Ditip-Türkisch-Islamisches Zentrum Meinerzhagen

Interview in der Moschee am Siepener Weg: Das ist der neue Imam Özkan Varli

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Der 38-jährige Özkan Varli ist neuer Imam des Ditip-Türkisch-Islamischen Zentrums Meinerzhagen. Zusammen mit Ehefrau Emine, Tochter Betül und Sohn Hasan zog er nach Meinerzhagen, wo die Familie im Gästehaus der Moschee am Siepener Weg lebt.

Meinerzhagen - Er ist Neubürger – und ein ganz besonderer: Seit dem 18. September wohnt Özkan Varli in Meinerzhagen.

Der 38-Jährige zog auch wegen verwandtschaftlicher Beziehungen in die Volmestadt. Doch der Hauptgrund ist ein anderer: Özkan Varli ist der neue Imam des Ditip-Türkisch-Islamischen Zentrums Meinerzhagen. 

Die MZ sprach in der Moschee am Siepener Weg mit dem neuen religiösen Oberhaupt der heimischen Gemeinde, das auf Antrag der hiesigen Ditib-Gemeinde von der türkischen Religionsbehörde Dyanet in die Volmestadt entsandt wurde.

Sie sind in den kommenden fünf Jahren das geistliche Oberhaupt. Wie haben Sie sich auf Ihre Aufgabe bei der ersten deutschen Gemeinde, die Sie übernehmen, vorbereitet?

Özkan Varli: Zu allererst: Mir wurde von meinen Ansprechpartnern nur Positives über diese Stadt und die Gemeinde berichtet. Das hat sich bei meinen ersten Kontakten hier bestätigt. Die Menschen waren alle sehr freundlich und hilfsbereit. Dafür danke ich. Ich habe in der Türkei schon Deutsch-Kurse besucht, und ich möchte hier die Sprache weiter erlernen. Meine Ehefrau Emine wurde übrigens in Duisburg geboren. Studiert habe ich an der Universität in Sakarya. Dort wurde ich nicht nur im Islam unterrichtet, sondern auch in anderen Religionen, wie dem Christentum. Anschließend war ich als Imam an verschiedenen türkischen Moscheen tätig und habe die staatliche Ausbildung zum Prediger durchlaufen.

Welche Ziele haben Sie sich für ihre Arbeit in Meinerzhagen gesetzt?

Varli: Ich möchte einfach für die Menschen da sein. Jeder, egal ob Moslem oder Angehöriger einer anderen Religion, kann zu mir kommen. Ich bin offen für alle Fragen und Angelegenheiten. Und natürlich bin ich als geistliches Oberhaupt mit der Befugnis zur Predigt auch für die Gebete zuständig. Ich habe vom Gemeinde-Vorstandsmitglied Osman Batgün erfahren, dass zu den Gebeten 5 bis 700 Gläubige kommen und zum Freitagsgebet immer etwa 300. Deutschland bin ich dankbar, dass ich als Imam diesen moslemischen Menschen hier zur Verfügung stehen darf. Und ich zitiere in diesem Zusammenhang einen Satz unseres Propheten. Der hat gesagt: ,Der Wertvollste von euch ist derjenige, der Gutes tut.’ 

Dem Moscheeverband Ditib wird vorgeworfen, Menschen auszuspionieren. Wie denken Sie darüber?

Varli: Gemäß eines Abkommens zwischen Deutschland und der Türkei ist die Ditib – Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion – eine religiöse Organisation in Deutschland. Die Ditib hat immer für ein friedliches Miteinander zwischen Deutschland und der Türkei gesorgt. Derartige Vorwürfe kann ich als Ditib-Angestellter nur zurückweisen. Ich wurde als Diener meiner Gemeinde nach Deutschland gesandt. Mit Ausspionieren habe ich wirklich nichts zu tun. Das wäre mit meinen Aufgaben als Imam auch überhaupt nicht vereinbar. Im Gegenteil: Ich möchte in jeder Beziehung Transparenz schaffen und ich bin bereit, jedem alle Fragen zu diesem Thema zu beantworten. Mein Wunsch ist es, in Frieden alle geistlichen Aufgaben wahrnehmen zu können. 

Als Ihr Wunsch feststand, nach Deutschland zu gehen: Sind Sie zu diesem Zeitpunkt in der Türkei aufgrund der angespannten Beziehungen der beiden Länder auf Unverständnis gestoßen?

Varli: Ich habe in der Türkei keine negativen Stimmungen gegen Deutschland ausgemacht und nichts Derartiges gehört. Und politische Themen spielen für mich ohnehin keine Rolle. Ich denke, dass wir Menschen untereinander wirklich keine Probleme miteinander haben. 

Viele Flüchtlinge, die in Meinerzhagen leben, sind Moslems. Haben Sie festgestellt, dass Ihre Gemeinde für diese Menschen ein wichtiger Anlaufpunkt ist? 

Varli: In der täglichen Arbeit gibt es weniger Kontakt zu Flüchtlingen. Bei den Freitagsgebeten kommen eher mehr. Die Gebete werden in arabischer Sprache gehalten, das können viele Flüchtlinge verstehen. Die Predigten halte ich auf Türkisch, das verstehen sie eher nicht. Aber selbstverständlich sehe ich meine Aufgabe auch darin, für Flüchtlinge da zu sein.

Abgesehen vom Beruf: Welche Aufgaben stehen jetzt für Sie als Privatmann an? 

Varli: Ich habe eine Tochter. Betül ist neun Jahre alt und sie wird jetzt eine örtliche Schule besuchen. Mein Sohn Hasan ist fünf Jahre alt, er hat schon einen Platz im Awo-Kindergarten. Behördengänge, Kontakte zu den Institutionen – das alles hat viel Zeit gekostet. In meiner Gemeinde möchte ich nun gern auch andere Aktivitäten unternehmen, beispielsweise mit den Jugendlichen gemeinsam Fußball spielen. Privat bin ich übrigens Fußballfan und Anhänger von zwei Mannschaften: Besiktas Istanbul und Bayern München.

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