Abschiebung erschüttert Helfer und Arbeitgeber

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Polizei und Ausländerbehörde schoben Omzo Bah am frühen Montagmorgen ab.

Meinerzhagen - Der Traum vom sicheren Leben in Deutschland endete für Omzo Bah am Montagmorgen.

Polizei und Ausländerbehörde öffneten gegen 4 Uhr die Tür zur Flüchtlingsunterkunft an der Immecker Straße, weckten den 21-Jährigen unsanft und forderten ihn auf, seine Sachen zu packen. Abschiebung. Dabei hatte er am Montagabend mit Freunden und Betreuern eigentlich seinen Lehrvertrag feiern wollen.

Margret und Herbert Langenohl sind immer noch fassungslos, wenn sie von den Geschehnissen Anfang der Woche an der Immecker Straße erzählen. „Wir hatten eine Feier organisiert, haben uns so sehr gefreut, dass Omzo einen Ausbildungsvertrag bekommt. Und dann das!“, sagt ein spürbar bewegter Herbert Langenohl. Mehr als zwei Jahre lang hatte sich seine Frau Margret um Omzo Bah gekümmert. Sie kennt die bewegende Geschichte des jungen Mannes, der sich nun plötzlich mitten in Mailand wiederfindet. Ohne Bleibe, ohne Geld. Und ohne Job.

Bereits seit seinem 16. Lebensjahr sei er in Europa unterwegs – auf der Suche nach einer Perspektive. Denn den unhaltbaren Zuständen im Senegal, in den er mit seiner Mutter schon im Alter von drei Jahren gezogen war, wollte Omzo Bah entfliehen. Als Jugendlicher machte er sich auf den Weg über die Nordafrika-Route, sprich: über das Mittelmeer. Nach seiner Ankunft in Italien zog er weiter nach Deutschland – und landete schließlich in Meinerzhagen, wo er schon seit mehr als zweieinhalb Jahren von Margret Langenohl betreut wird.

„Ausbildungsvertrag schon in der Schublade“

„Wir haben für Omzo gekämpft, uns für ihn eingesetzt. Dass er dann so kurz vor dem Ziel abgeschoben wird, ist einfach unbegreiflich“, sagt Margret Langenohl, die ebenso wütend über das Vorgehen der Behörde ist wie Christoph Sönchen. Der Dachdeckermeister hatte den 21-Jährigen seit Anfang Februar als Praktikanten beschäftigt. „Und zwar nicht als billige Arbeitskraft“, betont Sönchen, „sondern weil ich einen Lehrling suchte. Das wusste seit Anfang Februar auch die Ausländerbehörde in Lüdenscheid.“ Er habe das Praktikum lediglich als Probearbeit gesehen, sei von der Leistung des jungen Mannes aus Guinea aber schnell überzeugt gewesen. „Der Ausbildungsvertrag lag schon in meiner Schublade, als ich die Nachricht erhielt, dass Omzo abgeschoben wurde“, sagt Christoph Sönchen.

Ablehnung bereits am 20. Dezember

Ursula Erkens, Sprecherin des Märkischen Kreises, bei dem die Ausländerbehörde angesiedelt ist, kennt diese Problematik – und ist skeptisch. „Leider kommt es nicht selten vor, dass wir im Zuge einer Abschiebung über Ausbildungsverträge informiert werden, die allerdings noch nicht unterschrieben sind“, sagt Erkens. Im konkreten Fall von Omzo Bah habe die Behörde lediglich Kenntnis über das Praktikum erhalten, „und das auch erst, nachdem sein Asylantrag bereits abgelehnt wurde“, berichtet Erkens. Die Nachricht von der Ablehnung sei bereits am 20. Dezember verschickt worden. „Normalerweise hat die Person dann etwa sechs Wochen Zeit, um selbstständig in das Land seiner Erstaufnahme zurückzukehren. Das Abschiebeverfahren lief also bereits, als das Praktikum begonnen wurde. Dann ist es zu spät.“ Lediglich ein unterschriebener Ausbildungsvertrag hätte den Prozess – eventuell – noch stoppen können.

Umso mehr ärgern sich nun das Ehepaar Langenohl und Christoph Sönchen über die Abschiebung von Omzo Bah. Herbert Langenohls Vermutung: „Die Behörde wusste von dem Vertrag und wollte Fakten schaffen.“ Nun wollen er und seine Frau juristisch gegen die Abschiebung vorgehen und eine Rückkehr des 21-Jährigen nach Deutschland ermöglichen.

Bis es so weit ist, bleibt den Langenohls nur der Kontakt per Telefon und die Unterstützung über Hilfsorganisationen in Italien. Dort soll Omzo Bahs Asylverfahren nun weiter bearbeitet werden. „Deutschland schiebt die Arbeit nach Italien, doch dort wird man der Lage einfach nicht Herr“, sagt Herbert Langenohl. Und doch hoffen er und seine Frau Margret weiterhin, dass Omzos Traum von Deutschland nicht jäh in Mailand endet.

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