Arlette Giulia Ngami Tchana ist Süd-Nord-Freiwillige

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Arlette Giulia Ngami Tchana im Hallenbad von Haus Nordhelle. Unter fachkundiger Anleitung lernt die junge Frau aus Kamerun hier zurzeit Schwimmen.

Meinerzhagen - Ihr Name ist Arlette Giulia Ngami Tchana. Die junge Frau kommt aus Kamerun, ist 22 Jahre alt und sie sagt: „Arbeit bildet den Charakter.“ Zu tun hat Arlette Giulia genug. Sie ist eine von zwei so genannten „Süd-Nord-Freiwilligen“ im Evangelischen Tagungszentrum Haus Nordhelle.

Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) lädt junge Menschen aus ihren Mitgliedskirchen in Afrika und Asien ein, im Rahmen des Süd-Nord-Freiwilligendienstes nach Deutschland zu kommen und ein Jahr in einer Gemeinde oder diakonischen Institution zu arbeiten. Die 22-Jährige griff zu – seit April ist sie im Tagungszentrum mit ähnlichen Aufgaben beschäftigt, wie ihre Kollegen vom Bundesfreiwilligendienst. Doch daran musste sich Arlette Giulia Ngami Tchana erst gewöhnen.

„In Kamerun habe ich in meiner evangelischen Gemeinde als Leiterin des Kindergottesdienstes gearbeitet. Hier besteht meine Aufgabe auch darin, Gläser einzusammeln, Aschenbecher zu säubern und Stühle in Tagungsräume zu stellen. Anfangs hatte ich damit Probleme, weil ich gehofft hatte, wie in meiner Heimat mit Kindern arbeiten zu dürfen – aber dann hat mir mein Glaube geholfen.“

Biblische Geschichte von Josef als Beispiel: Karriere in der Fremde

Inzwischen ist die junge Frau glücklich in Haus Nordhelle, auch Heimweh hat sie nicht, wenngleich Eltern und Schwester ihr manchmal fehlen. Arlette Giulia erinnerte sich in den ersten Wochen ihres Deutschland-Aufenthaltes an die biblische Geschichte von Josef. Der kam nach Ägypten. Dort arbeitet er als Diener. Gott stand ihm bei und Josef machte in der Fremde – salopp ausgedrückt – Karriere.

Die Afrikanerin ist noch jung, doch ihr Sprachen-Studium an der Universität in Dschang hat sie bereits hinter sich. Französisch, Englisch und Deutsch war ihre Fächerkombination. Ohne das Angebot aus Valbert hätte sie auch ihren Master-Abschluss als Übersetzerin schon in der Tasche.

Neben den alltäglichen Arbeiten im Tagungszentrum „Auf dem Koppenkopf“ wirkt Arlette Giulia, die in Valbert bei einer Gastfamilie wohnt – inzwischen auch bei Andachten in der neuen Kapelle mit oder beim Open-Air-Gottesdienst.

"In der Heimat alles tun, damit es besser wird"

In Valbert selbst war sie zunächst erstaunt über die Infrastruktur und die „schönen Straßen“: „So etwas gibt es in Kamerun nur in den großen Städten, keinesfalls in unseren Dörfern, wo sogar oft Probleme mit der Wasserversorgung entstehen.“ Und Bedenken, dass sich „in der Fremde“ wegen ihrer Hautfarbe Schwierigkeiten ergeben, haben sich inzwischen verflüchtigt. „Viele Vorurteile stimmen nicht. Ich habe gar keine Angst, hier auf die Straße zu gehen oder mit der Bahn zu fahren. Ich fühle mich inzwischen wie Zuhause.“

Eines allerdings kann die Süd-Nord-Freiwillige gar nicht verstehen: „Ich bin enttäuscht über die Afrikaner, die denken, dass nur im Ausland das Heil gesucht werden kann.“ Sie selbst wird Anfang 2016 wieder zurückkehren und in Kamerun ihr Glück suchen. „Ich denke, dass man versuchen muss, in der Heimat alles dafür zu tun, dass es besser wird, wenn man sich beklagt, dass dort alles schlecht ist.“ Die Bilder von Afrikanern, die versuchen durch den Euro-Tunnel von Frankreich nach England zu gelangen, hat sie im Fernsehen gesehen. „Da geht die Zukunft dieser Länder nach Europa. Aber vielleicht kehren diese Menschen ja einmal freiwillig wieder nach Afrika zurück.“

Nudeln mit Zucker - eine tansanische Spezialität in Deutschland

Deutschland entdecke sie selbst sehr gerne. „Ich war schon in Köln, Dortmund und sogar in Lübeck und Weimar. Das war sehr schön.“ An manche zunächst fremden Bräuche hat sie sich auch bereits gewöhnt. Doch ein Erlebnis wirkt noch immer nach: Amos Kameli heißt der zweite Valberter Süd-Nord-Freiwillige, der zurzeit an einem evangelisch-freikirchlichen Camp teilnimmt. Der junge Mann kommt aus Tansania. „Er hat mich in Valbert einmal zum gemeinsamen Kochen eingeladen. Und da gab es tatsächlich Nudeln mit Zucker. Angeblich eine tansanische Spezialität. So etwa würde bei uns in Kamerun niemand essen...“.

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