Fall Omzo Bah: ein Ortstermin

+
Margret und Omzo Bah am Mailänder Bahnhof. Langenohl

Meinerzhagen - Auf ein breites Echo stieß in der vergangenen Woche der MZ-Bericht über die Abschiebung des Flüchtlings Omzo Bah aus einer Wohnung am Hoschlader Weg.

Kurz vor der Unterschrift unter seinen Lehrvertrag musste er Deutschland in Richtung Italien verlassen. Das Ehepaar Langenohl, das den jungen Mann in den vergangenen zweieinhalb Jahren betreut hatte, gibt sich mit dieser Abweisung aber nicht zufrieden – und machte sich kurzerhand mit dem Wohnmobil auf nach Mailand.

„Die Nachricht, dass Omzo Bah ohne eine Unterkunft, Geld und Papiere vor dem Mailänder Zentralbahnhof schlafen muss, ließ uns keine Ruhe“, sagt Margret Langenohl, die sich seit Dezember 2014 um den heute 20-Jährigen gekümmert hat. Also setzte sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Herbert ins Wohnmobil und steuerte Norditalien an.

„Wir trafen ihn am nächsten Tag am Bahnhof. Die Situation war so, wie er sie beschrieben hatte: jede Menge Obdachlose, vor allem Afrikaner.“ Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, hätten einige billiges Kinderspielzeug oder Handys verkauft. „Die Caritas gibt einmal täglich warmes Essen heraus. Vorher muss man zwei Stunden in der Schlange warten“, berichtet Margret Langenohl. Am Abend versuche dann jeder der Obdachlosen, unter einem kurzen Vorsprung eines Kiosks einen Schlafplatz zu bekommen – auf einem maximal 60 Zentimeter breiten Betonsockel. „Wenn man trotz der Kälte einschläft, muss man Angst haben, bestohlen zu werden. Omzo ist genau das passiert.“

Aufgrund eines Hinweises der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender (GGUA) nahm das Ehepaar vor Ort Kontakt mit einer Anwältin auf, die sowohl die Langenohls als auch Omzo Bah an eine weitere Hilfsorganisation verwies. Nach langer Suche – das Trio musste wieder ans andere Ende der Stadt – war das Ziel errreicht. „Es war sehr erschütternd, zu sehen, wie viele ganz junge Flüchtlinge, fast noch Kinder, und Familien dort vor der Einrichtung warteten“, sagt Margret Langenohl. Allerdings habe sich ein Schreiben, das Gerda Steiner und Paolino Barone zuvor auf Italienisch verfasst hatten, wiederholt als äußerst hilfreich erwiesen. Und so sei es letztlich gelungen, Omzo Bah einen Schlafplatz zu organisieren – wohl auch aufgrund des Eindrucks, den die Langenohls bei den Mitarbeitern der Organisation hinterlassen haben. „Ich befürchte, anderenfalls hätten sie sich nicht so viel Mühe gegeben und ihn, aufgrund fehlender Papiere, abgewiesen.“ Diese Papiere habe Omzo aber nachweislich nicht am Flughafen von Mailand erhalten, so Langenohl.

Nun hoffen Margret und Herbert Langenohl, dass ihr Schützling doch noch in Deutschland eine Chance erhält. Dafür wollen die Valberter weiter kämpfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare