Sprung ins kalte Wasser

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Im August beginnt Aurélie Meitz einen Internationalen Jugend-Freiwilligendienst in China. Den elfmonatigen Auslandsaufenthalt muss sie zum Teil selbst finanzieren und ist deswegen auf der Suche nach Sponsoren.

Meinerzhagen - Einmal China reicht ihr nicht. Vor wenigen Jahren verbrachte die Meinerzhagenerin Aurélie Meitz ein Austauschjahr in Taiwan, im Sommer möchte sie in die Volksrepublik China, um dort einen Internationalen Jugend-Freiwilligendienst zu machen.

Dazu muss sie noch einige Spender finden, die sie dabei unterstützen. Eigentlich hat Aurélie Meitz reichlich zu tun. Die 18-Jährige bereitet sich auf ihr Abitur am Evangelischen Gymnasium Meinerzhagen vor, hat dort außerdem in Englisch das Cambridge-Zertifikat erworben und macht gerade ihren Führerschein. Ganz nebenbei muss sie aber auch Spenden sammeln, denn ein Internationaler Jugend-Freiwilligendienst ist teuer. Etwa 11 000 Euro würde der elfmonatige Aufenthalt in China kosten. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend trägt zwar 65 Prozent der Kosten, die Restsumme müssen die Freiwilligen selbst bezahlen, beziehungsweise sich Sponsoren suchen.

In der Familie und im Bekanntenkreis hat sie schon ein paar Unterstützer gefunden, außerdem hat sie Briefe an zahlreiche Unternehmen geschrieben, mit der Bitte, ihren Freiwilligendienst zu sponsern. Noch fehlen ihr aber etwa 3900 Euro, die sie hofft bald zusammenzubekommen. Bekommt sie die Summe nicht zusammen, wäre ihr eigener Aufenthalt zwar trotzdem finanziell gesichert, allerdings würde es dann in den kommenden Jahren für andere Freiwillige teurer. „Das wäre schade und das möchte ich den anderen nicht antun“, sagt Aurélie Meitz . Entsandt wird sie über die Organisation „AFS Interkulturelle Begegnungen“, die Auslandsaufenthalte und Freiwilligendienste in unterschiedlichen Bereichen ermöglicht. Aurélie Meitz entschied sich für den Bildungsbereich und wird in China für die Organisation „Amity Foundation“ tätig sein, die sich unter anderem für Bildung in benachteiligten Regionen Chinas einsetzt. Meitz, die in der Oberstufe Englisch als eines ihrer Leistungskursfächer hatte, soll dort Englischunterricht geben. „Ich gehe mal davon aus, dass es im Grundschulbereich ist“, sagt sie. Wo genau sie eingesetzt wird, weiß sie allerdings noch nicht. Das erfährt sie eventuell erst wenige Wochen vorher, bevor es am 10. August für sie nach China geht. „Ich springe gerne ins kalte Wasser“, sagt sie. Das stellte sie bereits unter Beweis, als sie 2015/2016 ein Austauschjahr nicht etwa in den USA wie viele andere in ihrem Alter verbrachte, sondern in Taiwan. Dabei habe sie große Unterstützung vom Rotary Club erhalten in Form von Sprachkursen. Dazu kam die Unterbringung in Gastfamilien. In der ersten wurde noch viel Englisch gesprochen, in der zweiten setzte Aurélie Meitz sich dann selbst die Regel, kein Wort Englisch zu reden, sondern nur Mandarin. Und das hielt sie auch durch. „Ich hab jede Woche gemerkt, wie viel besser ich geworden bin“, sagt sie.

Mit ihren Gastfamilien und anderen Freunden, die sie in Taiwan kennenlernte, ist sie immer noch in Kontakt, mehrmals in der Woche. Obwohl das politische Verhältnis zwischen Taiwan und der Volksrepublik China, die den Inselstaat als abtrünnige Provinz betrachtet, schwierig ist, bestärkten Meitz’ taiwanesische Bekannten sie darin, auch das andere China kennenzulernen. „Die finden das toll“, sagt Meitz. Auch ihre Eltern, die bei einem Urlaub Taiwan und die dortigen Gasteltern ihrer Tochter kennenlernten, hätten wegen eines weiteren langen Auslandsaufenthaltes keine Bedenken gehabt. „Ich werde mit AFS wohl auch in Gastfamilien wohnen und dadurch bekommt man einen besseren Einblick in die Kultur“, sagt Meitz. „Ich könnte aber anfangs je nach Dialekt totale Verständigungsprobleme haben.“ Ihrer Erfahrung nach würde es aber von Chinesen sehr gewürdigt, wenn man versuche, ihre Sprache zu sprechen. „Ich höre von Freunden, dass ich einen komischen Akzent habe, teils deutsch, teils taiwanesisch.“ Gespannt ist Meitz auch auf die politische Situation. Einparteienherrschaft, Internetzensur – das präge das Bild von China. „Ich bin gespannt, wie die Kommunikation mit Deutschland funktioniert. Außerdem bin ich eigentlich ein lauter Mensch, der gern die eigene Meinung sagt.“ Vermutlich müsse sie sich da etwas zurücknehmen.

Aurélie Meitz macht sich auch bereits Gedanken, was sie nach dem China-Aufenthalt machen will. „Ich überlege China-Studien in Köln zu studieren“, sagt sie. Der Studiengang umfasst neben Chinesisch und Landeskunde auch Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre. „Ich denke, dass man damit beruflich viel anfangen kann, ob für deutsche Firmen, die in China aktiv sind, oder in Institutionen wie der UN.“ Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Um erst einmal ihren Teil des Freiwilligendienstes zu finanzieren, geht für Auélie Meitz erst einmal die Sponsorensuche weiter. Auch kleine Beträge würden ihr helfen, ihrem Ziel näher zu kommen, sagt sie.

Spendenkonto: Aurélie Meitz, IBAN DE88 4585 1665 0000 9228 64, BIC WELADED1KMZ

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