800-Kilo-Koloss zieht Brennholz

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Hektor ist kräftig. Der Kaltblüter kann Lasten ziehen, die seinem Körpergewicht entsprechen.

MEINERZHAGEN ▪ Janosch Popiczycs Kommandos sind knapp, Hektor weiß auch so, was zu tun ist. Der 800-Kilo-Koloss legt sich im wahrsten Sinne des Wortes mächtig ins (Zaum-)Zeug. Ein kurzer Ruck – und schon stapft das deutsche Kaltblutpferd im Wald oberhalb von Hösinghausen mit seiner Last los.

Und die hat es in sich: Mehrere hundert Kilo Holz zieht das mächtige Tier auf einen Rutsch bis zur nächste „Rückegasse“, erst dort ist die Fuhre am Ziel.

Matthias Borgmann, Chef des Forstbetriebsbezirkes Beckerhof, hat die Firma Velhoff aus Dumicke bei Drolshagen damit beauftragt, für den Landesbetrieb Wald und Holz auf einer etwa 20 Hektar großen Fläche im Blomberger Tal tätig zu werden und bei der Durchforstung zu helfen. Das geschieht mit den beiden Rückepferden Hektor und Norbert, die vom erfahrenen Janosch Popiczyc geführt werden. Die Vierbeiner schaffen die gefällten Stämme bis zur nächsten Rückegasse, wo wiederum Schlepper das Holz aufnehmen und es bis zur Straße bringen. Dass Pferde die schwierige Arbeit übernehmen, hat einen guten Grund: Sie verdichten den Waldboden weit weniger als das schweres technisches Gerät tun würde. Und sie sind auch dort einsetzbar, wo Maschinen an ihre Grenzen stoßen würden, etwa an steilen Hängen. Das eigene Körpergewicht können die Kaltblüter an Last bewegen, schon im Alter von drei Jahren beginnt ihre „Ausbildung“ zum Rückepferd.

Die eigentlichen Fällarbeiten werden auf dem Gelände zwischen Meinerzhagen und Valbert zurzeit vom Ausbildungsbetrieb übernommen, der dem Landesbetrieb Wald und Holz angegliedert ist. Forstwirtschaftsmeister Reinhard Schmidt war heute mit dem Jahrespraktikanten Moritz Bilsing und Azubi Tobias Downy im Einsatz. Das Holz – hauptsächlich Eiche und Buche – wird über den Landesbetrieb von Matthias Borgmann an Privatleute aus dem heimischen Raum verkauft. Es wird in Kleinstlosen angeboten und dient als Brennholz. Die Kunden holen es sich an der Straße wo es gelagert ist ab und transportieren es nach Hause. Dort wird es zunächst etwa zwei Jahre gelagert, trocknet dabei aus und kann dann verheizt werden. Und der Andrang ist groß, für dieses Jahr meldet Borgmann bereits „ausverkauft“. Immerhin: „Für 2012 werden noch Bestellungen angenommen“, informiert Borgmann.

1000 Festmeter – so groß ist in diesem Jahr der Einschlag im Revier Beckerhof. Etwa die Hälfte davon kommt aus dem Blomberger Tal, wo seit Jahrzehnten keine Durchforstung mehr stattgefunden hat. Viel Arbeit wartet in den nächsten etwa vier Wochen deshalb noch auf den fünfjährigen Hektor und den ein Jahr jüngeren Norbert. Die beiden wechseln sich bei der Arbeit im Blomberger Tal übrigens gegenseitig ab. Zwei Stunden arbeitet jedes Kaltblut, dann kommt der „Partner“ an die Reihe. Schlechtes Wetter – das gibt es für die beiden Tiere nicht. Aber: Auf hartem Boden lässt es sich natürlich einfacher arbeiten als auf matschigem Untergrund, so wie zurzeit.

Im schlecht erschlossenen Blomberger Tal gibt es nur einen Forstweg, der aber in den vergangenen Jahren arg gelitten hat. Er wurde schon vor langer Zeit mit schweren Maschinen befahren und ist kaum zu begehen. Das soll sich nach Abschluss der Arbeiten aber ändern: „Wir werden ihn wieder instandsetzen, so dass er befahren und auch von Spaziergängern genutzt werden kann“, verspricht Borgmann. ▪ beil

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