Gericht

Unfallflucht oder nicht? Gericht stellt Verfahren ein

+
Das Amtsgericht stellte das Verfahren gegen eine 75-jährige ein.

Meinerzhagen – Die Angeklagte im Amtsgericht Meinerzhagen konnte es gar nicht glauben, dass sie mit 75 Jahren auf der Anklagebank saß. Bisher war die Marienheiderin noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Nun musste sie sich dem Vorwurf der Unfallflucht stellen.

Am 6. Juni 2019 war die Frau am Hit-Markt in Meinerzhagen einkaufen gewesen. Beim Ausparken, so der Vorwurf der Anklage, rammte sie einen anderen Wagen und verursachte einen Schaden von mehr als 2000 Euro. Sie sei ausgeparkt und habe plötzlich einen dumpfen Schlag gespürt, erklärte die Frau im Gericht. Hinter ihrem Wagen habe sich eine Frau mit Hund befunden. „Ich habe gedacht, dass ich einen Dackel überfahren habe“, gab die 75-Jährige an. Sie sei dann ausgestiegen, um nachzusehen, was so gerumpelt hatte. Sie habe einen Pflasterstein zwischen ihrem und einem weiteren Wagen entdeckt und sei davon ausgegangen, gegen diesen Stein gefahren zu sein. Sie habe ihn aufgehoben und an die Seite gelegt. Dann sei sie weggefahren. 

Zeugin hört Knall

„Ich bin mir nicht bewusst, dass ich ein anderes Fahrzeug beschädigt habe. Ich bin nicht gegen das Auto gefahren“, war sich die Angeklagte sehr sicher. Schließlich habe ihr Auto einen Rückfahrsensor. Der habe aber nicht gepiept. Eine 29-Jährige gab im Zeugenstand an, am besagten Tag ebenfalls im Hit-Markt einkaufen gewesen zu sein. Plötzlich habe sie einen Knall gehört. „Dieser Knall war nicht zu überhören“, gab die Frau an. Dann habe sie gesehen, dass das Fahrzeug der Angeklagten so nah an einem anderen Wagen gestanden habe, dass dazwischen kein Platz mehr gewesen sei. Die 75-Jährige sei dann einmal aus-, dann wieder in ihr Fahrzeug gestiegen und ein Stück vorgefahren. Dann habe die Rentnerin noch einmal angehalten und sei erneut ausgestiegen. „Ich denke, um nach Schäden an den Autos zu schauen“, vermutete die Zeugin. Danach habe die Angeklagte den Parkplatz in normalem Tempo verlassen. Dass die 75-Jährige einen Stein weggenommen habe, habe sie allerdings nicht gesehen, so die Zeugin. 

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft fasste die Fakten zusammen: Es gab einen Schaden, allerdings habe die Angeklagte keine Vorstrafen. Er könnte sich eine Einstellung vorstellen. Auch der Richter signalisierte, mit dieser Verfahrensweise einverstanden zu sein. Der Verteidiger tat sich schwer und beantragte eine Unterbrechung. Im Anschluss erklärte er, „nach langem Diskutieren schweren Herzens, ja. Aber wir hätten lieber einen Freispruch gehabt.“ Und so stellte das Gericht das Verfahren gegen die 75-Jährige schließlich ohne Auflagen ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare