Schüler wieder in der Schule

Corona-Krise: Kein normaler „erster“ Schultag

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Viel Platz, wenige Schüler: Am EGM konnten sich die Abiturienten gestern wieder gemeinsam auf die Prüfungen vorbereiten.

Meinerzhagen – Nein, ein normaler Schultag war es am Donnerstag nicht – für Schüler nicht und auch nicht für Lehrer. An den weiterführenden Schulen besuchten zum ersten Mal wieder Zehntklässler, die in wenigen Wochen ihre Abschlussprüfungen absolvieren müssen, und Abiturienten, die am 12. Mai die ersten Klausuren schreiben, den Unterricht.

„Enthusiasmus ist etwas anderes“, gab Sven Dombrowski, Schulleiter des Evangelischen Gymnasiums, gestern Morgen ein Stimmungsbild seiner Schülerinnen und Schüler. „Sie nehmen das so hin und wickeln das ab“, so seine Einschätzung. Eine andere Möglichkeit habe die Jahrgangsstufe Q2 eben auch nicht. Wenngleich das Angebot der Schule auf freiwilliger Basis genutzt werden kann: „80 bis 90 Prozent der Schüler, die das Vorbereitungsangebot heute betrifft, sind auch da“, so Sven Dombrowski.

Als grundsätzlich noch die Durchführung der Abiturprüfungen zur Debatte gestanden habe, habe eine Befragung unter den Schülern des Meinerzhagener Gymnasiums allerdings ergeben, dass sich 85 Prozent der betroffenen Abiturienten ein Durchschnittsabitur gewünscht hätten, vermittelt der Schulleiter einen Eindruck der Stimmung unter den Schülerinnen und Schülern. Jetzt gehe es darum, die Schüler unter den gegebenen Bedingungen möglichst gut auf die bevorstehende Abiturphase vorzubereiten. Die entsprechenden Vorbereitungsblöcke seien von seinen Kollegen definiert worden.

Auch während der Schließung der Schule hätten Lehrer und Schüler in Kontakt gestanden, es seien beispielsweise auch Online-Konferenzen mit Kursen durchgeführt worden. „Jetzt bietet die Präsenz noch einmal die Möglichkeit, auf relevante Dinge einzugehen und sie anzusprechen.“ Anfang Mai würden außerdem noch Lehrersprechtage durchgeführt, an denen Schüler individuelle Fragen stellen könnten. Den organisatorischen Ablauf habe man gut vorbereitet, fasste der Schulleiter zusammen: „Was die Schule tun konnte, hat sie getan.“ Es sei ein Kurssystem entwickelt worden, sodass nicht „auf einen Schlag“ die gesamte Stufe in der Schule sei, sondern maximal 60 Q2-Oberstufenschüler. Für die jeweiligen Kurse würden die vier größten Räume des Gebäudes genutzt, darunter die Mensa und die Aula. Da die sich die Räume in verschiedenen Trakten der Schule befänden, würden sich die Schüler auch nicht begegnen. Mit Desinfektionsmittel seien die entsprechenden Räume ausgestattet, auch im Eingangsbereich seien Spender angebracht. „Jetzt appellieren wir an die Schüler, dass sie sich an die Regeln und Vorgaben halten“, hofft der Schulleiter des EGM, der aber auch weiß, dass es schwierig ist, Nähe zu vermeiden, wenn man sich wochenlang nicht gesehen hat: „Wir werden alle darauf achten.“

Für die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen war der Schultag gestern Pflicht. An der Sekundarschule betraf dies die Schüler des zehnten Jahrgangs. Es sei für sie „ein komisches Gefühl“ gewesen, wieder zur Schule gehen zu müssen, beschreibt die junge Meinerzhagenerin Nina Schulte. Im Eingang seien sie und ihre Mitschüler von den Lehrern empfangen und eingewiesen worden, „die meisten Lehrer hatten Mundschutz“. Die Schule habe nur einzeln betreten werden dürfen, berichtet Ninas Mitschüler Tobias Reichmann. Alle hätten sich die Hände desinfizieren müssen, „die Lehrer haben darauf geachtet, dass sich keiner zu nahe kam.“ Die Klassen wurden in kleine Gruppen aufgeteilt, jeder Schüler habe seinen festen Einzelplatz und jede Klassengruppe habe eine „eigene“ Toilette, um Kontakt soweit wie möglich zu reduzieren. Dass in seiner Klasse nur acht Schüler gewesen seien, betrachtet Tobias Reichmann als Vorteil: „Der Unterricht war dadurch angenehm.“

Komisch sei es aber doch gewesen, auf diese ungewohnte Weise unterrichtet zu werden, meint Abschlussschüler Florian Kohl. „Da der Sicherheitsabstand eingehalten werden muss, ist es natürlich nicht so leicht, wenn ein Schüler eine individuelle Frage hat“, so der 15-Jährige.

Letztlich sei auch die Stimmung unter den Mitschülern anders gewesen als früher: „Alle waren sehr ruhig“, schildert Nina Schulte ihre Eindrücke. „Sonst berührt man sich auch mal, wenn man zusammen redet. Jetzt hatte man schon Ängste, einander zu nahe zu kommen.“ Auch wenn sie auf der einen Seite Sorge habe, durch die Öffnung der Schule sich oder andere mit dem Coronavirus anstecken zu können, sei sie andererseits froh gewesen, wieder in die Schule gehen zu können. „Für unsere Abschlussprüfungen können wir so wenigstens noch Fragen stellen, per Mail ist das auch manchmal schwierig.“

Die Befürchtungen ihrer Tochter kann auch Ninas Mutter Manuela Schulte verstehen: „Ich hätte mir eher gewünscht, dass die Prüfungen abgesagt worden wären“, sagt sie im Gespräch mit der MZ. Bei den Rahmenbedingungen gebe es viele offene Fragen.

Dass er wieder in die Schule gehen kann und damit die Möglichkeit besteht, offene Fragen im Hinblick auf die bevorstehenden Prüfungen zu stellen, darüber ist Florian Kohl froh. „Trotzdem ist man natürlich unsicher und stellt sich natürlich die Frage, ob das hinsichtlich des Coronavirus nicht alles noch zu früh ist“, sagt der 15-Jährige.

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