Abschied für "Feuerwehrmann mit Leib und Seele"

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Abschied und Neuanfang: Ulrich Blumenrath wurde von Bürgermeister Jan Nesselrath als stellvertretender Wehrleiter verabschiedet, sein Amt übernimmt Christian Bösinghaus. Blumen gab es für die Ehefrauen Iris Blumenrath und Denise Bösinghaus.

Meinerzhagen - Eines der schönsten Geschenke machte er sich selbst: Dass Ulrich Blumenrath bei seiner Verabschiedung in einem alten Feuerwehrbulli – einst als Tragkraftspritzenfahrzeug der Löschgruppe Pütthof im Einsatz und heute im Privatbesitz von Otto Hinrich Fuchs – vor dem Gerätehaus Willertshagen vorfuhr, gab zugleich auch optisch einen Eindruck, was vier Jahrzehnte Feuerwehrdienst bedeuten: „In so einem Auto habe ich angefangen und 40 Jahre Feuerwehrgeschichte erlebt und mitgestalten dürfen“, resümierte der scheidende stellvertretende Wehrleiter.

Deutlich, und von vielen Rednern in Worte gefasst, wurde am Freitag aber vor allem, dass mit Ulrich Blumenraths Abschied nicht nur eine Ära endet, sondern auch eine Führungspersönlichkeit geht, die die Werte der Feuerwehr mit Konsequenz, Loyalität und Disziplin gelebt hat.

Zur offiziellen Verabschiedung von Kurt Ulrich Blumenrath hieß Bürgermeister Jan Nesselrath zahlreiche Gäste, darunter neben Kreisbrandmeister Rainer Blumenrath auch dessen Stellvertreter Dieter Grefe und Michael Kling, im Gerätehaus willkommen und richtete gleich darauf sehr persönliche Worte an den scheidenden stellvertretenden Wehrleiter, die eine große Wertschätzung ausdrückten.

Der Gleichklang von Kompetenz, Sachverstand, persönlichem Engagement und überlegtem Handeln habe die ehrenamtliche Tätigkeit des Stadtbrandinspektors geprägt. „Kopf und Herz haben bei Dir gleichermaßen eine Rolle gespielt“, würdigte das Stadtoberhaupt einen „geschätzten Meinerzhagener, ein Vorbild“, dessen „gelebtes Verantwortungsbewusstsein“ größten Respekt verdiene. Der Dank schließe auch die Familie mit ein, die ihre Bedürfnisse untergeordnet und so die Geschicke mitgetragen habe, richtete Jan Nesselrath auch persönliche Worte an Blumenraths Ehefrau Iris.

Dem schloss sich auch Stadtbrandinspektor Thomas Decker an. Mit der Aufzählung der zahlreichen Lehrgänge und Seminare könne er die Zuhörer locker eine ganze Weile unterhalten, sagte Decker, zog es aber vor, aus seiner persönlichen Sicht – und dennoch stellvertretend für die 196 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Meinerzhagen – einen Menschen zu würdigen, der die Bezeichnung „Kamerad“ in besonderem Maße verdient habe. Sauerländer Beständigkeit habe den Idealisten Ulrich Blumenrath ausgezeichnet, charakterisierte der Wehrleiter seinen Weggefährten, der in Sachen Feuerwehr neun Jahre lang auch sein engster Vertrauter war: „Du warst und bist mit Leib und Seele Feuerwehrmann!“

Dass dies zutrifft, konnte einer bestätigen, der den ehemaligen stellvertretenden Wehrleiter so gut kennt wie kaum ein anderer: „Dass man als Kreisbrandmeister eine Laudatio auf verdiente Kameraden hält, kommt öfter vor, fällt bei der Feuerwehr der Heimatstadt schwer und ist beim eigenen Bruder eine emotional höchst fesselnde Angelegenheit“, sagte Rainer Blumenrath erkennbar bewegt und erinnerte an den Werdegang seines Bruders, der von 1996 bis 2008 als Löschgruppenführer der Löschgruppe Willertshagen fungierte, ehe er am 1. April 2008 an der Seite von Thomas Decker und Andreas Barutta das Amt des stellvertretenden Wehrleiters und Pressesprechers der Meinerzhagener Feuerwehr übernahm. Die Verantwortung, die er über viele Jahre getragen habe, sei auch mit mancher schlaflosen Nacht einhergegangen, wusste Rainer Blumenrath. Viel Zeit habe sein Bruder Uli als Mitglied des Komitees Städtepartnerschaft in die Intensivierung der Kontakte zu den Feuerwehren der Partnerstädte investiert. Die Freundschaften, die hier entstanden sind, bewiesen sich am Freitag auch mit dem Besuch einer Abordnung der Feuerwehr IJsselmuiden.

Dem Nachfolger Christian Bösinghaus wünschte der Kreisbrandmeister „viel Erfolg und viel Kraft zur Bewältigung der bevorstehenden Aufgaben“ und richtete an die anwesenden Einsatzkräfte die Bitte: „Gebt ihm Unterstützung und Zeit, die er braucht, um sich in seine neue Position einzuarbeiten.“ Denise Bösinghaus bereitete er darauf vor, dass ihr Ehemann in Zukunft wesentlich mehr Zeit mit der Feuerwehr verbringen werde: „Wenn es zu viel wird, gibt es für Beschwerden meine Telefonnummer“, meinte er augenzwinkernd.

Für den Feuerwehrverband Märkischer Kreis zeichnete Georg Würth den scheidenden stellvertretenden Wehrleiter mit der Ehrenmedaille des Verbandes in Silber aus. „Bei aller Technikbegeisterung, die es bei der Feuerwehr auch gibt, hast du das Menschliche nicht vergessen“, betonte Würth. Für die vier Löschzüge sprach stellvertretend Steffen Kohl vom Löschzug Meinerzhagen. „Wir haben professionell und auf hohem Niveau zusammengearbeitet. Es hat gut funktioniert“, bedankte er sich und überreichte eine kleine Feuerwehr in Form eines Schwibbogens.

40 überwiegend gute Jahre seien es in der Feuerwehr gewesen, „auch wenn man mal gehadert hat“, resümierte schließlich Ulrich Blumenrath nach den spürbar von Herzen kommenden Worten, die an ihn gerichtet worden waren. Das Ziel sei wichtig gewesen „und der Weg war richtig“. Bei der Feuerwehr führt der Weg des 57-Jährigen nun in die Alters- und Ehrenabteilung. „Das war’s dann“, endete Blumenrath – typisch für ihn – ohne große Umschweife. Etwas Wehmut schwang bei diesen Worten dennoch mit. Bürgermeister Jan Nesselrath hatte zuvor vorausgeschickt: „Niemals geht man so ganz!“ – Ein Satz, der auf das „Urgestein“ Uli Blumenrath sicherlich zutreffen wird.

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