33-jähriger Syrer liefert Bargeld bei der Polizei ab

Ehrlicher Finder: 100 Euro in bar? Nein danke!

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Für Luay Arshookia aus Syrien war es keine Frage, das gefundene Geld abzugeben. Polizeihauptkommissar Marian Kosanke findet das „vorbildlich“.

Meinerzhagen - Luay Arshookia gehört ganz sicher nicht zu den Meinerzhagenern, für die Geld keine Rolle spielt. Der syrische Flüchtling kommt mit wenig aus und er ist dankbar, hier in Deutschland unterstützt zu werden. Aber 100 Euro in bar, mal einfach so nebenbei? Das nimmt man doch mit! Als der 33-Jährige in der vorigen Woche zwei verloren gegangene „Fünfziger“ im Rinnstein an der Hauptstraße entdeckte, tat er genau das – und brachte die Scheine zur Polizei.

„Nicht meins“, lautete seine simple Begründung für die Übergabe des Geldes an die Ordnungshüter, die ob so viel Ehrlichkeit dann auch sehr beeindruckt waren. „Vorbildlich!“, findet Polizeihauptkommissar Marian Kosanke von der Wache an der Oststraße.

Luay Arshookia versteht die Aufmerksamkeit, die ihm nun zuteil wird, eigentlich nicht so ganz. Für den ledigen Mann mit einem befristeten Aufenthaltstitel war es keine Frage, die 100 Euro abzugeben: „Auch meine Religion sagt, dass man fremde Sachen nicht einfach behalten darf. Und ich weiß, dass ich dann auch keine Freude an dem Geld haben würde, weil ich ein sehr schlechtes Gewissen bekommen hätte“, sagt der Moslem. Weil er sich aber zunächst nicht sicher war, stellte er den Beamten in der Wache zuerst eine Frage: „Was machen denn Deutsche, wenn sie Geld gefunden haben?“ Wie die Antwort ausfiel, ist nicht bekannt.

Gedanken an den Krieg in der Heimat

Geld ist ohnehin nicht das Thema, mit dem sich der aus Latakia in Nordsyrien stammende Mann derzeit intensiv beschäftigt. Der Krieg in seiner Heimat und die Angriffe auf Idlib – nicht weit vom Wohnort seiner drei Schwestern und der Eltern entfernt – sind ständig präsent. In Gedanken ist er bei ihnen und über WhatsApp hält er auch Kontakt.

Und wie stellt er sich sein weiteres Leben in Deutschland vor? „Meinerzhagern ist auf jeden Fall sehr schön“, freut sich der Syrer, auf Deutsch antworten zu können. Die Sprachkenntnisse, die er weiter verfeinern möchte, verdankt er dem Besuch eines Sprachkurses in Lüdenscheid. In die Fähigkeit, sich in der Landessprache ausdrücken zu können, setzt er auch Hoffnung. Denn: „Eine Ausbildungsstelle, das wäre schön“, sagt Luay Arshookia.

In Syrien habe er nach der Berufsschule ein kaufmännisches Studium begonnen – vor dem Abschluss entschloss er sich dann aber zur Flucht. „Und mein ganz großer Traum ist eine Ausbildung zum Bankkaufmann“, lacht der 33-Jährige, der sich davon momentan aber noch ganz weit entfernt sieht. Augenblicklich versucht er erst einmal, sein Schulzeugnis im Gastland anerkennen zu lassen.

Wälder und Seen beeindrucken

Ob er in Deutschland bleiben möchte? Diese Frage kann Luay Arshookia noch nicht beantworten. Einerseits zieht es ihn wieder zur Familie nach Latakia, andererseits wünscht er sich sehnlich, einmal eine Ausbildung in Meinerzhagen beginnen zu dürfen.

Dass er einmal eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung bekommen wird, glaubt der Syrer schon. In der Volmestadt gefällt es ihm gut: „Die Wälder, die Seen, das alles habe ich mir schon per Fahrrad angesehen. Außer Meinerzhagen kenne ich nichts von Deutschland. Hierhin bin ich 2015 direkt aus einem Lager in Bayern gekommen – und hier bin ich geblieben. Nur nach Lüdenscheid bin ich regelmäßig gefahren. Da habe ich ein Praktikum beim Diakonischen Werk gemacht. Faxen, Mailen – Büroarbeit halt. Aber es war sehr schön“, freut sich der Syrer.

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