Glimpfliches Ende

„Geisterfahrer“ wird auf freien Fuß gesetzt

Glimpfliches Ende im Dortmunder Schwurgerichtsverfahren gegen den Geisterfahrer aus Meinerzhagen: Der 24-jährige wurde am Donnerstag auf freien Fuß gesetzt.

MEINERZHAGEN ▪ Glimpfliches Ende im Dortmunder Schwurgerichtsverfahren gegen den Geisterfahrer aus Meinerzhagen: Der 24-jährige wurde Donnerstagmittag auf Weisung des Dortmunder Schwurgerichts unter strengen Auflagen aus der geschlossenen psychiatrischen Klinik in Lippstadt-Eickelborn auf freien Fuß gesetzt. Das Gericht unter Vorsitz von Wolfgang Meyer folgte damit den übereinstimmenden Anträgen von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und auch dem Rechtsbeistand der Unfallopfer.

Der junge Meinerzhagener hatte, wie bereits berichtet, am 19. November vergangenen Jahres seinen Wagen auf der Autobahn 1 in Höhe von Schwerte gewendet und war auf der Ausfädelspur mit einem mit vier Personen besetzten Pkw zusammen gestoßen, der gerade die Autobahn verlassen wollte. Die Insassen wurden durch glücklichen Zufall nur leicht verletzt, haben aber bis heute unter den seelischen Folgen des absichtlich herbeigeführten Unfalls zu leiden.

Ohne weiteres, so der Vorsitzende Richter Wolfgang Meyer in seiner Urteilsbegründung, hätte bei dem absichtlich herbeigeführten Unfall weitaus mehr passieren können: „Es hätte hier leicht zu einem Massenunfall mit mehreren Toten kommen können“. Durch das besonnnene und reaktionsschnelle Bremsen des Unfallopfers war kein weiteres Auto in das Geschehen verwickelt worden. Den Insassen war nach der Kollision schnell das seltsame und äußerlich teilnahmslose Verhalten des Unfallfahrers aufgefallen – in der geschlossenen Klinik in Lippstadt-Eickelborn wurde später eine paranoide Psychose diagnostiziert.

Der junge Mann versuchte vor Gericht, sein inneres Empfinden am Tattag zu schildern, beschrieb sich als „ferngesteuert mit extremer Wahrnehmung“. Ohne jegliche Gedanken an womöglich gefährdete Mitmenschen habe er damals „ganz spontan“ den Wagen in die Gegenfahrbahn gelenkt, um sich das Leben zu nehmen. „Ich wollte alles auf Null setzen, wiedergeboren werden“ schilderte er sichtlich betroffen seine seelische Not in den Momenten vor dem Unfall.

Der noch immer nicht vollständig genesende Handwerker hat sich verpflichtet, seine in der Klinik begonnene Therapie ambulant fortzusetzen sowie regelmäßig die verschriebenen hochwirksamen Psychopharmaka einzunehmen – mit unregelmäßigen und nicht angekündigten Bluttests wird diese Medikamenteneinnahme in Zukunft akribisch überprüft. Unterstützen werden ihn bei seiner Gesundung auch seine Eltern – seine erste eigene Wohnung hat der junge Mann wieder aufgegeben und ist wieder ins Elternhaus gezogen.

Einen Führerschein wird er jedoch wohl frühestens in zwei Jahren erneut beantragen können. Mit der Entscheidung des Dortmunder Schwurgericht zeigten sich auch die Unfallopfer zufrieden. Eine Verurteilung wegen versuchten vierfachen Mordes war wegen der schweren Erkrankung des Beschuldigten zur Tatzeit nicht gegeben – der Geisterfahrer gilt strafrechtlich als schuldunfähig. ▪ mw

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