Betrugsprozess

Nach dubioser Bestellung: Mann (27) wird freigesprochen

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Vor dem Amtsgericht Meinerzhagen wurde gegen den 27-Jährigen verhandelt.

Meinerzhagen – Ja, es gibt sie noch – die Sammelbesteller für ein großes Versandhaus. In einem Fall handelt es sich um eine 79 Jahre alte Rentnerin aus Meinerzhagen.

Die Frau hatte unter anderem Bestellungen von einem 27-Jährigen entgegengenommen. Meist habe er Handys geordert, erklärte die Frau im Amtsgericht Meinerzhagen, wo sie als Zeugin im Betrugsprozess gegen den Mann aussagte: „Bis Dezember ging alles gut, dann hat er nicht mehr gezahlt.“ 

Gern erläuterte die Frau dem Richter ihr Verfahren. Die Leute suchen sich etwas aus, geben ihr die Artikelnummer, sie bestellt die Ware per Telefon. 

Wenn die Sachen bei ihr ankommen, müssen die Besteller ihr einen Zettel unterschreiben und die Artikel in Raten abstottern. Laut Anklageschrift hatte der 27-Jährige mehrere Handys im Gesamtwert von 4949,18 Euro nicht bezahlt.

Personen und Adressen offenbar nicht real

Er habe nur zwei Smartphones für sich bestellt, die er auch abzahlen wolle, gab der Angeklagte an. Tatsächlich befanden sich auf zwei Zetteln, die die Rentnerin dem Richter vorlegte, zwei ganz andere Namen. Er habe versucht, herauszufinden, wer diese Leute sind, berichtete der 27-Jährige. 

Dabei habe er erfahren, dass es weder die Personen, noch die angegebenen Adressen gebe. Dass der Angeklagte die Zettel selbst unterschrieben hatte, dafür gab es keinen Beweis. 

Richter hegen Zweifel am Vorliegen einer Straftat

Und auch sonst zeigte sich der Richter nicht davon überzeugt, dass es sich bei dem Meinerzhagener um einen Betrüger handelte. Sowohl die Vertreterin der Staatsanwaltschaft als auch der Richter hegten Zweifel an dem Vorliegen einer Straftat. Wenn es sich um einen Betrug handele, müsste der Angeklagte in den Genuss des Wertes gekommen sein, erklärte der Vorsitzende. „Das kann ich nicht feststellen.“ Zumal der Mann betonte, nicht alle Handys bei der Rentnerin überhaupt abgeholt zu haben. 

Es fehlten objektive Beweismittel. Die Buchführung der Rentnerin sei zu mangelhaft. Die noch offenen Raten seien ein Fall für den Zivilrichter. Ob die 79-Jährige dort eine Chance hat, ihr Geld zurückzuerhalten, könne er nicht sagen, so der Richter. Der Strafrechtsprozess indes endete mit einem Freispruch.

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