mit sechs als Schulanfänger verlassen, ist es schön zu sehen, wie sie sich in dieser Zeit entwickelt haben.“ Wenn man sehen könne, dass das, was gegeben wurde, angekommen sei, sei es eine Erfüllung. 

Wie viele Mädchen und Jungen sie in all den Jahren kennengelernt hat? – „Das kann sich gar nicht sagen“, überlegt Gusti Gräfe. Einige „Kinder“ sehe sie aber sogar heute noch – wenn sie als Eltern den eigenen Nachwuchs in die Kita bringen. Dass die Kindheit von heute eine andere ist als noch vor 20 oder sogar 30 Jahren, steht auch für die Meinerzhagenerin, die in Wilkenberg wohnt, außer Frage. Kinder seien selbstbewusster geworden, was grundsätzlich natürlich positiv sei – doch eben nicht immer, wenn Grenzen verschwimmen, was wiederum auch an einer veränderten Erziehung liege.

Kinder sind liebenswert

Fest steht für Gusti Gräfe heute genauso wie früher: „Kinder sind liebenswert und unsere Aufgabe ist es, sie bei ihrem Aufwachsen zu begleiten.“ Auch wenn sie ab Anfang Juli nicht mehr im Kindergarten an der Hochstraße sein wird – Kinder werden Gusti Gräfe auch dann umgeben. Und mit ihren sechs Enkeln zwischen eineinhalb und acht Jahren wird sie noch einige Zeit vorlesen, spielen und auch basteln.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare