Edelkrebse in der Fürwigge ausgesetzt

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Marina Nowak vom Edelkrebsprojekt NRW und Markus Kühlmann vom Ruhrverband hoffen, dass das Projekt in der Fürwigge ein Erfolg wird. Sie entließen an der Talsperre gestern 2000 Edelkrebse in die Freiheit.

Meinerzhagen - Großer Bahnhof für 2000 Meinerzhagener „Neubürger“, die künftig den Uferbereich in der Fürwiggetalsperre besiedeln werden.

Gestern hatte der Ruhrverband dazu eingeladen, den „Umzug“ live zu verfolgen. Am Mittag war es so weit: Die Edelkrebse wurden in die Freiheit entlassen, ihre neue Heimat ist nun die Talsperre an der Stadtgrenze zu Lüdenscheid. 

Hintergrund der Aktion: Die Bestände an Flusskrebsen gehen hierzulande stark zurück. Die beiden in NRW heimischen Arten, Edelkrebs und Steinkrebs, sind sogar vom Aussterben bedroht. Aus diesem Grund wurde das Edelkrebs-Projekt NRW ins Leben gerufen. Die gravierendsten Gefahren sind die Krebspest und die Verdrängung durch eingeschleppte Amerikanische Flusskrebse. 

Bis zu 18 Zentimeter groß können die „edlen“ Tierchen werden. Sie sind nach Untersuchung und Einschätzung durch den Ruhrverband dazu geeignet, in der Fürwigge eine neue Population zu gründen. Markus Kühlmann ist Fischereisachverständiger des Ruhrverbandes. Er freut sich, dass die Krebse, die aus der Zucht von Dr. Harald Groß in der Eifel stammen, das Biotop Fürwigge nun besiedeln können: „Sie sind in den Gewässern eine Art Gesundheitspolizei, weil sie ein breites Nahrungssektrum haben, das von Laub bis zu toten Fischen reicht.“ 

Tiere finden optimale Bedingungen

Das „Krebs-Paradies“ Fürwigge hat allerdings auch seine Schattenseiten für die gepanzerten Scherenträger: „Viele Fressfeinde haben sie dort nicht. Doch es gibt natürlich Forellen, die Edelkrebse erbeuten“, weiß Markus Kühlmann. Die Raubfische müssen die kleinen „Neubürger“ allerdings erst einmal finden: „In der Regel verstecken sich die Krebse vor den Fischen“, erläutert der Fachmann. Ein sicherer Unterschlupf nutzt allerdings gegen eine Gefahr nichts: Die Krebse sind wehrlos gegen organische und chemische Verschmutzung des Wassers. Besonders Insektizide setzen ihnen zu. Markus Kühlmann ist allerdings optimistisch, dass sie in der heimischen Talsperre auch in dieser Hinsicht beste Lebensbedingungen vorfinden: „Die Wasserqualität der Fürwigge ist ausgezeichnet.“

 Dass sie sich durch die neuen „Gesundheitspolizisten“ noch weiter verbessert, hält er aber für unwahrscheinlich. „Sinn der Maßnahme ist eher die Vergrößerung der Population. Die Tiere finden hier optimale Bedingungen vor und einen großen Lebensraum, sodass es in Zukunft möglich sein könnte, Krebse aus der Fürwigge zu entnehmen und anderswo wieder anzusiedeln.“ 

Die Fürwigge hat im Bereich des Ruhrverbandes in Sachen Krebs-Ansiedlung übrigens Modellcharakter. Kühlmann: „Sie ist das einzige Gewässer, in dem wir solch ein Projekt durchführen.“

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