Klaus Kermes: „Zusammenstöße sollten auf jeden Fall gemeldet werden“

104-mal „Fallwild“ in 2014: Warnung vor Wildwechsel

+
Beim Anblick solcher Schilder sollten Autofahrer besondere Vorsicht walten lassen – wie auf dem Teilstück zwischen Meinerzhagen und Valbert, an dem dieses Bild entstand.

Meinerzhagen - Die Meldungen gleichen sich Jahr für Jahr: Mit dem Einbruch der dunklen Jahreszeit steigt die Gefahr von Wildunfällen dramatisch an. Die Warnungen von Jägern und Naturschutzverbänden wiederholen sich - doch die Zahl der Unfälle mit umherlaufendem Wild stieg zuletzt dennoch.

So nahm in Meinerzhagen der Anteil des so genannten „Fallwilds“ an der Gesamtzahl der tot aufgefundenen Wildtiere um vier Prozent zu. Im Jahr 2014 lag dieser Anteil mit 104 Tieren bei rund 20 Prozent. Allerdings sei das immer noch „ein üblicher Wert“, wie Klaus Kermes, stellvertretender Leiter des Hegerings Meinerzhagen-Valbert erklärt. „Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Jahr für Jahr etwa ein Fünftel der aufgefundenen Tiere durch den Straßenverkehr getötet wird“, so der Erfahrungswert des Jagdexperten. Nach einer Erhebung des Märkischen Kreises, die den Zeitraum 1997 bis 2013 abdeckt, gelten vor allem die Landesstraßen 539 (Meinerzhagen-Valbert), 707 (Valbert-Herscheid) und die Schnörrenbach zwischen Meinerzhagen und Kierspe als besonders unfallträchtige Strecken.

Häufige Unfälle bei Jahreszeiten-Wechsel

Insbesondere der Wechsel von Sommer- auf Winterzeit führe des Öfteren zu Unfällen. „Da sind auf einmal Autofahrer zu Uhrzeiten unterwegs, zu denen die Tiere einfach nicht damit rechnen. Das ist dann eine Frage von einigen Tagen, bis sich beide Seiten an die neue Situation gewöhnt haben“, sagt Klaus Kermes.

Hinzu komme die Brunft- beziehungsweise Blattzeit, die sich allerdings je nach Art unterscheide. So befinde sich derzeit das Rotwild noch in der Brunft - was zuletzt nach subjektiver Wahrnehmung zu erhöhten Unfallzahlen geführt habe. Erst in der vergangenen Woche sei im Bereich Lengelscheid ein Tier durch ein Auto getötet worden, ein weiteres wurde angefahren und ist entkommen. „Vermutlich ist auch das später verendet“, so Kermes.

Denn: Selbst, wenn sich das Wild nach einer Kollision scheinbar unversehrt wieder aufrappelt, erliegt es kurz darauf seinen inneren Verletzungen. „Solche Zusammenstöße sollten auf jeden Fall gemeldet werden“, rät der stellvertretende Hegeringleiter. Zumal sich die Haftungsfrage nach Inkrafttreten des neuen Landesjagdgesetzes geändert habe: Nun können Autofahrer nach Fahrerflucht strafrechtlich belangt werden - was zuvor nicht der Fall war. „Da sollte man sich gut überlegen, ob man nicht auch mit 1,5 Promille im Blut lieber den Jagdpächter oder die Polizei verständigt, als die Gefahr einer Fahrerflucht einzugehen“, sagt Klaus Kermes.

Jagdpächter treffen Vorkehrungen

Damit es im besten Fall gar nicht erst zur überraschenden oder gar tödlichen Begegnung mit Reh, Hirsch oder Wildschwein kommt, treffen Jagdpächter und Behörden je nach Ortslage unterschiedliche Vorkehrungen. Am bekanntesten sind Reflektoren, die das Licht der Fahrzeuge für das Wild weithin sichtbar machen sollen. Von Duftstoffen, die die Tiere vertreiben sollen, hält Klaus Kermes wenig. „Die Wirkung lässt zu schnell nach“, sagt der Jäger. Da der natürliche Zug der Tiere nicht eingeschränkt werden könne und dürfe, favorisiert er stets gemähte Straßenränder, damit Autofahrer freie Sicht auf die Umgebung haben.

Verständnis für die Tiere

„Die Tiere müssen über die Straßen, Rotwild zieht etwa vom Baltikum bis nach Spanien. Da können wir die Wege nicht sperren, sondern nur entschärfen“, wirbt Kermes für Rücksicht auf jene Tiere, die in Sachen Infrastruktur den Menschen um Millionen von Jahren voraus seien. „Seither kennen die ihre Wege - der Mensch hat viel später mit dem Bau von Straßen angefangen“, betont der Meinerzhagener.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare